Bildung und Kompetenz: So sind Abschlüsse vergleichbar

Wie können gleichwertige Kompetenzen anerkannt werden, wenn sie an unterschiedlichen Orten und in verschiedenen Kulturen erworben werden?
Die Antwort dazu heisst in drei Stichworten: Bologna-Prozess, Kopenhagen-Prozess und Qualifikationsrahmen

Kompetenzerwerb an der Hochschule

Mit Einführung der Bologna-Reform orientieren sich Hochschulen in der Schweiz an Kompetenzen. Formale Vorgaben, wie formulierte Lernziele und Modulprüfungen führen während dem Studium zu Qualifikationen: Die Lernziele (learning outcomes) passen zum jeweiligen Kompetenzstand und sind transparent überprüfbar. Sie werden mit Handlungskompetenzen ergänzt. In diesem Verständnis erweitert sich Wissen schrittweise zu Können – der Aufbau von Kompetenzen erfolgt in Stufen.

Vergleichbare Wege zu Kompetenzerwerb und Abschluss

Bologna-Prozess für die Hochschulen – Kopenhagen-Prozess für die Berufsbildung

Im März 2000 formulierte der Europäische Rat in der so genannten Lissabon-Agenda das folgende Ziel: Europa soll zum wettbewerbsfähigsten, dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt werden. Dafür sollte die Umsetzung der Bologna-Deklaration vorangetrieben werden. Parallel dazu wurde 2002 der Kopenhagen-Prozess für den Berufsbildungsbereich analog zum Hochschulbereich lanciert.
Der Kopenhagen-Prozess ist eine arbeitsmarktorientierte Strategie und hat zum Ziel, die Berufsbildung zu stärken. Wie beim Bologna Prozess für die Hochschulen sollen sich Qualität und Attraktivität beim Kopenhagen-Prozess für die Berufsschulen verbessern. Mit mehr Mobilität und verstärkter internationaler Zusammenarbeit positioniert sich die Berufsbildung im europäischen Raum.
Um diese Ziele zu erreichen, soll Vergleichbarkeit, Durchlässigkeit und Transparenz von Qualifikationen und Abschlüssen sichergestellt werden. Lesen Sie mehr zum Vergleich der beiden Systeme: Wie unterscheidet sich die Europäische Berufsbildungszusammenarbeit von der Bologna-Reform?…

Qualifikationsrahmen EQF, NQF, NQR

Die Instrumente zur internationalen Vergleichbarkeit

Für die Umsetzung der oben genannten Ziele entwickelt die EU unterschiedliche Instrumente. Zu den wichtigsten zählen der Europäische Qualifikationsrahmen (EQF für englisch: European Qualifications Framework), der die beiden Harmonisierungsprozesse Bologna und Kopenhagen miteinander verbinden soll sowie der nationale Qualifikationsrahmen (NQF für englisch: National Qualifications Framework oder NQR).
Die Schweizer Hochschulen verfügen mit nqf.ch-HS über einen darin situierten eigenen Rahmen, die Berufsbildung neu mit NQR-CH-BB ebenso. Geplant sind im europäischen Raum gegenseitige Anerkennung von Abschlüssen.
Der EQF orientiert sich an Lernergebnissen, beziehungsweise am Outcome von Lernprozessen. Er definiert acht Bildungsniveaus in Stufen, jedes davon wird durch Deskriptoren beschrieben; er soll zudem lebenslanges Lernen durch die Validierung von nicht-formalem und informellem Lernen fördern.

Der Qualifikationsrahmen für den schweizerischen Hochschulbereich nqf.ch-HS Ausführliches Schema zur Struktur des schweizerischen Hochschulsystems (PDF 23 KB)

Der nationale Qualifikationsrahmen für Abschlüsse der Berufsbildung schafft die Grundlage für die Einstufung aller formalen Berufsbildungsabschlüsse in einen nationalen Qualifikationsrahmen für Abschlüsse der Berufsbildung (NQR Berufsbildung) sowie für die Erarbeitung von Zeugniserläuterungen und Diplomzusätzen.

«Das Einstufungs-Niveau bezieht sich auf den jeweiligen Berufsbildungsabschluss und nicht auf individuelle Leistungen. Mit Hilfe des von der EU erarbeiteten Europäischen Qualifikationsrahmens – welcher als eine Art Übersetzungsinstrument dient – werden die Schweizer Abschlüsse mit Abschlüssen anderer Länder vergleichbar »(Quelle: NQR Berufsbildung).

Lesenswert: Problem-based Learning greift Kompetenz auf

Diskutieren Sie mit und kommentieren Sie!

– Wie hat sich Ihr Bild zu Kompetenzen und Abschluss erweitert?

– Finden Sie den Qualifikationsrahmen für Ihren Abschluss?

Geri Thomann

Aufbau und Leitung des ZHE - Zentrum für Hochschuldidaktik und Erwachsenenbildung (seit 2009) |Professur der ZFH für Hochschuldidaktik und Erwachsenenbildung (seit 2012) | web:<a href="https://www.phzh.ch/personen/geri.thomann">Geri Thomann - Portrait PHZH</a> |

3 thoughts on “Bildung und Kompetenz: So sind Abschlüsse vergleichbar

  • Pingback: Schlüsselqualifikation, Praxis, Hochschuldidaktik, Qualifikation,

  • 2016-05-16 at 16:23
    Permalink

    Hier muß noch viel passieren.

    Wir sind in Europa und nicht irgendwo im tiefsten Urwald.

    Wenn ich eine medizinische Massage in Bern bestelle, dann erwarte ich, das ich annähernd die gleiche Leistung bekomme, als ob ich diese in Mailand, Madrid oder München bestelle.

    Doch ist dem so?

    Reply
  • 2016-05-23 at 05:15
    Permalink

    Die formuliere Erwartung ist berechtigt. Mit der Festlegung international vergleichbarer Kompetenzstufen ist durchaus noch nicht garantiert, dass Fachpersonen qualitativ gute Leistungen erbringen.

    Was braucht es dazu? – Ausbildungsinhalte die auf Erkenntnissen aus Forschung und Praxis basieren. In der Regel legen diese die Fachgesellschaften entlang der Kompetenzstufen fest.

    Wählt man nun eine Masseurin oder einen Masseur aus – um beim Beispiel zu bleiben – können folgende Fragen eine Orientierung geben:

    – Hat die Fachperson einen national und/oder international anerkannten Abschluss?
    – Seit wann ist die Fachperson beruflich tätig?
    – Besucht sie regelmässig Weiterbildungen und bildet sich mit Fachliteratur weiter?

    Reply

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *