Leben und Arbeiten im Schichtdienst

Dieser Beitrag entstand im Kurs «Schreibkompetenz» während des Studiums zum Bachelor of Science FH in Nursing der Kalaidos Fachhochschule Gesundheit (neu: Careum Hochschule Gesundheit). Die Teilnehmenden wählten ein Thema, mit dem sie in der Regel in ihrem Berufsalltag in Berührung kommen. Sechs Beiträge wurden ausgewählt und für den Blog überarbeitet. 

In Kürze: Wer Schichtarbeit oder Nachtdienst leistet, macht oftmals die Nacht zum Tag. Unregelmässige Arbeits- und Schlafzeiten bringen die «innere Uhr» aus dem Takt. Nicht alle Arbeitnehmenden können längerfristig mit der Belastung und dem Schlafmangel umgehen. Aber: Bringt Schichtarbeit auch Vorteile? Und wenn ja, wie geht man am besten mit den Herausforderungen um?

Viele Leute verfolgen einen geregelten Arbeitsalltag, von Montag bis Freitag. Es gibt aber auch viele Berufstätige, die einem Job nachgehen, der dies nicht zulässt. Dazu zählt auch der Pflegeberuf. Ich arbeite selbst seit sieben Jahren in einer Akutklinik mit allen Schichten, die dazugehören: Früh-, Spät- und Nachtdienst. Überdies kommen noch Schichten an Wochenenden und Feiertagen dazu.

Aus Erfahrung kann ich berichten, dass es nicht immer einfach ist, das Privatleben mit den vorhandenen Arbeitsbedingungen unter einen Hut zu bringen. Zudem kommt der ständige Schichtdienstwechsel dazu, der einen flexiblen Tagesablauf fordert. Doch bringt Schichtarbeit nur Nachteile und gesundheitliche Risiken mit sich? Oder anders gefragt: Was macht das Arbeiten in einem Versorgungsbetrieb mit verschiedenen Diensten attraktiv?

Unsere «innere Uhr»

Menschliche Körperfunktionen  richten sich nach einer Tages- und Nachtperiodik. Sie haben einen Tagesgang, das heisst ein Maximum und ein Minium innerhalb von 24 Stunden. Man bezeichnet dies als «innere Uhr» oder «24-Stunden-Rhythmus».
Dieser Lebensrhythmus ist dem Menschen angeboren. Er richtet sich auch nach äusseren Faktoren, wie zum Beispiel Uhrzeit, Helligkeit respektive Dunkelheit im Tag-Nacht-Verlauf oder Temperaturänderungen. Der Körper ist so tagsüber leistungsbereit und erholt sich nachts. Diese «innere Uhr»lässt sich nicht nach Belieben beeinflussen. Das macht die unregelmässige Aktivität zu einer besonderen Anstrengung (Besser Leben mit Schichtarbeit; Schweflinghaus 2015).

Etwa 20 % der Erwerbstätigen in der Schweiz arbeiten in Schichten, ein Grossteil dabei auch nachts. Massgeblich trägt die Tatsache dazu bei, dass wir zunehmend in einer 7-Tage-24-Stunden-Gesellschaft leben.

Betroffene erleben solche Arbeitszeiten und -modelle unterschiedlich. Rund 20 % der Personen verlassen die Schichtarbeit aus persönlichen oder gesundheitlichen Gründen. 70 % können mit dieser «Belastung» mehrheitlich umgehen und rund 10 % der Personen schätzen ihre Gesundheit, aufgrund der Schichtarbeit, vor allem Nachtarbeit, als unproblematisch ein. Wie gross das Ausmass an körperlichen und sozialen Belastungen durch Wechsel- und Nachtschicht im Einzelfall ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab (SECO; Schwaninger 2013).

Grafik Schichtarbeit Schweiz
Umgang mit Schichtarbeit in der Schweiz. Grafik gemäss SECO; Schwaninger 2013.

Durch den ständigen Wechsel der Arbeitsschichten kommt die innere Uhr aus dem Gleichgewicht. Dies kann gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Schichtarbeitende leiden häufig unter Schlaf- und Essstörungen und fühlen sich im Alltag erschöpft. Das soziale Lebe kann zu kurz kommen, Beziehungen können darunter leiden. Ausserdem wird ein Vereinsleben erschwert, anders als bei einem 9-to-5-Job.

Spezielle Feiertage oder Geburtstag müssen schon im Voraus als «Freiwunsch» geplant werden, damit an diesen Anlässen bewusst teilgenommen werden kann. (Mehr erfahren: Weitere Auswirkungen von Schichtarbeit, langen Arbeitszeiten und Schlafmangel zeigt die Studie Negativ impacts of shiftwork and long workhours; Caruso 2014)

Flexibilität durch Schichtarbeit

Unregelmässige Arbeitszeiten bedeuten nicht zwangsläufig nur Nachteile für Arbeitnehmende. Sie können durchaus auch Vorteile mit sich bringen. Stichwort: Flexibilität. Schichten lassen sich bei Bedarf mit Kollegen und Kolleginnen tauschen, so dass man sich zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt frei nehmen kann.

Im Spätdienst lassen sich Termine oder Besuche am Vormittag erledigen, so ist man nicht ausschliesslich auf die Zeit nach Feierabend angewiesen. Diese Einteilung vor der Arbeit kann subjektiv als mehr Freizeit erlebt werden. Unter der Woche frei zu haben, gibt Freiraum für Tätigkeiten aller Art. Zudem lassen sich auch Stosszeiten umgehen. Unter der Woche hat es weniger Andrang beim Skifahren oder beim Schwimmen am See als an den Wochenenden.

Mit Schwung in den Alltag

Um das seelische Gleichgewicht und einen optimalen Gesundheitszustand zu bewahren, sind gewisse Verhaltensweisen wichtig. Wir sind persönlich dafür verantwortlich, dass wir unsere Gesundheit im Auge behalten.

Wir benötigen Bewegung für den Stressabbau. Wer Sport treibt, bleibt gesünder, zufriedener und ausgeglichener. Bewegen kann man sich zu allen Tages- und Nachtzeiten, sei es etwa mit dem Velo zur Arbeit zu fahren oder zu spazieren.

Radfahrer in der Stadt. Quelle: Pixabay/Free-Photos
Sport für den Stressabbau. Foto: Pixabay/Free-Photos

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Ein gesundes Familienleben und der Kontakt zu Freunden sind wichtige Grundlagen für das körperliche sowie seelische Wohlbefinden. Freizeitaktivitäten mit Familie und Freunden sollen bewusst geplant und unternommen werden. So lässt sich am besten einer sozialen Isolation entgegenwirken.

Es gilt auch, frühzeitig mit Vorgesetzten über Wünsche und Bedürfnisse zu sprechen, was die Arbeitsplanung betrifft. Hier sollte man aktiv handeln, um eine optimale Work-Life-Balance zu finden. «Eine Reihe von Studien und die Erfahrung aus der Praxis sprechen dafür, dass Belastungen durch eine bessere Schichtdienstgestaltung reduziert und die Lebensqualität erhöht werden kann.» (Besser Leben mit Schichtarbeit; Schweflinghaus 2015)

Auch die bewusste Mahlzeiteneinnahme ist von grosser Bedeutung. Mit der Schichtarbeit gehen einige Änderungen im persönlichen Tagesablauf einher. Da eine unregelmässige Nahrungsaufnahme oft Magen-Darm-Beschwerden nach sich zieht, ist es wichtig, einen normalen Ernährungsrhytmus einzuhalten. Es bewährt sich, kleinere, dafür mehrere Mahlzeiten pro Tag einzunehmen.

Fazit

Klar ist: Im Pflegeberuf kann man auf Schichtarbeit nicht verzichten. Unbestritten ist auch, dass mit der Arbeit rund um die Uhr gewisse Risiken einhergehen. Es ist deshalb wichtig, trotzdem ein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit zu finden. Dieser Balance kommt eine zentrale Bedeutung zu.

Dies ist sicherlich keine leichte Aufgabe. Nicht alle Menschen, die nachts oder in Schichtarbeit arbeiten, empfinden diese Bedingungen als gleichermassen belastend oder als unangenehm. So wird die Schichtarbeit im Gesundheitswesen von manchen leicht bewältigt, von anderen als anstrengend empfunden und wiederum andere fühlen sich davon überfordert.

Das subjektive Empfinden und die Einstellung zur Schichtarbeit beeinflussen, wie man mit den wechselnden Diensten zurechtkommt. Und Schichtarbeit kann auch durchaus Vorteile bringen. Der Tag ist weniger strukturiert, man kann Freizeit gezielt für die Erholung nutzen. Dies sind meiner Meinung nach Schlüsselelemente für ein zufriedenes und ausgeglichenes Sein.

Einsatz rund um die Uhr? Ich mag die Abwechslung und habe mich mit den Wechselschichten schnell angefreundet!

Literaturverzeichnis

Caruso C. C. (2013). Negative impacts of shiftwork and long work hours. Rehabilitation nursing: the official journal of the Association of Rehabilitation Nurses, 39(1), 16-25. Link

Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF Staatssekretariat für Wirtschaft SECO (2018). Arbeiten in der Nacht und in Schicht: Informationen und Tipps. [online] Bern. Link

Schweflinghaus, W. (2015). Besser Leben mit Schichtarbeit. Hilfen für Schichtarbeiterinnen und Schichtarbeiter. Berlin: BKK Dachverband e. V. Link

 

Lassen Sie uns diskutieren!

  • Gehören Sie zu den Personen, die gerne im Schichtdienst arbeiten? Wenn ja, warum?
  • Welche Herausforderungen sehen Sie beim Arbeiten im Schichtdienst? Und wie gehen Sie mit diesen um?
  • Wie geht Ihr soziales Umfeld mit der Schichtdienstarbeit um?

 

Nadia Crameri

Nadia Crameri

Nadia Crameri begann 2002 ihre Erstausbildung als Medizinische Praxisassistentin. Im Jahr 2010 absolvierte sie erfolgreich die Ausbildung zur Diplomierten Pflegefachfrau HF an der BGS in Chur. Seither arbeitet sie am Kantonsspital Graubünden auf einer chirurgischen Bettenstation, seit 2017 mit der Zusatzfunktion als Pflegefachverantwortliche. Zurzeit absolviert sie den Studiengang Bachelor of Science in Nursing an der Careum Hochschule Gesundheit in Zürich.

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