#PBL2016: Eine gemeinsame Sprache finden

In Kürze: Hier finden Sie aufgezeichnete Keynotes, Kommentare und  Links zum Kongress Problem-based Learning 16.-17. Juni 2016.
Erfahren Sie, wie sich Problem-based Learning (PBL) und verwandte Ansätze entwickeln. Weshalb bildet sich eine gemeinsame Sprache zu PBL?
Inspirieren Sie sich am Schluss von meinen Notizen zum PBL-Live, dem Event vor dem Kongress.

Das ist ein Special-Edition Blogbeitrag, der als kleine Lernumgebung genutzt werden kann. Darum ist er auch sehr lang. Steigen Sie ein, wo Ihre Gedanken hängen bleiben. Viel Vergnügen beim Stöbern! Sicher haben auch Sie Anregungen und Fragen. Beteiligen Sie sich an der Diskussion mit einem Kommentar!

Kurze Rückblicke zum PBL Kongress, die bereits publiziert wurden.
News bei Careum.ch
Veranstaltungen zu PBL bei Careum.ch
Kongresswebsite mit Eckdaten und Unterlagen

Engagierte Kongressleitung mit starkem Team

Wenn drei Trägerorganisationen zusammenspannen, können sie etwas bewegen.  Hinter dem Kongress stehen Careum Stiftung, Pädagogische Hochschule Zürich PHZH und Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW. Kongressleitung und Organisationskomitee haben ein reichhaltiges Tagungskonzept umgesetzt. Sie führten souverän durch den Kongress von Anfang bis Schluss. Grosses Kompliment!

Fünf internationale Keynote Speaker sorgten für Spannung. 70 Parallelsessions gaben Einblick in anregende Werkstattberichte und Forschungen.

Der Tenor am Schluss war: PBL ist mehr als eine Methode und mehr als ein System. Mit PBL entsteht eine gemeinsame Sprache.

Noch offen ist, wie sich die Zukunft mit den anstehenden Veränderungen gestaltet. PBL fördert mehr als überfachliche Kompetenzen und fördert nicht nur Wissenserwerb von Einzelnen und Gruppen. Lernen an realen, authentischen und komplexen Problemen bringt die Lehre, die Akademien und die Gesellschaft weiter. Die Teilnehmenden der Tagung diskutierten lebhaft dazu in den Parallelsessions, aber auch in den Pausen beim Kaffee.

5 Impulse und Gespräche in Gruppen

A) Der Einstieg

Das Grusswort zur Tagung an die 360 Teilnehmenden aus 19 Ländern überbrachte Regierungsrätin Dr. Silvia Steiner, Bildungsdirektion Kanton Zürich. Sie unterstrich, dass Kompetenzorientierung mit dem Lehrplan 21 auch in der politischen Agenda bedeutend ist. Sie begrüsste deshalb auch diesen Kongress.

1. Impuls: PBL fördert Wissenserwerb

Das erste Keynote-Referat hielt Prof. Dr. Henk G.Schmitt, ehemaliger Rektor der Erasmus Universität in Rotterdam. Als einer der Urväter des PBL leitete er seinen Beitrag mit einem Bild aus den siebziger Jahren ein. Es zeigt eine Diskussionsgruppe von Studierenden rund um den Tisch.

Das Bild löste Heiterkeit aus, denn es illustriert, wie sich die Zeiten geändert haben. In seinem Vortrag betonte Henk Schmidt, dass beim PBL echter Wissenserwerb eng an Denkfähigkeit anknüpft. Im Gespräch erwerben Studierende konzeptuelles Verständnis und fördern vertieftes Wissen. Das funktioniert aber nur, wenn das Problem selber bedeutend ist: Studierende aktivieren ihr Vorwissen und können dabei ihre eigenen Wissenslücken wahrnehmen. Erst in diesem Prozess merken sie, welches Wissen sie sich erarbeiten wollen, welche Kompetenzen sie noch brauchen. Das ist der Kernpunkt, bei dem echtes Lernen ansetzt. Dasselbe Grundverständnis spielt auch für die Gestaltung von «Flipped Classroom» eine Rolle. Heute bereiten sich Studierende damit eigenständig auf den Unterricht vor.

Mein Exkurs zu «Flipped Classroom» und «Moocs»
Die Infographic erklärt, worum es geht. Lässt sich das auch auf Ihren Unterricht anwenden?
Infographic: The Flipped Classroom

Eine Kurzlektion mit Video zum Thema
Flipped Classroom –  Frontalunterricht Zuhause, Gruppenarbeit im Präsenzunterricht

Können Sie sich vorstellen, Ihre Lektionen so anzubieten? Macht es Spass, so zu lernen?

Aufgezeichnete Keynote: Prof. Dr. Henk G. Schmidt
Problem-based learning: What works and why? (Video 58:45 Min.)

B) Die Parallelsessions: Arbeit an Echtproblemen

Die Kongressteilnehmenden schätzten die vielen Workshops auf Deutsch und Englisch. Im direkten Kontakt wurde die Praxis sichtbar und man traf auf neue Gedanken und Beispiele.

Fragen aus dem eigenen Umfeld diskutierten Lehrende und Forschende aus unterschiedlichen Fachgebieten und Bildungsstufen. Das Angebot reichte über PBL in den MINT-Fächern, Wirtschaftswissenschaften, Medizinischer Ausbildung, Gesundheitsberufen, Lehrerausbildung und weiteren Fachdisziplinen. Immer mit Blick darauf, wie PBL und verwandte Ansätze nutzbringend in Bildungsgänge eingebunden werden können.

Ausgewählte Beiträge aus dem Sonderheft 11/3
Im Zusammenhang mit dem internationalen Kongress hat die Kongressleitung das Sonderheft 11/3 der Zeitschrift für Hochschulentwicklung herausgegeben. Darin sind 14 Beiträge aus den Parallelsessions publiziert. Die hier ausgewählten Beiträge beziehen sich auf die PBL Ansätze im Umfeld von Careum, PHZH und ZHAW.

Claude Müller, Monika Schäfer, Geri Thomann
Editorial: Problem-based Learning – Kompetenzen fördern, Zukunft gestalten
Hier können Sie nachlesen, wie PBL und Kompetenzorientierung zusammenhängen. Weshalb verwandte Ansätze heute immer wichtiger werden (siehe dazu auch das Referat von Anette Kolmos).

Lesen Sie hier drei Beiträge aus den Gesundheitsberufen.

Monika Urfer-Schumacher
Problembasiert, kompetenzorientiert prüfen

Gabriele Schroeder
Entwicklung Problembasierter Curricula

Denise Eigenmann, Gabriele Hasenberg
Pregnancy Based Learning – Werkstattbericht

Ein Blick in das Sonderheft lohnt sich jederzeit.

Call for Abstracts
Eine zweite Publikation mit englischsprachigen Beiträgen im Interdisciplinary Journal of Problem-based Learning wird im Herbst 2017 veröffentlicht.

Wir dürfen gespannt sein!

In den Parallelsessions gab es Fragestellungen zu Lernumgebungen wie: Kompetenzorientierung und PBL, PBL und Assessment, PBL und Interdisziplinarität, PBL und ICT Unterstützung. Die Fülle des Angebots konnte dazu verleiten, sich wie auf einem Marktplatz von einem Stand zum andern zu bewegen. Gerne wäre noch mehr Zeit geblieben, um die eine oder andere Frage zu Ende zu diskutieren. In den Pausen fand reges Netzwerken statt und viele neue Kontakte konnten geknüpft werden. Es waren über 70 Personen aus dem Curriculumsverbund am Kongress vertreten. Einige auch mit Workshops.

Hier finden Sie die Zusammenstellung aller Abstracts zu den Parallelsessions  – 60 Seiten (PDF 516 KB) 

Betrachten Sie hier die Folien zum Workshop von Careum Bildungsentwicklung zu PBL Curricula – von der Entwicklung zur Implementation.

Angezeigte Folien hier herunterladen (PDF, 884 KB)

2. Impuls: PBL ist eine Philosophie

Die zweite Keynote bestritt Prof. Dr. Anette Kolmos von der University Alborg, Dänemark. Sie präsentierte ein Dreiecksmodell zu Ausrichtungen an Universitäten zwischen

  1. Wissen (Knowledge), akademisch und an der Theorie orientiert
  2. Arbeitsmarktfähigkeit (Employability), an Firmen und instrumenteller Praxis orientiert, getrieben durch Innovation auf dem Markt
  3. Kritisches Bewusstein (critical consciousness), an der Gemeinschaft und nachhaltigen Entwicklungszielen orientiert, mit hybrid Lernen und gesellschaftlicher Verantwortung im Blick.
    (Anm. Hybride Lernformen beziehen sich auf Vermischung von verschiedenen didaktisch-methodischen Ansätzen, z. B. Problem-based, Project-, Inquiry-based Learning).

In diesem Sinn bezeichnet sie PBL als Philosophie. Bildungseinrichtungen entwickeln PBL weiter vom Siebensprung- Modell zum Projektorientierten Lernen, vom individuellen zum Lernen in Gruppen und Lernen von Institutionen. Anette Kolmos macht dabei auch den Bezug zur Motivations-Psychologie, einem Schwerpunkt in ihrer Laufbahn.

Die Bedeutung von Motivation beim Lernen
Literaturhinweis: Motivational factors, gender and engineering education DOI:10.1080/03043797.2013.794198
Anette Kolmosa*, Niels Mejlgaardb, Sanne Haaseb & Jette Egelund Holgaarda

In dieser Studie geht es um die Bedeutung der Motivation für das Lernen.
Mein Kommentar zum Thema: Hand aufs Herz – Nachhaltiges Lernen braucht Motivation, d.h. innere Beteiligung – wenn diese fehlt, führen die besten Aufgabenstellungen und schönsten Erklärungen nicht zum Lerngewinn. Kennen Sie das auch?

Aufgezeichnete Keynote: Prof. Dr. Anette Kolmos
Competence Development with Problem- und Project-based Learning (Video 47:33 Min.)

3. Impuls: Unterricht muss klar sein

Prof. Dr. John Sweller, Emeritus School of Education, Kensington Australia ist bekannt durch die «Cognitive Load Theory». Diese geht davon aus, dass es einen Ersterwerb von Wissen gibt (primary knowledge), wie z.B. die erste Sprache, die wir ohne die Schule oder Anleitungen lernen. Der Zweiterwerb von Wissen (secondary knowledge) geschieht in der Schule und baut auf fünf Prinzipien auf:

  1. Speichern von Informationen
  2. Deren Übertragung von Gehirn zu Gehirn und Neuorganisation
  3. Zufall als Entstehungsprizip
  4. Enge Grenzen für Veränderung
  5. Umgebungsorientierte Einordnung und Verlinkung von vorhandenen Prinzipien.

Aus der Sicht von Sweller gelingt Wissenserwerb besser, wenn im Unterricht ausgearbeitete Beispiele zum Vertiefen vorliegen, statt nur offene Problemstellungen. Er plädiert dafür, dass Instruktion anleitend erklärt, da bei komplexen Problemen die Wissensaufnahme durch das Bewusstsein beschränkt ist. Instruction should be explicit.

Mein Exkurs zur Cognitive Load Theory
Hier wird Bedeutung und Anwendung erklärt. Es gibt auch ein Video dazu.
Cognitive load

Die Website erklärt «instructional design» und Anwendungen dazu. Wer sich mit E-Learning beschäftigt, kommt mit diesem Gedankengut in Kontakt. Und genau hier setzt auch die Debatte an, wie sie am PBL Kongress geführt wird: Wo braucht es, um zu lernen, komplexe Fragestellungen und wo bringen klare Ausführungen mehr, mit denen die Lernenden Orientierung schaffen und ihr Wissen aufbauen können?  
Instructional Design

Hier eine Studie aus den 90er Jahren dazu.
Chandler, Paul and Sweller, John: Cognitive Load Theory and the Format of Instruction, Cognition and Instruction: 8(4) 1991, 293-332

Ich meine: Unsere Schulerfahrungen zeigen, es braucht beides, und darüber hinaus noch mehr. Deshalb ist Lernen lebenslang und immer wieder neu spannend. 

Aufgezeichnete Keynote: Prof. Dr. em. John Sweller
Problem-based learning from a cognitive load theory perspective (Video 43:03 Min.)

C) Kontradiktorische Diskussion

Zwischen Prof. Dr. Henk Schmidt und Prof. Dr. John Sweller,
Moderation Prof. Dr. Elsbeth Stern, ETH Zürich

Die kontradiktorische Diskussion hatte zum Ziel, die beiden Positionen von Henk Schmidt und John Sweller einander gegenüberzustellen mit Blick auf die Qualität und Durchführung von Lehre an der Hochschule. Es zeigte sich, dass es durchaus Übereinstimmungen gab. So stellte Henk Schmitt die «Cognitive Load Theorie» nicht grundsätzlich in Frage, beharrte aber darauf, dass Lernumgebungen so gestaltet werden, dass Lernende ihr eigenes Potenzial genügend einbringen können. Direkte Anweisungen (direct instruction) um jeden Preis genügen nicht. John Sweller entgegnete, dass er Befunde habe, die dem entgegenstehen.

Die Moderatorin Elsbeth Stern vermittelte zwischen den beiden Positionen und schlug vor: Wenn ein Thema komplex und wichtig ist, sollen die Studierenden Probleme lösen, für andere Themen ist besser, wenn sie ausgearbeitete Anweisungen erhalten.

Aufgezeichnete Panel-Diskussion (Video 36:46 Min.)

4. Impuls: Begriffliche Situierung von PBL und verwandten Ansätzen

Prof. Dr. Gabi Reinman, Universität Hamburg, leistete einen Beitrag zur Situierung und begrifflichen Schärfung von aktivierendem und produktivem Lernen; von miteinander verwandten Konzepten zu fall-, problem-, projekt- und forschungsorientiertem Lernen. Sie stellte fest, dass die Begriffe auch im internationalen Umfeld unterschiedlich eingeordnet werden und als eine Konzeptfamilie mit verschiedenen Mitgliedern verstanden werden können: Alle sind problembezogen, im Sinn einer komplexen Herausforderung; Real, authentisch, nicht einfach zu beantworten, schlecht strukturiert, komplex. Gabi Reinmann teilte die Konzeptfamilie in drei Dimensionen ein:

  1. Verhältnis von Selbst- und Fremdorganisation
  2. Art des Lernprozesses
  3. Qualität des Wissens.

Daraus entwickelte sie ein Modell zur Begriffsbildung von akademischer Lehre mit Forschungsorientierung. Mehr dazu in ihrem Skript: Forschungsorientierung in der akademischen Lehre, Impact Free 1, Mai 2016 (PDF 327 KB)

Aufgezeichnete Keynote: Prof. Dr. Gabi Reinmann
Gestaltung akademischer Lehre zwischen Fall-, Problem-, Projekt- und Forschungsorientierung (Video: 42:40 Min.)

Vortragsmanuskript Zürich 16.06.2016 mit Literaturhinweisen. (PDF 310 KB)

Blogbeiträge von Gabi Reinmann aus und nach dem Kongress

Die Blogbeiträge von Gabi Reinmann widerspiegeln interessante Beobachtungen und Wahrnehmungen zum Kongress. Erfrischend ist ihre klare Sprache und sie kommt ohne Bilder aus. 😉

Zusammenfassung des ersten Konferenztages
Wenn zwei sich nicht streiten

Rückschau auf den zweiten Tag
Hoffnung auf Passung

Kommentar zur Tagungsphänographie von Theo Wehner
Mit Würdigung zum Thema «Scheitern»
Warum Scheitern kein Fehler ist

5. Impuls: Studierfähigkeit erwerben am Gymnasium

Den politisch-narrativen Gründen für PBL ging Prof. Dr. Franz Eberle, Universität Zürich, nach. Er stellte den Bildungsauftrag von Gymnasien dar: Sie bereiten auf das Universitätsstudium vor. Sie bringen ihre Lernenden zu Studierfähigkeit und vermitteln die Kompetenzen für anspruchsvolle Aufgaben in der Gesellschaft. Eberle führte in seinem Referat aus, für welche Bildungsziele des Gymnasiums problembasiertes Lernen ein pädagogischer Ansatz wäre. Aus seiner Sicht muss funktionierendes PBL aus einer politisch-normativen Perspektive weiter entwickelt werden. Hierzu sind Bildungsmonitoring und Bildungsevaluation bedeutend.

Aufgezeichnete Keynote: Prof. Dr. Franz Eberle
Bildungspolitische Perspektive von PBL (Video 46:46 Min.)

D) Abschluss

Einen fulminanten Abschluss des internationalen Kongresses bildete der Rückblick von Prof. Theo Wehner, emeritiert ETH Zürich.

Seinen kritischen Blick als Arbeitspsychologe richtete er auf Kongresstitel und Kongressbeiträge. Mit Denkanstössen zur Arbeitswelt der Zukunft erweiterte er die Perspektiven des Kongresses. Es wird immer wichtiger, Selbstmanagement zu übernehmen. Und dabei ist Umlernen schwieriger als Neulernen. Eng daran geknüpft ist die Bedeutung von Scheitern. Lernen mit Fehler und Risiko drängen sich auf, vertieft betrachtet zu werden.

Am Ende blendete er auf dem Bildschirm das Werk von Hans Arp «Das Bündel des Schiffbrüchigen» ein mit den Worten: Sind wir als Lernende und Lehrende nicht grundsätzlich Schiffbrüchige?

Aufgezeichnete Keynote: Prof. Dr. Theo Wehner
Tagungsrückblick (Video 31:09 Min.)

Die schriftliche Review zum Kongress von Theo Wehner (PDF 114 KB)

Hier endet der Kongress! – Es geht weiter mit Notizen und Stichworten zu

I) PBL live! Der Event vor dem Kongress

Einblick in die HF Ausbildungen im Gesundheitswesen. Wie sieht die Praxis aus? Welche Erfahrungen machen die Bildungszentren mit PBL?

PBL live! – Startete am Mittwoch, 15.6.16

Ruth Aeberhard, Bereichsleiterin Höhere Fachschulen Careum Bildungszentrum, eröffnete die Veranstaltung mit den Worten: PBL ist ein Erfolgsmodell, das immer weiter entwickelt wird.

Curriculumsverbund Problem basiertes Lernen
Die Bildungszentren zeigten in verschiedenen Workshops, wie sich die Ausbildungen von PBL in den Höheren Fachschulen für Ausbildungen im Gesundheitswesen entwickeln konnten. Das Treffen der vier Bildungszentren bot eine gute Gelegenheit gegenseitig Einblick zu geben und sich näher zu kommen.

Lesen Sie mehr zum Curriculumsverbund und Kompetenzentwicklung im Blogbeitrag von Gabriele Schroeder

und zur Qualitätsentwicklung der Lehr- und Lernmittel auf der Website careum.ch

Die Leitenden des Curriculumsverbund Problem basiertes Lernen führten in die angebotenen Workshops ein:
«Wir haben vor 12 Jahren begonnen und konnten als erste das Konzept umsetzen. In der Zwischenzeit konnten wir PBL fest verankern und entwickeln es immer weiter», BZGS St. Gallen – Cornelia Hartmann.
«Auch bei uns hat sich PBL durchgesetzt und wird ständig neuen Bedürfnissen angepasst».  BGS Chur – Daniel Amman.
Auf dem Bild:
Daniel Amman (BGS), Cornelia Hartmann (BZGS), Ruth Aeberhard (CBZ) und Leiterin Careum Bildungsentwicklung Monika Schäfer

Die Veranstaltung gab Einblick hinter die Kulissen von PBL. Interessant war zu spüren, wie alle ihren persönlichen Stil in den Unterricht brachten. Lesen Sie meine Stichworte zu Eindrücken und Fragen, die ich mitgenommen habe.

II) PBL live! Workshops

Tutorat live – Monika Urfer Schumacher

Aufgabenstellung: Gelerntes für die Zukunft sichern

Einführung in den Workshop mit Hinweisen zu PBL:
PBL mit 8-12 Personen – Aufgabenstellung bearbeiten nach der Struktur des Sieben-Sprungs
Die Wahl des Themas soll berühren, für alle wichtig sein. Lernen wird sich in Zukunft verändern, deshalb ist Übernahme von Selbstverantwortung noch wichtiger geworden.
Im Lehrgang 7 Sprung abgeändert: Gesprächsleitung fällt weg; alle in der Gruppe sind verantwortlich, am Thema zu bleiben. Zeitvorgaben durch die Moderatorin.

Einstieg: Diskutieren Sie die Aufgabenstellung und passen Sie diese Ihren Bedürfnissen an. Begriffe sind festgelegt (siehe Glossar).

Die sorgfältige Einführung schafft Orientierung am Anfang. Interessant ist, dass die Gesprächsleitung wegfällt. Das braucht Vertrauen von Seiten der Tutoren.

Entwicklung von Problemaufgaben und Skillsunit
Team Careum Bildungsentwicklung

Im Bild: Alexandra Wirth, Gabriele Schroeder, Karin Schneider
Pädagogisch Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen bei Careum Bildungsentwicklung.

Erfahren Sie mehr zum Unterschied zwischen «Case» und «Problemsituation». Worauf kommt es beim Entwickeln von «Skillsunits» an?

Angezeigte Folien hier herunterladen (PDF, 644 KB)

PBL und Skillstraining

Während vor zehn Jahren die Methode nach strengem Muster durchgeführt wurde, gibt es heute mehr Raum für einen abwechslungsreichen Methodenmix und eine gezielte Verschränkung von PBL und Skillstraining. Die Studierenden werden in einer Trainingswoche sorgfältig in PBL und Skillstraining eingeführt. Anhand von konkreten Problemstellungen erarbeiten sie ihr fachliches Wissen, in Übungssequenzen vertiefen sie die Anwendungen. Je nach fachlicher Richtung gestalten sich die Lehrgänge unterschiedlich.

Workshop Video Tutorat

Tutorat gestalten – strukturiert und aktiv zum vernetzten Lernen:
Thema: Hoffnung
Rollen in den Gruppen: Gesprächsleitung und Moderation
Moderatorin bespricht mit Lehrperson das Vorgehen in der Gruppe (Video Ausschnitt).
Sie bereiben die Blockaufgabe vor.
Parallel dazu bereiten sich die Lerngruppen auf die Problemanalyse vor: Zitate auswählen und sich Gedanken machen dazu (Thema Hoffnungslosigkeit).
Danach folgen Phasen I – II mit Verteilung von Schritten 1-7
Nach einem Einstieg folgt der theoretische Hintergrund .

  • Schritt 1 – Begriffe klären – ist eine kurze Sache. Wenn der Begriff unbekannt ist, erklärt die Tutorin.
  • Schritt 2 – Zentrale Fragestellungen bestimmen — Schlüsselwörter bestimmen und Grenzen abzustecken. Intensive Diskussionen dazu, wie weit man gehen kann.
  • Schritt 3 – Erklärungen suchen, Problem aktivieren
    Kognitiver Konflikt auflösen, d.h. alte Strukturen aufbrechen; mit Brainstorming

Workshop: Studierende in das PBL einführen – so gelingt der Einstieg

Unterrichtende sind Tutorinnen und Tutoren, Lernende sind Studierende.
Studierende sind verantwortlich für ihr Lernen. Das beschäftigt die Studierenden und motiviert sie.
Einige haben Mühe damit, aber die meisten wählen bewusst deshalb PBL.
Die Betriebe melden zurück, dass die Studierenden gut mitdenken.
Stolpersteine:

  1. Themen Tutorat vs. Themen Skillstraining; Themen, die in beiden Lernformen vorkamen, wurden überarbeitet >> Vorstellungsrunde, Feedback, Abschluss / Evaluation.
    Stolpersteine Tutorat: ursprünglich 2 Blockaufgaben bearbeitet — Inhalt und Methodik konnten Lernende nicht gut unterscheiden (da pädagogische Begriffe, konnten Studierende nicht mit ihren Vorerfahrungen anknüpfen.)
  2. Skillstraining, zuerst in die Methode eingeführt, viele Informationen zu Hilfsmitteln und Vorgehensweisen.
  3. Skills ohne Bezug zu praktischer Tätigkeit integriert.
    Feedback eingeübt und theoretisch bearbeitet.
    Zusammenfassung: Kritik von allen Seiten; mit praktisch nichts zu tun, Begriffe zu abstrakt, zu viel Stoff.

Einführungswoche neu angepasst (MTT). Veränderungen lösen Widerstände aus. Ziel aufzeigen, warum gute Gründe für PBL.

  • Gruppendynamik schwierig >> Wie kann Gruppenbildung erleichtert werden?
  • Worin unterscheidet sich diese Lernform von der Alten?
  • Wie lernt mein Gehirn?

Massnahmen

  • Start der Einführung wurde verschoben (8 h Vorlesungen nach altem Schema, danach Einführungswoche in PBL).
  • Studierende können an Bekanntem anschliessen.
  • Massnahmen zum Start der neuen Gruppe von Beginn an.
  • Herstellung von provisorischen Gruppenregeln mit Unterschrift
  • Anpassungen zur theoretischen Einführung ins POL
  • Veränderungen der Blockaufgabe — Praxisnähe
  • Veränderung der Skillsunit — Praxisnähe

III) PBL live! Podiumsgespräch

Fragen aus den Workshops
Wie sieht eine Einführungswoche aus?
Tutorat, Skillstraining, Blockaufgabe
gemeinsame Auswertung mit Tutorat und Gruppe, komplexes Konstrukt, zwei Gruppen müssen aneinander vorbei
Stundenplan Rhythams A Block Pflege
Studierende können Zeit selber einteilen

Wie lernen die Studierenden pharmakologische Begriffe?
Im selbstgesteuerten Prozess erarbeiten sich die Studierenden selber das Wissen und wenden dieses an.

Wie wissen die Studierenden, dass das, was sie lernen auch genügt?
Im Lernmittel sind Lernziele formuliert, die Studierenden können diese Ziele bearbeiten. Die Studierende haben das Wissen zu erarbeiten im Rahmen der Lernziele (vgl. Schritt 5 im Tutorat; im Schritt 7 muss Tutorin überprüfen, dass Lernziele erreicht sind.)

Fragen zu Lernen und Wissen bei den Studierenden?
Welche Rahmenbedingungen müssen gegeben sein, dass die Methode gelingt?
In jedem Bildungsgang anders. Anlage so aufstellen, dass selbstgesteuert gelernt werden kann. Lernberatung und Lernbegleitung wichtig, das sagt auch die Literatur. Je mehr man individualisiert, umso mehr Tutorinnen.
Ansatzpunkte für Prüfungen und Lernweg bestimmen: Selbststeuerung.

Zugang zu ganz guten Lernmitteln. Online-Tools. Lernende verlieren sich. Recherchekompetenz muss gut unterstützt sein.

Hilfsmittel, wie Studierende lernen können, es braucht Unterstützung und Räumlichkeiten. Kollegiales, kollaboratives Lernen wird gestärkt werden.

Ganz wichtig: Team, Organisation muss hinter dem Konzept stehen. Einheit im Lehrkörper, dass die Methode in gleicher Art umgesetzt werden. Wenn Pädagogen überzeugt sind, können sie auch die Studierenden überzeugen.

Das war es: Ein gelungener Kongress mit PBL-live! Eine reiche Ausbeute für meine Arbeit und interessante Begegnungen! PBL und verwandte Ansätze sind aktuell, wie eh und je.

Wie geht es Ihnen? Bringen Sie Ihre Erfahrungen hier ein mit einem Kommentar.

  • Mit PBL können Kompetenzen optimal gefördert werden. Ja / Nein? Weshalb?
  • PBL und verwandte Ansätze fördern mehr als überfachliche Kompetenzen? Warum spielt das eine Rolle?

Yvonne Vignoli

Pädagogisch wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Careum - seit September 2014 Meine Arbeitsfelder der letzten Jahre Konzeptarbeit für Lernen mit neuen Medien und Internet in Bildungsinstitutionen Dozententätigkeit und Projektmanagement - im Bereich Ausbildung der Ausbildenden, Webauftritte, Projekte mit Social Media Plattformen

2 thoughts on “#PBL2016: Eine gemeinsame Sprache finden

  • 2016-09-02 at 20:13
    Permalink

    Vielen Dank für diesen ausführlichen Beitrag.

    Die Keynotes zeigen verschiedene Aspekte von PBL auf. Persönlich interessiert mich Gabi Reinmanns Beitrag im Moment am meisten, da ich mich ebenfalls mit der Rezeption und Anwendung von PBL und dem Design von Lernen und Lernumgebungen im angelsächsischen Raum befasse, speziell im US-Zusammenhang.

    In der USA wird im privatwirtschaftlichen Rahmen oft noch von “Instructional Design” als Oberbegriff für Ausbildungs-Gestaltung gesprochen, wobei “instructional” ein allgemeiner Begriff ist, der sich auf eine veraltete Form der Bildung bezieht.

    Damit sind einige unglücklich und suchen neue Bezeichnungen für die Gestaltung von (Weiter-)Bildung.

    Im Zusammenhang mit digitalem lernen wird der Begriff LX Design (Learner Experience Design) nun immer öfter aufgenommen, in Anlehnung an UX Design (User Experience Design) aus dem Web-Bereich. Diese Gestaltung von Erfahrungen meint ein ganzheitliches Design von Inhalten und Prozessen, die ein Benutzer (User), wie auch Lernende (Learner) es sind, durchläuft.

    Problem Based Learning ist da als Ansatz selbstverständlich mit gemeint. Ich bin gespannt auf die Beiträge!

    Reply
  • 2016-09-05 at 13:43
    Permalink

    Besten Dank, liebe Yvonne, für diesen umfassenden und spannenden Rückblick auf den PBL-Kongress 2016!
    Mit herzlichem Gruss,
    Agnes Weber, Zürich

    Reply

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *