In Zukunft besser interprofessionell

In Kürze
Gesundheitsfachpersonen aus Pflege, Medizin sowie Patientinnen und Patienten diskutierten am Careum Forum 2018 über die Chancen und Herausforderungen von Interprofessionalität. Alle waren sich einig: Es gibt noch viel Entwicklungspotenzial, aber auch praktische Ansätze, die in eine wünschbare Richtung weisen.

Finden Sie hier Videos zum Inputreferat von Dr. Peter Berchtold sowie zu ausgewählten Beiträgen aus der Podiumsdiskussion.
Den ausführlichen Schlussbericht lesen Sie auf der Website von Careum.

Das Careum Forum 2018 fand im Rahmen der Swiss Skills 2018 in Bern statt.

Inputreferat

Interprofessionalität morgen: optional oder Normalfall?  – Video 23:16


PD Dr. Peter Berchtold, college M

Bedeutung und Stellenwert von interprofessioneller Zusammenarbeit (IPZ)

In seinem Inputreferat beleuchtete Peter Berchtold die Begrifflichkeit von Interprofessionalität aus einer Aussen- und Innensicht. Wichtige Faktoren wie bessere Versorgung und Behandlung oder mehr Augenhöhe zwischen den Berufen seien zwar berechtigte Ansprüche und Forderungen. Für gelingende Interprofessionalität reichen sie aber bei weitem nicht aus. Er erläuterte drei parallel bestehende Arbeitsformen und ihre Entwicklung.

Drei Arbeitsformen zwischen den Professionen

Heute – Drei Arbeitsformen
nebeneinander mit unterschiedlicher Bedeutung
Professionelles
Arbeiten

  • Jede Profession arbeitet für sich mit der eigenen Expertise
Professionelles Miteinander

  • Interdisziplinärer Austausch
  • Gegenseitiger Austausch und Information zu jeweiligen Expertisen
Interprofessionelle
Zusammenarbeit (IPZ)

  • Abweichung vom professionellen Miteinander und Nebeneinander
  • Ein gemeinsames Verständnis entwickeln, das vorher nicht da war und das ohne diese Zusammenarbeit nicht möglich wäre
Fazit – IPZ in Zukunft
Ein «normales» Ineinandergreifen unterschiedlicher Arbeitsformen

Professionelle Zusammenarbeit gab es schon immer und die drei Arbeitsformen existierten immer schon nebeneinander. Lediglich die interprofessionelle Zusammenarbeit hat in den letzten Jahren durch die Zunahme von Komplexität und Entwicklungen deutlich an Bedeutung gewonnen.

Worin unterscheiden sich die drei Arbeitsformen?

In seinem Referat zeigt Peter Berchtold anhand eines praktischen Beispiels, wie sich die drei Arbeitsformen abhängig vom jeweiligen Setting unterscheiden, z. B. Psychiatrie, palliative Care, usw. :
«So beschränkt sich z. B. die interprofessionelle Zusammenarbeit in der Notfallaufnahme oder Intensivstation auf eine Guideline an der Wand, nach der sich die medizinischen Abläufe und Behandlungsschritte richten. Es zählt die Zeit und rasches Handeln, statt langes Diskutieren darüber, was in dieser Situation richtig oder falsch wäre. Hier diktiert die Medizin die Behandlung.»

«Während in einem palliativen Setting, wo es gegen das Lebensende geht, die Medizin nicht mehr viel ausrichten kann. Hingegen sorgt die Pflege für das Wohlbefinden von Patienten und Angehörigen. Hier spielen individuelle Wünsche der Patientinnen, Patienten und Angehörigen sowie die Möglichkeiten der betreuenden Fachpersonen eine weitaus höhere Rolle, als die Medizin.» (in Anlehnung Video Berchtold, Min. 16:39–18:30)

Wie entwickelt sich die Bedeutung von interprofessioneller Zusammenarbeit (IPZ)?

«Interprofessionelle Zusammenarbeit heute und morgen ist nicht etwas Isoliertes, sondern findet statt vor dem Hintergrund unterschiedlicher und vieler medizinischer Entwicklungen einerseits und Werteverschiebungen, die damit verbunden sind, was wir in Zukunft intensiv diskutieren werden.» (in Anlehnung Video Berchtold, Min. 19:47–20:03)

IPZ morgen – optional oder normal?

«Normal wird sein, ein Ineinandergreifen dieser unterschiedlichen Arbeitsformen von professionellem Arbeiten, professionellem Miteinander oder Nebeneinander und dem eigentlichen interprofessionellen Zusammenarbeiten. Dass diese drei Formen in verschiedenen Settings ganz unterschiedlich vorkommen, heisst, dass wir in der interprofessionellen Diskussion weit mehr differenzieren müssen, als wir das bis anhin gemacht haben.» (in Anlehnung Video Berchtold, Min. 22:29–23:10)

Podiumsdiskussion – In Zukunft besser interprofessionell
Ausgewählte Video-Clips

Aussagen zu konkreten Erfahrungen mit interprofessioneller Zusammenarbeit (IPZ) und Ausbildung von Seiten der Podiumsgäste liefern Impulse aus der Praxis.

CaFo18B – Careum Forum 2018 – In Zukunft besser interprofessionell – Podium 1/9 – Video 3:29


Einführung in die Podiumsdiskussion – Dr. Sylvia Kaap-Fröhlich
Interprofessionelle Zusammenarbeit im Spital – Aus Sicht Fachfrau Gesundheit
Vorbereitung auf interprofessionelle Settings und Erfahrungen – Irina Tuor, FaGe Weltmeisterin 2017

Sylvia Kaap-Fröhlich, Leiterin Careum Bildungsentwicklung leitete das Podium mit den folgenden Worten ein: «Wenn wir von Interprofessionalität sprechen, geht es immer um die Dualität zwischen interprofessioneller Ausbildung und interprofessioneller Zusammenarbeit. Interprofessionalität betrifft alle Gesundheitsberufe. Auf dem Podium sind Medizin, Pflege und Fachfrau/Fachmann Gesundheit vertreten. Das sind die grossen Berufe. Im Mittelpunkt von Interprofessionalität steht immer die patientenzentrierte Versorgung, also der Patient.»

FaGe Weltmeisterin Irina Tuor erzählt von interprofessioneller Zusammenarbeit im Spital und berichtet über ihre Lernerfahrungen bei der Berufs-Weltmeisterschaft.
Für sie ist es wichtig, Einblick in andere Bereiche zu erhalten und alle Geräte ausprobieren zu können.

 

CaFo18C – Careum Forum 2018 – In Zukunft besser interprofessionell – Podium 2/9 – Video 2:11


Zur interprofessionellen Zusammenarbeit am Kinderspital in Zürich – Bettina Kuster, Direktorin Pflege und MTB, Kinderspital Zürich

Das Kinderspital in Zürich führt eine interprofessionelle Schmerzsprechstunde. Ist damit das interprofessionelle Potenzial des Kinderspitals schon erschöpft? «Nein, das ist erst der Anfang», meint Pflegedirektorin Bettina Kuster und führt aus, wie am Kinderspital Interprofessionalität funktioniert.

 

CaFo18D – Careum Forum 2018 – In Zukunft besser interprofessionell – Podium 3/9 – Video 1:36


Zur interprofessionellen Zusammenarbeit in der Hausarztpraxis – PD Dr. Ryan Tandjung, Leiter Abteilung Gesundheitsberufe, BAG

Interprofessionelle Zusammenarbeit in der Hausarztpraxis ist schwierig, weil alle Beteiligten an unterschiedlichen Orten sind und terminliche Koordinationen grosse Herausforderungen bilden.

 

CaFo18E – Careum Forum 2018 – In Zukunft besser interprofessionell – Podium 4/9 – Video 2:17


Zur interprofessionellen Zusammenarbeit aus Patientensicht – Dr. Judith Safford, Patientenvertreterin, Director of Operations, Institut für Rheumaforschung

Die Patienten Vertreterin Judith Safford beschreibt ihre Situation und wie sie im interprofessionellen Team eingebettet ist. Ein Beispiel: Die Physiotherapeutin, die häufigen Patientenkontakt hat, ist dem übrigen Behandlungsteam (Belegärzte im gleichen Spital) nicht bekannt. Aus Sicht der Patientin könnte diese Person viel zur Kommunikation im interprofessionellen Team beitragen.

 

CaFo18F – Careum Forum 2018 – In Zukunft besser interprofessionell – Podium 5/9 – Video 2:40


Was könnte interprofessionelle Ausbildung im Spital leisten? – Bettina Kuster, Direktorin Pflege und MTB, Kinderspital Zürich

Voneinander lernen mit klaren Rahmenbedingungen.

CaFo18G – Careum Forum 2018 – In Zukunft besser interprofessionell – Podium 6/9 – Video 1:03


ZIPAS – interprofessionelle Ausbildungsstation – Bettina Kuster, Direktorin Pflege und MTB, Kinderspital Zürich

Lernen in der Praxis mit klinischer Ausbildungsstation und Beispiel Summer School.

 

CaFo18H – Careum Forum 2018 – In Zukunft besser interprofessionell – Podium 7/9 – Video 2:54


Zum interprofessionellen Lernen aus Patientensicht – Dr. Judith Safford, Patientenvertreterin, Director of Operations, Institut für Rheumaforschung

Judith Safford: «Als Patientin übernehme ich Verantwortung. Ich kann mich mit einem Patientendossier transparent einbringen. Damit haben alle Beteiligten Übersicht über die Lage.» (in Anlehnung Video Podium 7/9)

 

CaFo18J– Careum Forum 2018 – In Zukunft besser interprofessionell – Podium 8/9 – Video 3:30


Zu gesetzlichen Vorgaben für interprofessionelle Aus- und Weiterbildung – PD Dr. Ryan Tandjung, Leiter Abteilung Gesundheitsberufe, BAG

Welche Vorgaben finden sich für interprofessionelle Ausbildung und welche fehlen vielleicht auch?
Interprofessionalität ist gesetzt und wird geprüft werden.

 

CaFo18K– Careum Forum 2018 – In Zukunft besser interprofessionell – Podium 9/9 – Video 1:30


Zu den Grenzen von interprofessioneller Zusammenarbeit aus Patientensicht – Dr. Judith Safford, Patientenvertreterin, Director of Operations, Institut für Rheumaforschung

Was wäre ein Anzeichen für zu viel Interprofessionalität? – Judith Safford: «Wenn keine Entscheide mehr gefällt werden. Ich möchte als Patientin nicht vom Arzt vor eine Medikamentenwahl gestellt werden. Die Führung muss klar sein. Fachpersonen müssen Entscheide fällen.»

Schlusswort und Ausklang

Interprofessionalität geht

– am besten gemeinsam
– mit Augenmass
– für und mit Patientinnen und Patienten

Literatur

– Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (2017). Die Praxis gelingender interprofessioneller Zusammenarbeit (PDF). Swiss Academies Report 12 (2), CC-BY [Zugriff 22.9.2018]

 

Diskutieren Sie mit! – Kommentieren Sie diesen Beitrag!

– Berichten Sie von interprofessionellen Ideen, Projekten und Erfahrungen in Ihrem Umfeld.

– Welche Potenziale erkennen Sie für die interprofessionelle Weiterbildung, auch on-the-job?

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

Yvonne Vignoli

Wissensmanagement, Webentwicklung, Web- und Lerntechnologien bei Careum Bildungsentwicklung – seit September 2014 Meine Arbeitsfelder der letzten Jahre Konzeptarbeit für Lernen mit neuen Medien und Internet in Bildungsinstitutionen Dozententätigkeit und Projektmanagement – Ausbildung der Ausbildenden, Webauftritte, Projekte mit Social Media Plattformen

2 thoughts on “In Zukunft besser interprofessionell

  • 2018-09-29 at 12:50
    Permalink

    Liebe Yvonne

    Jeder Patient soll selber bestimmen, welche Fachperson die Behandlungen koordiniert. Das KVG gibt in den alternativen Versicherungsmodellen (AVM) den rechtlichen Rahmen. Leistungserbringer und Versicherer müssen ihn bloss nutzen.

    Die Ärztezentrierung ist nicht mehr zeitgemäss. Jede Fachperson kennt ihre Grenzen und weiss, wann der Patient bei einer anderen Fachkraft besser aufgehoben ist.

    Reply

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *