Gesundheit gemeinsam gestalten: Co-creating health

Das ist ein weiterer Beitrag in der Reihe Reflections Careum Congress 2014 und der Auftakt einer Blogreihe des neuen Kompetenzzentrums, das Careum zu Patientenbeteiligung und -kompetenz etabliert. Jörg Haslbeck überlegt, was ein gebrochener Ellenbogen mit Koproduktion von Gesundheit zu tun hat. Und ein Video hat Premiere.

«Kein Beinbruch…»

Kürzlich hatte meine Tochter beim Spielen einen Unfall. «Ist doch kein Beinbruch», denkt man, wenn es nur der Arm ist. Ellenbogen, um genau zu sein. Und dann? Trösten, Spitalbesuch, Diagnostik, Schmerzmittel, Gips, Folgetermine – und kleine Einschränkungen im Alltag beim An- und Ausziehen.

Für mich war das emotional anspruchsvoll, ehrlich gesagt aber auch interessant. Als betroffener Elternteil wird man im Spital sofort beteiligt, etwa als Begleitperson beim Röntgen. Aber es spielt sich sehr viel ‘im Verborgenen’ ab. In manche Prozesse wird man kaum involviert, z. B. bei Konsultationen von ärztlichem Personal. Oder man muss aktiv nachfragen und auf Transparenz bei Untersuchungsergebnissen beharren. Man will ja informiert sein. Will sich erkundigen. Will sich einbringen. Will oder muss?

«Gebildete Kranke»: Fordern? Fördern?

Ein Spannungsfeld, das ein Gesundheitsforum vor einiger Zeit wie folgt skizziert hat: Einerseits sind «gebildete Kranke» (und natürlich Angehörige) gefragt, die beim Arzt fordern, was sie brauchen – andererseits kann viele Patient/innen dieses Mündigsein überfordern. Einfach nur krank sein, geht das heute überhaupt noch?

Gesundheit-Patient_SZ Grafik 2014
© Grafik SZ Forum 2014

Alles in allem Ausdruck, wie eindrücklich sich gegenwärtig Werte im Gesundheitswesen ändern bzw. schon geändert haben. Weg vom passiven Leistungsempfänger und «leidenden Patient» nach Talcott Parsons hin zum Akteur, der sich aktiv für Gesundheit als erstrebenswertes Gut einsetzt. Menschen denken heutzutage eben grundsätzlich anders über ihre Gesundheit, was Ilona Kickbusch und Susanne Hartung in «Die Gesundheitsgesellschaft» als «normativen Durchbruch» bezeichnen (ebd., S. 16).

Nicht neu, aber zukunftsweisend: Koproduktion

Diese neue Sicht und Einstellung zum Umgang mit Gesundheit wird als Koproduktion bezeichnet. Ein etwas technisch anmutender Begriff. Was will er bezogen auf Gesundheit ausdrücken? Bürger/innen, Versicherte, Patient/innen und Angehörige sind Empfänger von Leistung des Gesundheits- und Sozialwesens. Das ist eine Facette. Eine andere: Als Individuen aber auch ‘Community’ sind sie aktiv in Versorgungsprozessen involviert. [Einwurf des Autors: und als Eltern, ich sage nur: Ellenbogen]. Im angloamerikanischen Raum werden mit dem Verständnis von «co-creating health» bspw. Programme umgesetzt, um die Versorgung im Gesundheitswesen zu optimieren.

Einige Gesundheitsexperten betrachten Koproduktion keineswegs als einen neuen Ansatz (vgl. Loeffler et al. 2013). Schlussendlich ist das, was eben beschrieben wurde, vielerorts anzutreffen: wenn man Brot in der Selbstbedienungsbäckerei kauft, seine Bankgeschäfte online abwickelt oder sich ehrenamtlich bei der Kinderbetreuung engagiert. Man ist sowohl Konsument als auch Produzent einer Dienstleistung.

Macht und Ressourcen anders denken

Was also ist neu an Koproduktion von Gesundheit? Neu ist die zunehmende Bereitschaft und das wachsende Interesse im Gesundheits- und Sozialwesen, Individuen und Gemeinschaften mehr zu beteiligen. Das mag herausfordernd sein, bringt aber Vorteile mit sich.

Beispielsweise ein neues Verständnis im Umgang mit Patient/innen und Angehörigen. Man erkennt deren umfangreiche Ressourcen und das kann – wie es Sir Harry Burns über Koproduktion im Careum-Blog formuliert hat – dazu beitragen, dass im System und in Organisationen Veränderungen stattfinden (s. a. Loeffler et al. 2013,  S. 6). Es wird anders über Machtverhältnisse und Ressourcen nachgedacht. Das kann neue Formen der Zusammenarbeit hervorbringen, vor allem aber zu nutzer- und patientenzentrierter Versorgung beitragen.

«Co-production begins and ends with the person, placing them at the heart of any given service and involving them in it, from the creation and commissioning of that service through to its design and delivery, its assessment and sometimes, where appropriate, its end.»

«Koproduktion findet immer statt»

Was trägt zu Koproduktion von Gesundheit bei? Was bringt es Patient/innen und Angehörigen? Dazu wurden  Expert/innen auf dem Careum Congress 2014 befragt. Den Auftakt machen hier Prof. Dr. Marie-Luise Dierks (Patientenuniversität Hannover, D) und Jürgen Matzat (Patientenvertreter im Gemeinsamen Bundesausschuss, D). Was sie thematisieren: verständliche Gesundheitsinformationen, partizipative Entscheidungsfindung (‘shared decision making’), Selbsthilfe und Selbstmanagementförderung bei chronischer Krankheit.

 Sich nicht selbst im Weg stehen…

Wie kann Koproduktion verwirklicht werden? Jeder weiss: Im Gesundheitswesen braucht es eine Umorientierung. Weniger akutmedizinische Versorgung, mehr Ausrichtung auf Umgang mit chronischen Krankheiten, psychische Gesundheitsproblemen und Multimorbidität, der häufigsten Krankheitskonstellation und «Herausforderung der Neuzeit». Trotzdem scheint sich das Gesundheitssystem selbst im Weg zu stehen. Kickbusch/Hartung (2014, S. 12) zufolge ist es selbst sein eigener «Bremsfaktor für notwendigen Umbau» geworden – insbesondere, weil es Patient/innen die Integration verweigert.

Was es also braucht in der Gesundheits- und Sozialpolitik ist Mut zur Veränderung. Und Koproduktion kann – oder sollte – hier die Leitmaxime sein.

Was meinen Sie?

Was sind Ihre Erfahrungen mit und Fragen zu Koproduktion von Gesundheit? Welche Voraussetzungen braucht es? Welche Barrieren gilt es zu überwinden? Auf welche Ressourcen kann man zurückgreifen? 

P. S.: Meiner Tochter geht es übrigens gut. Die Tage kam der Gips ab. Beeindruckend, wie rasch Kinder sich selbst um gesundheitliche Belange kümmern können: an die Medikamenteneinnahme denken, im Spital den Weg zur Röntgenabteilung finden oder Coping-Strategien entwickeln, weil der Alltag eingeschränkt ist. Der Wille und die Motivation zu eigenverantwortlichem Handeln ist da – man muss dem nur Raum geben (können)…


Lesenswert zu Koproduktion

Ahmad, N., Ellins, J., Krelle, H., & Lawrie, M. (2014). Person-centred care: from ideas to action. London: Health Foundation. (Zugriff: Dezember 2014)
Befunde zu ‘shared decision making’ bzw. Selbstmanagementförderung und wie diese zu patientenzentrierter Versorgung und Koproduktion beitragen. Nützlich: Analyse der Evidenz und ‘lessons learned’ aus der Implementation diverser Programme.

Göpel, E. (2010). Nachhaltige Gesundheitsförderung. Gesundheit gemeinsam gestalten, Bd. 4. Frankfurt/Main: Mabuse Verlag.
Ein Überblick über Konzepte und Strategien der Gesundheitsförderung ausgerichtet an der Ottawa-Charta der Weltgesundheitsorganisation WHO. 

Gesundheit? Zentral!

Kickbusch, I., & Hartung, S. (2014). Die Gesundheitsgesellschaft. Konzepte für eine gesundheitsförderliche Politik (2., vollst. überarb. Aufl.). Bern: Huber.
Neu aufgelegte, umfassende Analyse, was Gesundheit beeinflusst und wo bzw. wie sie in den Lebenswelten unseres modernen Alltags gefördert werden kann. Zentral: Gesundheit verstanden als Emanzipation und Empowerment.

Loeffler, E., Power, G., Bovaird, T., & Hine-Hughes, F. (2013). Co-Production of Health and Wellbeing in Scotland. Birmingham: Governance International. (Zugriff: Dezember 2014)
Konzeptionelle Überlegungen, ‘good practice’-Beispiele und Umsetzungsstrategien aus Schottland und Schweden, die Koproduktion von Gesundheit ermöglichen – vom klinischen Setting über die Gesundheitspolitik bis in den sozialen Bereich.

Spencer, M., Dineen, R., & Phillips, A. (2013). Co-producing services – Co-creating health. Cardiff. (Zugriff: April 2015)
Ein ‘action guide’ aus dem UK, der via Koproduktion auf Verbesserung von Qualität und Sicherheit im Gesundheitswesen abzielt. Viele Fallstudien mit Beispielen aus der Praxis!


Die Careum Stiftung misst der Patientenbeteiligung und -kompetenz hohe Bedeutung bei. Daher befasst sich ein Kompetenzzentrum mit dem Themenfeld der Koproduktion, das der Leitmaxime folgt, die Gesundheitswelt mit Patientenbeteiligung und -kompetenz neu zu denken. Das Kompetenzzentrum ist bei Careum Forschung angesiedelt, dem Forschungsinstitut der Kalaidos Fachhochschule Gesundheit. >> demnächst mehr in diesem Blog oder auf der Webseite von Careum Forschung.

 

Joerg Haslbeck

Dr. Jörg Haslbeck, MSc, Pflege- und Gesundheitswissenschaftler, ist für Careum Forschung tätig und Postdoc am Institut für Pflegewissenschaft, Universität Basel. Sein Interesse: Empowerment, Selbstmanagementförderung bei chronischer Krankheit und Gesundheitskompetenz.

13 thoughts on “Gesundheit gemeinsam gestalten: Co-creating health

  • 2015-01-05 at 10:54
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    Lieber Jörg

    Ganz herzlichen Dank für diesen Beitrag. Hat mich doch gleich an meinen Achillessehenriss und den damit gemachten Erfahrungen erinnert:

    Tatsache ist, dass ich mich über die Behandlung nach dem Unfall nicht beklagen kann. Die OP ist gut verlaufen und meine Fragen wurden kompetent beantwortet. Das Pflegepersonal hat sich auch immer Zeit genommen neu auftretende Probleme zu lösen.

    Auch bei den Ärzten hatte ich den Eindruck, sie gehen auf meine Fragen ein. Naja fast immer – manchmal fehlte offensichtlich die Zeit – und in einem Fall waren meine Fragen wohl ein Schock “WAAAS! Die Patientin hat eine Liste mit Fragen vorbereitet?” Da habe ich bei Careum Patientenbildung wohl etwas gelernt, was sich manche Mediziner nicht gewohnt sind :-).

    Was schon eher problematisch ist, ist die Tatsache, dass ich in den letzten 8 Wochen insgesamt 11 Ärzte gesehen habe – davon keinen zweimal! Das macht die konstruktive Koproduktion eher schwierig.

    Gottseidank gibt es aber die integrierende Funktion meiner Physiotherapeutin, die mit mir zusammen an der Wiederherstellung meines Fusses arbeitet – ein tolle Beispiel für Koproduktion. Ich weiss immer was ich selber tun kann und habe bei Fragen einen Ansprechpartner, der mehr als nur medizinische Wissen einbringen kann. Insofern möchte ich an dieser Stelle der Funktion von Fachpersonen in der Reha ein grosses Kränzchen winden. Gerade bei langwierigen Prozessen wird’s ohne diese schwer, im Heilungsprozess nicht die Geduld bzw. die Hoffnung zu verlieren.

    Carola Fischer, Careum Stiftung

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    • 2015-01-05 at 20:29
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      Liebe Carola,

      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar und Erfahrungsbericht! Solch’ positiven Erfahrungen im Gesundheitswesen sind angesichts der oft anzutreffenden Kritik wichtig, weil sie schlussendlich Zeichen für die Zufriedenheit vieler erwachsener Personen in der Schweiz mit der hiesigen Versorgungssituation ist.

      Du schreibst davon, dass es eher problematisch ist, in kurzer Zeit mit vielen Fachpersonen Kontakt zu haben, was eine konstruktive Koproduktion erschweren würde. Damit sprichst du einen zentralen Punkt rund um Koproduktion an. Meines Erachtens sind solche Erfahrungen Zeichen dafür, dass das System nach wie vor professions- und organisationsbezogen “tickt”. Würde es dagegen patientenzentriert ausgerichtet sein (also auch mit Blick auf die Vergütung von Zeit für Beratung und Dialog), dann dürfte – genauer gesagt: müsste – sich die Anzahl an Kontakten, die man als erkrankte Person und/oder Angehöriger hat, deutlich reduzieren.

      Positiver «Nebeneffekt»: Man legt als Fachperson die krankheitsbezogene Brille ab und setzt eine personenbezogene auf… So was taucht übrigens in diversen Berichten zu ‘co-creating health’ im Umlauf sind.

      Noch etwas zu deinem positiven Feedback für Fachpersonen im Gesundheitswesen: Das geht uns in der Hausarztversorgung meiner Tochter übrigens genauso, hier werden wir super begleitet und haben jederzeit ein feste Ansprechperson (ein “medical home”), die unterstützt und begleitet. Bei solch akuten temporären Ereignissen wie einem gebrochenen Ellenbogen ist das zeitlich gut machbar – aber wie sieht es bei komplexen Krankheitsverläufen und Multimorbidität aus (also insbesondere im Alter), wo es eben unabdingbar ist, genau diese Kontinuität und konstanten Ansprechstrukturen zu haben?

      Schönen Abend, Jörg

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  • 2015-01-05 at 15:20
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    Lieber Jörg
    Dein Blog Beitrag kommt genau richtig für den Beginn des neuen Semesters im Studiengang MSc in Nursing an der Kalaidos FH Gesundheit. Am kommenden Donnerstag werden wir u.a. das Thema Koproduktion aufgreifen. Dein Beispiel und dasjenige von Carola Fischer zeigen, dass es wohl noch einige Innovationen braucht, um die Health Professionals auf Patient/innen wie von euch beschrieben vorzubereiten – und dies sowohl im Akutspital als auch ausserhalb.

    Die Studierenden werden für ihre Betriebe ein Produkt oder eine Serviceleistung entwickeln, die für Patient/innen v.a. mit lang dauernden Gesundheitsbeeinträchtigungen nützlich ist. Das ist ja bei euch beiden zum Glück nicht der Fall. Wie wichtig z.B. die Versorgungskoordination ist (oder besser: wäre), wird bei Carola Fischer in ihrer akuten und recht kurzen Situation deutlich, wenn sie bereits in dieser Phase ein Dutzend Ärzte und Ärztinnen gesehen hat! Hier ist einiges Sparpotenzial zu vermuten, das Stefan Spycher, Vizedirektor BAG, im Rahmen einer Präsentation zu Gesundheit 2020 angesprochen hat.

    Mit Sparen meine ich auch den Zeitaufwand für Patient/innen oder ihre Angehörigen. Wie können sie z.B. produktiv berufstätig sein, wenn sie so viel Zeit in die Organisation ihrer Genesung investieren müssen, wenn die Health Professionals die Versorgungskoordination zu wenig effizient hinkriegen?

    Hier erwarte ich von den MScN Studierenden nicht nur innovative Produkte und Serviceleistungen, sondern wir arbeiten auch daran, wie sie einen langen Atem und interprofessionellen Rückhalt im Betrieb entwickeln können, um den Wandel hin zu einer patienten- und angehörigenfreundlichen Gesundheitsversorgung zu meistern.

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    • 2015-01-05 at 17:52
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      Liebe Iren

      Da bin ich gespannt auf die Ideen.

      Nur schon als Patientin (und Betriebswirtschafterin) sind mir im Prozess verschiedene Optimierungsideen für Abläufe und Kommunikation gekommen. Aber das sind Aussensichten auf Organisationsabläufe, deren Hintergründe ich nicht im Detail kenne.

      Aber in meiner Branche zählt man auf genau solche Einblicke, um sich vor Betriebsblindheit zu schützen und den Kundennutzen konsequent zu verbessern.

      Die Standardfragebogen, wie sie auch Spitäler verschicken, sind dabei nur bedingt hilfreich, werden sie doch zumeist von “Betriebs- und Fachblinden” erstellt und ausgewertet.

      Kreative Ansätze aus Kommunikations- und Marketing- sowie HR – und Prozessmanagementforschung könnten ggf. neue Perspektiven eröffnen und weiterhelfen…

      Carola Fischer, Careum

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    • 2015-01-05 at 20:47
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      Liebe Iren,

      vielen Dank für deine Gedanken und die konkreten Hinweise, wie gegenwärtig bei der Ausbildung von Fachpersonen bereits auf Koproduktion hingearbeitet wird.
      Ich bin da ganz deiner Meinung, dass Versorgungskoordination hier gefragt ist. Und was die Erwartungen an Studierende in Bezug auf “langen Atem” und unterprofessionellen Rückhalt angeht, von dem du schreibst – hier liegt m. E. der Schlüssel in der Förderung von Kompetenzen (zukünftiger) Fachpersonen, diesen Rückhalt und diese Ausdauer zu haben. Im UK heisst es hierzu in Zusammenhang mit co-creating health bspw.: “motivating, supporting and training health professionals for a collaborative approach”.

      Was wird hier konkret unternommen, um Kompetenzen bei Fachpersonen zu fördern? Und braucht es dann nicht weiteres Umdenken? Also im System erstmal Ressourcen und Mittel zur Verfügung zu stellen (zu investieren), damit patientenzentrierte Versorgung verwirklicht wird, die dann die von dir erwähnten und erhofften Sparpotenziale freisetzen kann?

      Schönen Abend, Jörg

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      • 2015-01-06 at 07:25
        Permalink

        Liebe Iren,

        ich muss hier noch etwas nachreichen. Bin eben auf einen interessanten Text aufmerksam gemacht worden.

        Die These, dass Beratung, Information und Begleitung Zeit- und Ressourcenintensiv sind, ist relativ. Empowerment kann auch innerhalb von fünf Minuten stattfinden, wie dieses ‘narrative’ in einem NYTI-Artikel zeigt.

        Zuhören ist hier halt gefragt – und das braucht die von dir erwähnte Geduld und Ausdauer als Fachperson, oder?

        Beste Grüsse, Jörg

        Reply
        • 2015-01-07 at 13:59
          Permalink

          Ja, zuhören ist sicher gefragt. Und ich stelle auch fest, dass v.a. im MScN Studium die Auseinandersetzung mit und Durchführung von qualitativer Forschung bei den Studierenden eine grosse Wirkung hat. Sie realisieren, dass sie viele Vorannahmen haben, die sie selten überdenken im hektischen Berufs- und Familienalltag. Dadurch wird die Sicht von Patient/Patientin oder Angehörigen trotz täglichen Begegnungen mit Patient/innen von betrieblichen Prozessen überlagert.

          Zudem sind die Spitalmauern doch sehr dick, d. h. das wirkliche Patienten-Leben ausserhalb des Spitals wird dann eben erst in der Durchführung oder Analyse von qualitativen Interviews und rekonstruktiven Analysemethoden in neuem Licht ersichtlich. Das erleben die Studierenden als grosse Bereicherung, gerade wenn sie bereits mehrere Jahrzehnte Berufserfahrung haben und realisieren, dass sie immer noch Aha-Erlebnisse haben können, wenn sie eben mit der Forschungsbrille auf ihre berufliche Tätigkeit blicken. Kurzum: Sie lernen ihre eigene berufliche Tätigkeit patientenzentrierter kennen dank qualitativer Forschung!

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  • 2015-01-28 at 07:19
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    Lieber Jörg,

    leider wird Ko-Produktion in der Ausbildung kaum vermittelt und bleibt nachrangig.

    Eine Studie aus der diesbezüglich fortschrittlichen schwedischen Bildungslandschaft mit gut funktionierenden Clinical Training Wards zeigt die Ambivalenz und die Präferenzen der Studierenden:

    “…Two main themes emerged describing different quality improvement areas, identified by students: Staff-related issues in the organization of daily work and patient-related issues. One third of the projects focused on improving health care, primary related to patients´ needs. The rest of the projects mainly focused on improving the work environment for the staff. ”

    Die Autorinnen aus dem Zentrum für klinische Ausbildung der Universität Linköping halten denn auch unmissverständlich fest, dass ein Kulturwandel und ein Wandel im Denken über die eigene professionelle Rolle hinaus notwendig ist: “In order to achieve better patient outcome, quality improvement work needs to start from the patient perspective” – und meinen, dass die Regulatoren dies auch dezidiert einfordern müssten.

    Beste Grüsse, Beat

    —-

    Annika Lindh Falk, Pia Tingström, Johanna Dahlberg, E. Berglund
    (Linköping University, Sweden)
    Quality improvement project – an IP matter between university students and the county council
    Presented at 4th European Conference on Interprofessional Practice & Education Ljubljana 2013

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  • 2015-12-27 at 05:02
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    Als Masseur aus Bern finde ich deine Artikel sehr interessant.

    Ich denke auch, dass Kommunikation das Wichtigste ist. Ebenfalls muss ich die Kontakte gut pflegen.

    Durch Koproduktion konnte ich mein Wissen erweitern und alles andere kam von alleine.

    Reply
    • 2016-01-03 at 11:25
      Permalink

      Hallo Patrik,

      herzlichen Dank für den Kommentar! Freut mich sehr, zu lesen, dass die Impulse aus dem Careum Blog relevant für die Versorgungspraxis sind. Und bestätigt wird, dass «Kommunikation das Wichtigste ist», wie du es aufgegriffen hast.

      Mich würde interessieren, wie Koproduktion in deinem Alltag konkret funktioniert – vielleicht kannst oder willst du dazu noch ein paar Gedanken einbringen?! Das ist für andere Leser/innen sicher interessant.

      Denn es ist sehr ermutigend zu lesen, dass mit einem ko-produktiven Ansatz «Wissen erweitert» werden kann…

      Beste Grüsse, Jörg

      Reply

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