Was ist Patient Empowerment?

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Patient Empowerment steht am Careum Congress im Rampenlicht. Mehrere Referenten haben sich diesem Thema schon hier im Blog angenommen:

Patient Empowerment ist ein wichtiger Begriff im Gesundheitswesen. Zur erfolgreichen Umsetzung von Patient Empowerment in der Praxis ist jedoch eine klare Definition dieses Begriffes notwendig. Diese Problematik will ich hier ein wenig durchleuchten.

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Patient Empowerment: Quo Vadis?

Beim Studium von Literatur zum Thema fällt mir auf, dass die Definition und Ansätze sehr unterschiedlich sein können. Dies zeigt sich auch in den verschiedenen Übersetzungen des englischen Patient Empowerment ins Deutsche: (Linguee – Redaktionelles Wörterbuch). In diesem Zusammenhang sind drei Dinge wichtig:

  1. Empowerment sollte nicht bedeuten, dass sich der Patient die Informationen beschaffen muss. Diese müssen vom Pflege- und Medizinpersonal bereitgestellt werden.
    Patientengruppen können Hilfestellung bieten mit z.B. einer Webseite / Blog. Diese können wichtige Informationen für Patienten und deren Familien enthalten.
  2. Patienten Empowerment fokussiert die Diskussion auf die gemeinsame Entscheidungsfindung. Deshalb kann es nicht sein, dass die alleinige Verantwortung beim Patienten liegen soll.
    Dabei müssen wir beachten, medizinisches Fachpersonal hat die Expertise und Erfahrung mit den zur Verfügung stehenden Behandlungs-Möglichkeiten. Die Patienten kennen ihren Körper und wissen, was für sie besser oder schlechter gehen dürfte.
  3. Zugang zur Gesundheitsvorsorge ist wichtig. Hier können sich niedrige Kosten positiv auswirken. Ein massvolles Patienten Belohnungsprogramm ist umso wichtiger, da Leute den jetzigen Genuss (z.B. Einkauf) gegenüber dem langfristigen Ertrag aus Präventiv-Medizin bevorzugen (siehe die Studien in Indien und Afrika von Anderjee und Duflo, 2011, S. 69).

Daraus ergeben sich drei Dimensionen oder Facetten von Patient Empowerment welche eine wichtige Rolle spielen:

A – Wissen: die Patientin hat die notwendigen Daten über die Krankheit, wie auch das notwendige Wissen und Verständnis, über mögliche Behandlungsmethoden, usw.;
B – Risiken: der Patient versteht die Risiken und wie diese sich durch persönliche Verhaltensweisen oder Behandlungen / Therapien verändern können; und
C – Motivation: die Patientin ist Willens die vereinbarte Therapie so gut wie möglich zu unterstützen (z.B. wie vom Behandlungsplan verlangt, macht Patient 4 x täglich 10 Minuten Turnübungen) .

Wissen, Risiken und Motivation sind Faktoren die es zu berücksichtigen gilt. Zur Illustration, wie beeinflusst die moderierende Variable C (z.B. Motivation des Patienten) den Effekt einer (unabhängigen) Variable A (z.B. Zugang zur Gesundheitsvorsorge), auf die (abhängige) Variable B (z.B. subjektives Wohlbefinden – SWB der Patientin)?

Empowerment Audit: Wie messen wir den Erfolg?

Wie oben aufgezeigt, die Kriterien und notwendigen Voraussetzungen zum Erfolg in Sachen Patient Empowerment verlangen vom Patienten einiges ab. Der Druck zur Kosten-Nutzen Analyse wird auch im Gesundheitswesen immer grösser. Hier muss Empowerment diesen Anforderungen vermehrt Rechnung tragen. Dabei stellen sich dann Fragen nach den Indikatoren.

Manche Studien im Bereich Self-Management Unterstützung für Diabetes Patienten oder auch Herzkranke zeigen eine nur minimal Verbesserung der Gesundheit der Patienten – aber ist das bei einer chronischen Krankheit zu erwarten? Ohne eine Vereinheitlichung der Definition von Patient Empowerment ist es schwierig, den Erfolg solcher Massnahmen zu messen. Es braucht deshalb mehr Studien, welche aufzeigen, welche Facetten des Empowerments welche Auswirkungen haben auf:

a – den definierten Nutzen von Empowerment für Patienten (z.B. subjektives Wohlbefinden (SWB), Verbesserung der kritischen medizinischen Werte wie Blutdruck, etc.), sowie
b – die Auswirkungen eines solchen Programmes auf die Kosten (z.B. hilft es die Kostenspirale zu bremsen?).

Das zeigt: Es gibt noch viel zu tun.

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PS. Auch Telemedizin bringt Patienten nur dann den vollen Nutzen (z.B. dank remote Monitoring Systemen für Diabetes Patienten) wenn die notwendigen Hausaufgaben gemacht wurden (z.B. Standards und Interoperabilität der Systeme sind festgelegt). In einem solchen Falle führt dies zur Verbesserung der Situation des Patienten und dessen Empowerment.

Weitere Careum Beiträge zu Selbsthilfe, seltene Krankheiten, Social Media Audit (anklicken – Suchauftrag wird ausgeführt).

Quelle: Was ist Patient Empowerment?

Welche Definition für Patient Empowerment nutzen Sie?
Wie setzen Sie das Konzept Patient Empowerment in Ihrer Patientengruppe um?
Was ist Ihre Meinung zu diesem Thema? Was ist Ihre Meinung zu diesem Thema?
Freue mich wie immer über Feedback.

Lesenswert

Anderson, Robert, M. and Funnell, Martha, M. (June 2010). Patient empowerment: Myths and misconceptions. Patient Educ. and Couns., Volume 79, Issue 3 , p. 277-282. doi: 10.1016/j.pec.2009.07.025 

Kennedy, Ann; Bower, Peter; Reeves, David; Blakeman, Tom; Bowen, Robert; Chew-Graham Carolyn; Eden, Martin; Fullwood, Catherine; Gaffney, Hannah; Gardner, Caroline; Lee, Victoria; Morris, Rebecca; Protheroe, Joanne; Richardson, Gerry; Sanders, Caroline; Swallow, Angela; Thompson, David and Anne, Rogers (May 13, 2013). Implementation of self management support for long term conditions in routine primary care settings: Cluster randomised controlled trial. BMJ, 346 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.f2882

The George Institute for Global Health and BUPA (nicht datiert). Realising the potential of patient empowerment for tackling chronic disease: Moving from concept to business as usual.

McAllister, Marion, Dunn, Graham, Payne, Katherine, Davies, Linda, Todd Chris (2012). Patient empowerment: The need to consider it as a measurable patient-reported outcome for chronic conditions. BMC Health Services Research 2012, 12:157 doi:10.1186/1472-6963-12-157 .


Urs E. Gattiker

Professor Urs E. Gattiker - DrKPI ist Europa's führender Experte für Social Media Analyse und Analytics (siehe seine Bücher). Er arbeitet weiterhin mit Start-Ups (z.B. Lumendi Inc.). Urs ist CEO der CyTRAP Labs GmbH.

24 thoughts on “Was ist Patient Empowerment?

  • 2014-02-25 at 15:24
    Permalink

    Danke Herr Gattiker für den Hinweis und die Anfrage.
    Patienten-Empowerment und Self-Management sind gut, beides ist jedoch nur ein Aspekt. Einer der den Menschen “nur” als Patient “krank” sieht und ihn fördern will.
    Natürlich sind bei Programmen, die mit diesem Fokus angeboten werden, Kosten-Nutzen-Analysen eher machbar.
    dialog-gesundheit sieht jedoch den Menschen als Ganzes, jeder mit seiner ihm gerade aktuellen Gesundheit, mitten in seinem Lebensumfeld von Familie, Nachbarschaft, Arbeit, Freizeit und unterwegs.
    Hier braucht es Mut zu weiten Zeitfenstern, Lust zum Zuhören, Kraft um mitzutragen, Wissen um Schweres dem Menschen wieder zurück auf seine Schultern zu geben, Engagement auch öfters freiwillig in gemeinsamen Prozessen mitzuwirken – und ganz viel Durchhaltewillen – sowie einen starken Rücken, um Widerständen stand zu halten.
    Wir werden mit folgendem Thema am Careum-Congress teilnehmen:
    dialog-gesundheit – eine Co Produktion mit Empowerment von Patient-Hausarzt und Gemeinde.
    Wir zeigen mit dialog-gesundheit einen einzigartigen patientenzentrierten Bottom-up Prozess entlang sozialer Determinanten mit Förderung individueller-kommunaler Gesundheitskompetenz am Beispiel des Gesundheitsratgebers.

    Die zehnjährige Zusammenarbeit von dialog-gesundheit Schweiz mit der Bevölkerung der Gemeinde Zollikofen zeigt alle Aspekte der Förderung von individueller und kommunaler Gesundheitskompetenz, stärkendem Lerndialog, themenzentrierter Interaktion sowie sozialen und politischen Folgen des echten Empowerment von Patienten und Angehörigen entlang der sozialen Determinanten. Dies gelang mit der gemeinsamen Arbeit am ersten deutschsprachigen Schweizer-Ratgeber (Lizenz Wellness-Guide of
    California, HRA Berkeley) von 2005-2011 sowie die Arbeit an der kommunalen Version (seit 2012) als Auftragsarbeit der Gemeinde an das Forum dialog-gesundheit.

    Seit 2004 besteht das Forum dialog-gesundheit. Das Ziel ist, die Patienten im immer komplexeren Gesundheitssystem nicht mehr zu vergessen. Die Bedürfnisse und Sorgen der Patienten, der Bevölkerung stehen im Mittelpunkt, auch die Diskussion der uns tragenden und leitenden Werte.
    An der Arbeit am lokalen Ratgeber zeigen wir, wie die sozialen Determinanten der Gesundheit immer klarer zum Thema werden und gemeinsam verstanden und gelehrt werden. Dabei wird erstmals das adaptierte Determinantenmodell „Dynamic Dimensions of Health, Basic“ genutzt, um es in den Beratungsprozess (Hausarztpraxis, Gemeinde) einzuführen.
    Gleichzeitig werden die verschiedenen Phasen des Empowerment nach Laverack gezeigt, wo die Ermutigung weniger Patienten nach 10 Jahren zu einer politischen und sozialen Veränderung führt.

    Spannend das Thema von Dr. Laverack zu Empowerment: http://blog.careum.ch/blog/empowerment-patient-advocacy-healthcare/

    Literaturhinweis: Glenn Laverack (Hrsg): Gesundheitsförderung &
    Empowerment / Grundlagen und Methoden mit vielen Beispielen aus der praktischen Arbeit / ISBN: 978-929798
    Darin ist die hilfreiche Einführung von Prof. Dr. Eberhard Göpel, Universität Magdeburg, über die Übersetzung des Wortes Empowerment und die Erläuterung zur Vernetzung des Empowerment-Konzepts zu finden.

    Weiterführender Literaturhinweis: Göpel Eberhard (Hrsg): Gesundheit gemeinsam gestalten, Bd. 3, Systematische Gesundheitsförderung, Frankfurt 2008
    http://www.amazon.de/Systemische-Gesundheitsf%C3%B6rderung-Gesundheit-gemeinsam-gestalten/dp/3940529079#reader_3940529079

    Für dialog-gesundheit ist das folgende Buch ebenfalls ein wichtiger Grundstein für die kommunale Arbeit:
    Gerald Hüther: Kommunale Intelligenz, Potenzialentfaltung in Städten und Gemeinden, Ed. Körber-Stiftung, Hamburg 2013
    ISBN 978-3-89684-098-1

    Die für dialog-gesundheit angestrebten, relevanten Determinanten sind:
    1. Bewegungsfreundliche Lebensraumgestaltung
    2. Gesundheitsfördernde Erziehung und Bildung
    3. Nachhaltiges Bewegungs- und Sportverhalten
    4. Ausgewogenes Ernährungsverhalten
    5. Gesundheitsorientiertes Ressourcen und Stressmanagement
    6. Gesundheitsverträgliche soziokulturelle Rahmenbedingungen
    7. Gesundheitsorientierte Wirtschaft
    8. Ausgewogenes Freizeitverhalten
    9. Sachdienliche Medien
    10. Vorsorgliche Politik
    11. Wirkungsorientierte Therapie
    12. Gesundes Körpergewicht

    Dr. Laverack und Prof. Dr. Eberhard Göpel lernten wir an der IUHPE Genf 2010 kennen. Aus dem damaligen Spezial-Workshop ist das D/A/CH Netzwerk für Gesundheitsförderung geworden, wo dialog-gesundheit Schweiz im April 2011 in Wien Mitbegründer war:
    http://www.quint-essenz.ch/en/project_profiles/1729
    Zitat: „Netzwerk für Gesundheitsförderung deutschsprachiger Raum. Mit der Gründung einer Gesellschaft für Gesundheitsförderung GfGf D/A/CH, die zugleich als deutschsprachige Sektion der Internationalen Union für Gesundheitsförderung und -erziehung (www.iuhpe.org) fungiert, soll in
    deutschsprachigen Regionen Europas künftig eine gesellschaftlich und
    wissenschaftlich wirkungsvollere Integration von Wissenschaft, Praxis und
    Politik der Gesundheitsförderung in einer transnationalen Perspektive
    unterstützt werden.“
    Kontakt Schweiz:
    Felix Wettstein, Dozent der FH Nordwestschweiz,
    Hochschule für Soziale Arbeit, tel. +41 062 311 96 58,
    felix.wettstein(a)fhnw.ch

    dialog-gesundheit Schweiz freut sich, Sie ebenfalls an der Postersession zu begrüssen!

    Reply
    • 2014-02-25 at 16:34
      Permalink

      Liebe Frau Haller

      Vielen Dank für die durchdachte Antwort.

      Wenn ich unser Poster über seltene Krankheiten und chronischen Krankheiten – wie gut kommunizieren Blogs von Patientenorganisationen und Selbsthilfegruppen mit verschiedenen Zielgruppen – noch fertig bringe bis zum Careum-Congress in Basel, werde auch ich in der Poster Session anzutreffen sein 🙂

      DrKPI – BlogRank – Rare Disease – Patient-Advocacy Blogs (einfach anklicken)

      Nun aber zu Ihrem Kommentar. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, fassen Sie die Definition von Patient Empowerment um einiges weiter, als ich dies im Blogeintrag getan habe.

      Obwohl, auch ich erwähnte subjektives Wohlbefinden des Patienten als ein Teil des Konzeptes genannt Patient Empowerment.

      Ich bin mir nicht sicher ob ich Gesundheitsförderung per-se als Teil von Patient Empowerment betrachte möchte. Ich dachte ehere an chronisch kranke Menschen oder solche mit einer seltenen Krankheit (meistens Kinder under 17 Jahre).

      Selbstverständlich kann man auch das Empowerment eines Patienten welche die Praxis eines Hausarztes besucht verbessern. Die bedingt jedoch auch, wie von Herrn Deppeler hier erklärt: http://blog.careum.ch/blog/empowerment-patient-advocacy-healthcare/ dass der Hausarzt hier viel Verantwortung übernehmen muss.

      Es gibt noch viel zu diskutieren hier.
      Danke für Ihren Beitrag.
      Urs – DrKPI
      @CyTRAP:twitter

      Reply
      • 2014-02-25 at 23:45
        Permalink

        Lieber Herr Gattiker
        Ja, dialog-gesundheit fasst die Definition von Patienten-Empowerment wirklich um ganz wichtige Teile weiter.
        In diesem Neuen Denken, haben wir zum Ziel die Erfahrungen und die Kenntnisse der Menschen im gemeinsamen Dialog zwischen Bewohnern, die sowohl gesund wie mit einer Krankheit belastet sind/sein können, und dem Hausarzt und weiteren Fachpersonen zu sammeln und zu neuem Wissen zu erarbeiten.
        Das möchten wir möglich machen, bevor die Menschen in allen Altersgruppen Patienten werden.
        Das bedeutet, dass damit auch werdende Eltern Fähigkeiten bekommen, damit sie etwas besser mit einem einschneidenden Bericht, dass ihr Kind mit einem Leiden auf die Welt kommt, ein wenig besser umgehen können.

        Zu Punkt 1 in Ihrem Artikel über das Beschaffen von
        Informationen. Ich/wir gehen davon aus, dass bei den meisten Patienten mit chronischen Krankheiten und seltenen Krankheiten von Geburt an, der Hausarzt und der Kinderarzt die erste Ansprechperson sind. Wenn sich Arzt und Patient in gemeinsamem Dialog auf Augenhöhe begegnen, und gegenseitig über ihr Wissen und mögliche Wege zur Krankheit sprechen, profitieren beide Seiten. Es findet also auf beiden Seiten Empowerment statt.

        Punkt 2, wenn Punkt 1 stimmt, dann wird die gemeinsame Entscheidungsfindung immer gelingen.
        Also wird A – Wissen / B – Risiken / C – Motivation immer wieder das Thema beim Arzt in der Praxis, in der Pflege, in der Therapie sein.

        Punkt 3 ist gerade das, was dialog-gesundheit will, den Menschen Möglichkeiten aufzeigen, wie sie zur Gesundheitsvorsorge gelangen. Diese kann vom Wissen über Gesundheitsförderung nicht getrennt werden. Gleichzeitig sind wir nicht überzeugt, dass Patienten-Belohnungsprogramme der richtige Weg ist. Vor allem, wenn diese nur über eine Zusatzversicherung zu bekommen sind. Das fördert eine Zweiklassen-Medizin.

        dialog-gesundheit geht vom grossen Vorhandensein von Selbständigkeit der Menschen aus, die dort Unterstützung brauchen, wo in ihrem Leben etwas gravierend aus dem Gleis gerät. Denn sie haben bis zu diesem Punkt ihr oft sehr belastetes Leben gut gehändelt.

        Die nun über 10-jährige Arbeit von dialog-gesundheit zeigt auf, dass sich vieles, sowohl bei den Patienten, wie beim Arzt, bei seiner Arbeit und die seines Netzwerks veränderte und weiter verändern wird.

        Ich spreche in den Blogs als Betroffene, wie Begleitende von Nahestehenden mit chronischen Krankheiten. In meiner Familie gab es nahestehende Verwandte mit lebensbedrohenden angeborenen Leiden, deren Leben in Jugendjahren zu Ende ging. Mein Vater war durch einen Unfall mit 14 Jahren körperlich sehr behindert. Er ist für mich und meine Geschwister das grosse Vorbild in einem fortschrittlichen Denken über das Patient sein, und dennoch sich GANZ zu sehen, zu arbeiten, junge Menschen zu guten Berufsleuten zu bilden. Und über Jahre mit dem Hausarzt auf Augenhöhe im Dialog zu stehen, damit er all dies tun konnte.

        Dieses GANZ sein, trotz allen gesundheitlichen Schwierigkeiten, ist enorm wichtig. Ich bin mit einer chronischen Krankheit, nicht immer krank. Ich bin gesund auch bei täglichen Schmerzen – und werde erst dann wieder Patient, wenn sich etwas an dieser Gesundheit – der stabilen Lage, oder an der Art der Schmerzen, verändert.

        Das GANZ sein – ist die Grösse von Geist und Seele in jedem Menschen, die beide den Körper stützen und damit immer wieder Träume wahr werden lassen.
        In diesem Sinn herzliche Grüsse
        Susanna Haller

        Reply
        • 2014-02-26 at 09:55
          Permalink

          Liebe Frau Haller
          Vielen Dank für diesen nochmaligen Input.
          Da scheinen wir aber schon auf einer Linie zu sein.
          Da kann ich eigentlich nichts mehr hinzufügen als der Dialog Gesundheit Initiative alles Gute zu wünschen.
          Bis auf Basel.
          urs

          Reply
  • 2014-02-26 at 09:44
    Permalink

    Sehr geehrter Herr Gattiker,

    Dass eine einheitliche Definition zum Patient Empowerment fehlt, liegt womöglich an den unterschiedlichen Sichtweisen und Ansprüchen der vielen Akteure. Ob ein Amt oder staatliche Einrichtung hier eine klare oder bessere Definition hat, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht wäre es interessant, mal die Patienten zu fragen, was sie empowert hat… und was nicht. Und da Papier ja bekanntlich geduldig ist, fragen wir uns, warum man nicht einfach mal ein Projekt starten kann, um zu sehen, wie es angenommen wird und ob es Patienten unterstützen und fördern kann. Und dann kann man die Definition entsprechend dieser Erfahrungen anpassen. Im Idealfall wird es durch eine medizinische Studie begleitet, die dann einen Effekt messbar werden lässt. Oft ist das ja bisher schwierig gewesen und Studienergebnisse nicht immer einheitlich.

    Wir bei der Stiftung Orphanbiotec http://www.orphanbiotec-foundation.com haben ein Gesundheitsförder-Programm ELFEN HELFEN gestartet, welches auf den Nutzen für die Patienten mit einer Seltenen Krankheit zielt. Dazu haben wir uns in Pilotprojekten Gedanken darüber gemacht, was Betroffene mit einer Seltenen Krankheit benötigen und sie sich wünschen. In zahlreichen Gesprächen mit Betroffenen haben wir einen Bedarf evaluiert und daraus erste Massnahmen und konkrete Projekte abgeleitet. Eines davon ist unser Comic-Kinderbuch über Seltene Krankheiten “So wie Du und Ich” http://www.sowieduundich.org
    Dass und wie wir damit einen wirklichen Bedarf bei Kindern und betroffenen Familien erreichen und auch Empowerment verursachen, kann man am Samstag 1. März 2014 in der Beilage des Tagesanzeigers / Beilage zum Internationalen Tag der Seltenen Krankheiten nachlesen.

    Auch im folgenden Buch gibt es ein ganzes Kapitel zu unserer Arbeit: The Empowered Patient in the Health System of the Future / Springer / ISBN-13: 978-3642386428

    freundlich grüsst
    Frank Grossmann

    Reply
    • 2014-02-26 at 10:17
      Permalink

      Lieber Herr Grossmann

      Vielen Dank für all diese Informationen. Das Buch habe ich auch schon erwähnt im Blog – anderswo.
      Die meinige Kopie habe ich natürlich gelesen. Ich war höchst erfreut es auch prominent platziert im Pastorini (Spielzeugladen in Zürich) vorzufinden. Sie schreiben:

      “… einfach mal ein Projekt starten kann, um zu sehen, wie es angenommen wird und ob es Patienten unterstützen und fördern kann. Und dann kann man die Definition entsprechend dieser Erfahrungen anpassen. Im Idealfall wird es durch eine medizinische Studie begleitet, die dann einen Effekt messbar werden lässt. Oft ist das ja bisher schwierig gewesen und Studienergebnisse nicht immer einheitlich.”

      Dem kann ich natürlich nur zustimmen. Das scheint mir ein guter Weg zu sein. Die Studien welche ich oben in meinem Beitrag zitiere sind auch solche die auf verschiedene Art und Weise dies angehen.

      Vielleicht macht ja das Careum Research Team hier was — und @jrghaslbeck:disqus @sylvieschumacher:disqus können uns hier was sagen.

      Studien mit den Beteiligten ist sicherlich ein toller Weg zum besseren Verständnis und Anwendung des Patient Empowerment.

      Danke für das Sharing.
      Freundlichst
      Urs DrKPI @CyTRAP:disqus

      Reply
  • 2014-02-27 at 09:14
    Permalink

    As noted in the blog, a range of definitions exist regarding patient empowerment. The definition of patient empowerment is contested because political agendas inform the definition of patient empowerment.

    Patient empowerment finds its roots in the disability movement. People with disabilities insisted on being recognised for their competencies and strengths rather than for the things they were not able to do; they wanted to be recognised as whole persons and not only in terms of the limitations their bodies imposed on them ; and they demanded that society take responsibility for the ways in which their physical constraints were translated into handicaps which prevented them from participating fully in daily life. People with disabilities wanted agency and refused to continue to simply be subjects.

    Patient or service user empowerment can thus be understood as a means of providing individuals the tools to most effectively negotiate the health system and to take back the power medical professionals frequently hold over patients. It becomes a means of taking charge of one’s health and of one’s body, and thus of one’s life. This perspective maintains that there are various types of knowledges and the expertise held by medical professionals is only one kind of knowledge. Patients have their own expertise : about their bodies, about their life experiences, about their psychological needs. Medical decisionmaking needs to take into account all these forms of expertise. Patient empowerment can free one from the tyranny of medical hegemony and allows the patient a voice.

    Another interpretation of patient empowerment comes from the right side of the political spectrum. This interpretation is informed by the neo-liberal notion that individuals need to be responsible for themselves. Every person has innate resources and should utilise these. Relying on others and indeed expecting others to support one is irresponsible and socially selfish. If one’s health has been compromised through what are argued to be individual actions, the person must be held accountable for this. Taken to its logical conclusion, the smoker with lung cancer should pay for his/her own medical treatment as there is sufficient information available regarding risks for the individual to have avoided smoking. This applies also, for example, to situations of obesity that do not have a medical cause. Through this lens, patient empowerment means the individual taking control of his or her own health. It also means that when one chooses not to do so, one is liable for the consequences.

    Patient empowerment cannot thus be discussed without considering the political imperatives driving the adoption of patient empowerment in a particular context. These political agendas not only determine the definition of patient empowerment but are also intrinsically woven into the evaluation of the effectiveness of patient empowerment- another issue addressed in the blog.

    For persons who see patient empowerment as facilitating shared decisionmaking with medical service providers and who emphasise that the patient has rights as service user, the outcome sought is a qualitative shift. The goal of patient empowerment is to enable the patient to determine his or her medical treatment, once the necessary medical information to make such a decision has been provided by the medical team. Knowing that one is considered to be part of the medical team shifts the patient out of the role of subject. It is assumed that patients will not only do better physically but also psychologically. It is further assumed that patients are likely to feel more in control and are thus more likely to cooperate with the medical team and with treatment that has been jointly decided upon. This outcome may result in more efficient treatment, but this is not an expected or necessary outcome.

    However, when the weight is toward patient responsibility rather than rights, the expected outcome is on efficiency and cost cutting. Responsible patients who inform themselves and steer themselves through the medical system, relieve the medical team of many of their to-date assumed responsibilities. The risks of treatment are no longer shared. If the patient decides to take on particular risks, he or she is also responsible for the medical outcome.

    As a social worker engaged in supporting persons dealing or living with illness, I adopt a salutogenic approach which emphasises strengths and resources. However, I do not expect the individual (or the individual’s family) to hold all these resources, but believe it is the state’s responsibility to facilitate access to as well as to provide lacking resources. My focus is on a qualtitative shift, one that allows the patient to bring their own expertise to bear on the situation while also utilising the professionals’ expertise.
    Jeanette Schmid

    Reply
    • 2014-02-27 at 09:23
      Permalink

      @jeanetteschmid:disqus
      Thanks so much for this thoughtful comment.

      Reply
      • 2014-02-27 at 14:51
        Permalink

        Urs, I do like the last comment “patient empowerment helps improve things for the patient”. I would add that this discussion does not have to stay at the individual level. Patients can and do act collectively through associations and pressure groups to improve things not only for themselves individually but also for others including health professionals, patient family etc.

        Reply
        • 2014-02-27 at 15:02
          Permalink

          Dear @glennlaverack:disqus

          Thanks for your comment above. Yes i agree, patients can and do act collectively.

          But this is not always easy as the chart below illustrates when it concerns advocacy groups. They serve many functions and different stakeholders.

          But some do manage to spell out their mission, aims and where they want to develop competence that will serve their constituencies including patients and health care professionals.

          Thanks so much for sharing Glenn
          Urs
          @ComMetrics:twitter

          Reply
          • 2014-02-27 at 15:04
            Permalink

            Here is the chart:

  • Pingback: Kennzahl, DrKPI, Leitfaden, Ratgeber, Social Network System, Strategie, Tipps und Tricks, Web 2.0,

  • 2014-03-04 at 10:10
    Permalink

    Lieber Her @weburs:disqus

    Danke für Ihre Reflexionen zum Empowerment.

    Sie erwähnen drei Dimensionen des Empowerments:

    A – Wissen: die Patientin hat die notwendigen Daten
    über die Krankheit, wie auch das notwendige Wissen und Verständnis, über mögliche Behandlungsmethoden, usw.;

    B – Risiken: der Patient versteht die Risiken und wie
    diese sich durch persönliche Verhaltensweisen oder Behandlungen / Therapien verändern können; und

    C – Motivation: die Patientin ist Willens die
    vereinbarte Therapie so gut wie möglich zu unterstützen (z.B. wie vom Behandlungsplan verlangt, macht Patient 4 x täglich 10 Minuten Turnübungen) .

    Die drei Begriffe sind Komponenten (Dimensionen)
    von Gesundheitskompetenz (Health Literacy).

    Gemäss Schulz P. (2013) bedeutet Empowerment jedoch die Chance haben, bzw. die Chance geben zum Entscheiden und Partizipieren an der Entscheidungsfindung. Wichtige Begriffe in diesem
    Zusammenhang sind: Mitbestimmung, Mitverantwortung und auch -Autonomie.

    Mit freundlichen Grüssen
    Therese Stutz

    Reply
    • 2014-03-04 at 10:28
      Permalink

      Liebe Therese Stutz

      Vielen Dank für diesen Beitrag. Sehr interessant. Es zeigt zudem ganz klar, dass meine Kommunikationsfähigkeit noch zu verbessern ist 🙂
      Ich schreibe:

      Daraus ergeben sich drei Dimensionen oder Facetten von Patient Empowerment welche eine wichtige Rolle spielen:

      Deshalb sehe ich hier nur Übereinstimmung zwischen Ihrer und meiner Position. Wir finden beide, dass die Punkte Wissen, Risiken und Motivation nicht Patient Empowerment beschreiben. Es sind jedoch Faktoren welche Erfolg oder Miserfolg von Patient Empowerment mit beeinflussen.

      Natürlich bin ich erfreut zu hören, dass für Health Literacy diese drei Komponenten ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.
      Für mich ist die Definition von P. Schulz (2013) wichtig und deshalb auch Teil meines Punkt 2 oben. Dort versuche ich darauf hinzuweisen, dass die gemeinsame Entscheidungsfindung wichtig ist. Diese beinhaltet natürlich Dinge wie Mitbestimmung, Mitverantwortung und Autonomie

      Wenn wir auch die qualitativen Aspekte (see @jeanetteschmid:disqus ) berücksichtigen, dann ist die Frage natürlich wie viel darf es denn sein.
      Wie viel Mitverantwortung kann der Patient übernehmen. Diese Frage ergibt sich z.B. wenn es um die Behandlungsmethode geht, oder etwa die Diagnose…. Das Problem erscheint mir erst akut wenn wir von der Definition in die Praxis wechseln.

      Frau Stutz, vielen Dank für diesen tollen Kommentar.
      Freundlichst Urs DrKPI

      Reply
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  • 2014-03-28 at 07:30
    Permalink

    I would like to add a reference to this blog post. Tessa Richards from the BMJ has posted an excellent summary to topics discussed at the Careum Congress 2014 / 2nd Enope conference. It includes one of the take home messages that “co-production of health won’t be achieved unless people are empowered to act as partners”. Thus, a strong emphasis on empowering health professionals and organisations to empower patients and citizens. All the best, Joerg

    Here is the link: http://blogs.bmj.com/bmj/2014/03/21/tessa-richards-its-time-to-turn-healthcare-upside-down/

    Reply
    • 2014-03-29 at 00:00
      Permalink

      Thanks for sharing Tessa’s the article. Inspiring!

      Reply
    • 2014-04-21 at 07:43
      Permalink

      Jörg @jrghaslbeck:disqus

      Thanks for sharing this interesting link. Unfortunately, I just saw it now on Easter Monday 🙂 Particularly interesting is:

      Some of the essential skills that clinicians are working to help patients master include asking questions and knowing more about the medications they are using or have used in the past. In addition, clinicians have found success in convincing patients to bring someone with them to doctors’ visits with 47 percent of participants following suit.

      As a part of empowerment, learning and understanding is surely an important issue and knowing how to ask the right questions helps.
      The multidemension model of patient engagement (see attached) they present is particularly interesting (Source is Darden et al. – see bottom of chart below).

      Jörg, thanks so much for sharing.

      Reply
      • 2014-04-22 at 07:01
        Permalink

        Dear Urs, thanks for your comment and I do hope you have had a happy egg hunt. 🙂

        The model from Carmen et al. is indeed very useful. It not only addresses direct care but includes al levels of engagement, even in organizational matters and policy making. Recalling the discussions and presentations from the conference, the latter is the one with a particular need for improvement: http://blog.careum.ch/blog/koproduktion-partizipation-empowerment/

        All the best, Joerg

        Reply
        • 2014-04-22 at 11:25
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          Danke @jrghaslbeck:disqus für den Kommentar.
          Das Modell ist super, dessen Umsetzung in der Praxis it jedoch der ultimative Test 🙂
          Alles Liebe
          Urs
          beim Käsen

          Reply
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