Gesundheitskompetenz: Die Fakten

Gesundheitskompetenz wird immer bedeutsamer. Sie zu fördern ist relevant. Deswegen hat 2013 das Regionalbüro für Europa der Weltgesundheitsorganisation WHO den Grundlagenbericht «Health Literacy. The Solid Facts» veröffentlicht.

Diese Fakten liegen nun erstmals auf Deutsch vor (PDF, 2.2 MB) – gemeinsam umgesetzt vom AOK Bundesverband (Deutschland), der Careum Stiftung (Schweiz) und dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger. Das Wichtigste im Überblick.

Gesundheitskompetenz ist zentral für gesundheitsförderndes Verhalten. Und Gesundheitskompetenz ist erklärtes Ziel in der Gesundheitspolitik. Beispiele: Prioritäten des Schweizer Bundesrats («Gesundheit2020») und Rahmengesundheitsziele in Österreich.

Gesundheitskompetenz – was ist das?

Gesundheitskompetenz gilt als Fähigkeit, im Alltag so zu entscheiden, dass es sich positiv auf die Gesundheit auswirkt. Wissen, Motivation und Können sind gefragt, um gesundheitsbewusst zu handeln. Und zwar bei einzelnen Personen, bestimmten Gruppen oder der ganzen Bevölkerung. Es geht darum, in Gesundheitsfragen entscheiden und es in die Tat umsetzen zu können. Was es dazu braucht? Motiviert und fähig sein, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und dann zu handeln!

Mehr erfahrenGesundheitskompetenz messen, definieren und fördern, seine Relevanz für Public Health und das literatur-gestützte Modell des European Health Literacy Survey (PDF, 400 kB).

«Man wird nicht als Patient geboren…»

Expertinnen und Experten haben sich am Careum Congress 2014 geäussert. Gesundheitskompetenz ist wichtig, damit sich die Bevölkerung mehr beteiligt und engagiert, wenn es um Gesundheitsthemen geht: Im Alltag, in der Freizeit, am Arbeitsplatz oder bei politischen Entscheidungen. ==> Mehr in diesem Video erfahren!

«Gesundheitswissen findet zuhause statt», Pascal Strupler vom Bundesamt für Gesundheit (CH)

 

Gesundheitskompetenz: Fakten auf Deutsch

2011 wurde in Europa die erste länderübergreifende Vergleichsstudie zu Gesundheitskompetenz durchgeführt: der HLS-EU. Seine umfangreichen Befunde sind der Dreh- und Angelpunkt der WHO Solid Facts zu Health Literacy (2013, PDF, 3.0 MB).

Dieser WHO-Bericht mit Fakten, Beispielen und Ideen für Massnahmen hat die Politik im Bildungs- und Gesundheitssektor der Europäischen Region für Gesundheitskompetenz sensibilisiert. Oder darf man sagen: wachgerüttelt? Ein länderübergreifendes Kooperationsprojekt hat nun den Grundlagenbericht der WHO zu Gesundheitskompetenz zusätzlich auf Deutsch zugänglich gemacht. Ausserdem wurde der Bericht um zentrale Erkenntnisse aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ergänzt.

«Gesundheitskompetenz. Die Fakten» im Überblick

Download WHO-Bericht zu Gesundheitskompetenz auf Deutsch (Hrsg. Kickbusch I, Pelikan J, Haslbeck J et al., 2016, 2.2 MB)

1. Gesundheitskompetenz – warum wichtig?
  • In der europäischen Region weist fast die Hälfte der Bevölkerung unzureichende oder problematische Gesundheitskompetenz auf
  • Ein niedriges Niveau ist weit verbreitet, es variiert sehr zwischen einzelnen Ländern
  • Begrenzte Gesundheitskompetenz wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus
  • Begrenzt gesundheitskompetent sind v. a. Personen mit niedrigem Bildungsstand, ältere Menschen und solche mit Mehrfacherkrankungen
  • Menschen mit Migrationshintergrund schneiden schlechter ab, wenn Gesundheitskompetenz gemessen wird; sie haben schwerer Zugang zur Versorgung
  • Begrenzte Gesundheitskompetenz ist folgenreich für Gesundheitskosten
  • Gesundheitskompetenz zu fördern trägt bei zu Empowerment, gesundheitlicher Chancengerechtigkeit, Therapiemotivation und Prävention von Krankheiten
2. Wie Gesundheitskompetenz fördern?
  • In Forschung investieren – «What gets measured gets done!»
  • Viele Akteure involvieren, vernetzen («Multi-Stakeholder») und ressortübergreifende Interventionen entwickeln
  • Bedingungen schaffen, die Gesundheitskompetenz fördern – z. B. in Städten und Gemeinden, Organisationen, im Bildungs- und Gesundheitsbereich oder der Arbeitswelt
  • Kontextbezogene, leicht verständliche Angebote entwickeln
  • Zielgruppen beteiligen an der Angebotsentwicklung bis hin zur -umsetzung
  • Nicht nur Wissen und Informationen vermitteln, sondern  v. a. Kompetenzen fördern
  • Soziale Online-Netzwerke und partizipatorische Kommunikationsmethoden nutzen
3. Welche Massnahmen – (inter-)national & lokal?
  • Gesundheitskompetenz betrifft den gesamten Staat und  und die ganze Gesellschaft – also nationale und lokale Strategien entwickeln
  • Politik, Fachpersonen, Zivilgesellschaft und Privatsektor – sich gemeinsam einsetzen für Gesundheitskompetenz
  • Der Gesundheitssektor hat eine Schlüsselrolle und Vorbildfunktion, um Gesundheitskompetenz zu fördern
  • (Inter-)national und regional Aktionsplattformen bilden
  • In Aus-/Weiterbildung investieren, z. B. transkulturelle Kompetenzen bei Fachpersonen fördern
  • Und nochmals: in Forschung investieren, um Datengrundlage für politische Massnahmen zu schaffen
4. Befunde aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Neben dem HLS-EU fanden in Deutschland und Österreich nationale und zielgruppenspezifische Erhebungen statt
  • Eine Schweizer Vergleichsstudie ist nahezu fertig, aber die bisherige, eher heterogene Datenlage zeigt ähnliche Tendenzen wie im deutschsprachigen Europa
  • In allen drei Ländern: Gesundheitskompetenz hängt z.B. ab von Bildung, Alter, Geschlecht, ethnischem Hintergrund oder sozialem Status
  • Deutschland – 2 von 3 befragten Versicherten in der gesetzlichen Krankenversicherung sind begrenzt gesundheitskompetent, in der Allgemeinbevölkerung ist es jede 2. Person – besonders betroffen sind hier ältere Menschen mit Migrationshintergrund
  • Österreich – auch hier: die Hälfte der Bevölkerung ist begrenzt gesundheitskompetent, nicht nur bei Minderheiten, und es bestehen beträchtliche regionale und soziale Unterschiede
  • Schweiz – zwischen einem Viertel bis über ein Drittel der in Studien befragten Personen schätzt ihre Gesundheitskompetenz als begrenzt ein und bei Menschen mit Migrationshintergrund sind dies v. a. sozial benachteiligte Gruppen.
Bis hier gelesen? Hintergrundinformationen zu Gesundheitskompetenz bei vulnerablen GruppenBefunde aus Bielefeld (D, PDF, 1.6 MB), eine Schweizer Studie mit Menschen mit Migrationshintergrund und Informationen zu einem laufenden Forschungsvorhaben in Österreich
Angezeigte Folien hier herunterladen (PDF, 402 kB)

Fazit

Mit «Gesundheitskompetenz. Die Fakten» hat die WHO ein drängendes Querschnittsthema aufgegriffen. Der Grundlagenbericht ist ein Plädoyer, in der Europäischen Region konkrete Strategien und Massnahmen zu verwirklichen, um Gesundheitskompetenz zu fördern. Was könn(t)en diese im Gesundheits- und Sozialwesen auslösen? Mehr Chancengerechtigkeit, Empowerment und Selbstmanagementförderung bei chronischer Krankheit, Patientenzentriertheit und -beteiligung bis hin zu gesteigerter Qualität in der Versorgung, um nur einige Beispiele zu nennen.


Was meinen Sie?

Welchen Nutzen hat der WHO-Bericht für die Politik und Praxis im Gesundheits- und Sozialwesen?

Was braucht es, um das Vorhaben «Gesundheitskompetenz fördern» zu verwirklichen?

Ich bin gespannt auf Ihre Beispiele gelungener, zielgruppen- und patientenzentrierter Förderung von Gesundheitskompetenz!


Ausserdem lesenswert

Allianz Gesundheitskompetenz (2016): Gesundheitskompetenz fördern – Ansätze und Impulse. Bern (PDF, 1.3 MB)

Batterham, R. W. et al. (2016): Health literacy: applying current concepts to improve health services and reduce health inequalities. Public Health. doi:10.1016/j.puhe.2016.01.001

Kolpatzik, K. (2014): Lücken beim Gesundheitswissen. Gesundheit & Gesellschaft, 17(7-8), 26–30 (PDF, 2.8 MB)

Kompetenzzentrum Patientenbildung (2016): Machtfaktor Patient. Gesundheit gemeinsam gestalten. Zürich: Careum Stiftung (PDF, 3.2 MB)

National Academies of Sciences Engineering and Medicine. (2015): Health Literacy: Past, Present, and Future: Workshop Summary. Washington, D.C.: National Academies Press.

Pelikan, J. M., & Dietscher, C. (2015): Warum sollten und wie können Krankenhäuser ihre organisationale Gesundheitskompetenz verbessern? Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, 58(9), 989–995. doi:10.1007/s00103-015-2206-6

Pelikan, J. M. (2015). Gesundheitskompetenz – ein vielversprechender Driver für die Gestaltung der Zukunft des össterreichischen Gesundheitssystems. In: Zukunftsmotor Gesundheit. Entwürfe für das Gesundheitssystem von morgen (S. 173–194). Wiesbaden: Springer Gabler.

Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften SAMW, Allianz Gesundheitskompetenz (Hrsg.) (2015): Gesundheitskompetenz in der Schweiz – Stand und Perspektiven (Vol. 10). Bern (PDF, 2.7MB)

Stutz Steiger, T. (2011): Gesundheitskompetenz – ein Thema auch für die Weiterbildung. Education Permanente. Nr. 4: 4-6 (PDF, 608 kB)

Joerg Haslbeck

Dr. Jörg Haslbeck, MSc, Pflege- und Gesundheitswissenschaftler, ist für Careum Forschung tätig und Postdoc am Institut für Pflegewissenschaft, Universität Basel. Sein Interesse: Empowerment, Selbstmanagementförderung bei chronischer Krankheit und Gesundheitskompetenz.

4 thoughts on “Gesundheitskompetenz: Die Fakten

  • 2016-02-22 at 09:39
    Permalink

    Lieber Jörg

    Danke für diesen interessanten Beitrag.

    Für mich ist immer erstaunlich wie sich die Definitionen von Fachausdrücken von einer Sprache in die andere stark ändern.

    Health Literacy wird zu Gesundheitskompetenz. Wenn man das Letztere übersetzt, bekommen wir health competence.
    Aber health competence ist nicht das gleiche wie health literacy. Diese Diskussion hat vor Jahren auch schon in der Sprachausbildung stattgefunden – language competence oder language literacy. Z.B.:

    It might be argued, for example, that the action-orientated competence approach adopted by the Common European Framework is appropriate for language acquisition but too crude for capturing the subtleties of the development of literary awareness. (Seite.2)

    Mike Fleming 2006 – Discussion Paper…Council of Europe https://www.coe.int/t/dg4/linguistic/Source/Fleming-paper.doc

    Fleming und Kollegen würden argumentieren, dass Kompetenz mehr Action orientiert ist als Literacy.

    Gesundheitskompetenz erscheint mir viel enger als Health Literacy. Diesen Eindruck erhalte ich auch beim Lesen der Erklärungen vom Bundesamt für Gesundheit in deren Dokument:

    Bericht “Gesundheitskompetenz – konzeptuelle Einordnung”, ISPM Bern, 200716.03.2007 | 82 kb | PDF

    Wie wird sich dies nun auf die Forschung auswirken.
    Machen solche unterschiedliche Definitionen in den Terminologien (zB. Studien auf Französisch, Englisch und Deutsch) Vergleiche nicht schwierig? Die Definition sind ja wohl kaum vergleichbar?

    Was meinst du Jörg?

    Interesssante Infos vom Bund: Definition Gesundheitskompetenz und Ressourcen

    Reply
    • 2016-02-25 at 14:21
      Permalink

      Vielen Dank für diesen wertvollen und anregenden Kommentar, Urs!

      Dein Hinweis auf einen erkennbaren Unterschied zwischen Gesundheitskompetenz im Deutschen und Health Literacy im Englischen ist absolut nachvollziehbar.

      Du schreibst: «Gesundheitskompetenz erscheint mir viel enger als Health Literacy.»

      Nun, genau dieser Gedankengang bewegt manche Expert/innen dazu, auch in Deutschen Texten den Begriff «Health Literacy» zu nutzen. Kann man tun, aber ich sehe keinen Hinderungsgrund, es nicht auch ins Deutsche zu transferieren. Denn: So oder so ist ein Konzept entsprechend zu definieren, sofern es gemessen werden soll. Beispielsweise macht ein Überblicksartikel von Buchbinder et al. (2011) darauf aufmerksam, dass auch im Englischen Health Literacy unterschiedlich definiert wird und zuweilen eng geführt wird. Daher: ob auf Deutsch oder Englisch – define it, then measure it, when it get’s measured, it get’s done…

      Und die WHO Solid Facts folgen der Definition, die für den HLS-EU erarbeitet wurde – ob im Englischen via «health literacy» oder im Deutschen via «Gesundheitskompetenz». Es gibt btw auch eine russische und chinesische Fassung der Solid Facts zu Health Literacy, aber die habe ich angesichts von Sprachbarrieren nicht prüfen können… 😉

      Vergleichbar sind die Definitionen oft insofern, dass sie alle darauf abheben, ob/wie jemand sich Zugang zu Gesundheitsinformationen verschafft, sie versteht, dann entscheidet und handelt. Bei der HLS-EU-Definition finde ich noch sehr ansprechend, dass auch auf die motivatonale Ebene Bezug genommen wird (siehe HLS-EU-Modell im Folien-Satz des Blogbeitrags).

      Danke auch für die weiterführenden Hinweise zu Gesundheitskompetenz vom Bund, sehr relevant für die Lesenden. Ich bin übrigens daran erinnert worden, auch die 2015 erschienene Ausgabe im Bundesgesundheitsblatt zu «Gesundheitskompetenz» als wichtige Quelle für diesen Blog-Beitrag zu erwähnen (ja, auch dort heisst es Gesundheitskompetenz; allerdings kostenpflichtiges Heft).

      Mich würde deine Einschätzung interessieren, inwieweit das Konzept der Gesundheitskompetenz jenseits der Fachwelt für die Bevölkerung eine erkennbare Relevanz hat/haben wird. Spricht man irgendwann im Alltag darüber, ob/inwieweit jemand gesundheitskompetent gehandelt hat? Wie siehst du das?

      Beste Grüsse, Jörg

      P.S. Fällt mir eben noch auf: Was genau charakterisiert für dich die «Enge» beim Gesundheitskompetenz-Begriff, von der du geschrieben hast?

      Reply
      • 2016-02-29 at 19:11
        Permalink

        Lieber Joerg
        Danke für die Antwort.

        Manchmal ist “health literacy” eng/genau definiert wie z.B. hier vom Centers for Disease Control and Prevention (CDC) welche einfach daher kommt. Doch “the devil is in the detail”, d.h. das CDC bringt dazu viele Beispiele die zeigen, dass die Operationalisierung dieser Definition etwas einfacher machen.

        Die Definition der World Health Organization – WHO ist dagegen wieder sehr generell gehalten. Für mich ist es schwierig aus diesen Angaben zu definieren wie wir dies z.B. messen könnten.

        Du schreibst:

        Mich würde deine Einschätzung interessieren, inwieweit das Konzept der Gesundheitskompetenz jenseits der Fachwelt für die Bevölkerung eine erkennbare Relevanz hat/haben wird. Spricht man irgendwann im Alltag darüber, ob/inwieweit jemand gesundheitskompetent gehandelt hat? Wie siehst du das?

        Meine Antwort ist verbunden mit der oben aufgezeigten Problematik, d.h. die Definitionen sind entweder sehr genau (d.h. komplex) oder aber eher vague (siehe WHO oben).
        Ich habe mir die Mühe gemacht 5 Leute zu fragen, darum auch meine späte Antwort.
        Keiner dieser 5 Leute konnte mir genau sagen was Health Literacy oder Gesundheitskompetenz bedeutet. Sie konnten auch allesamt keine Definition wiedergeben. 5 Leute sind keine repräsentative Stichprobe….. aber es zeigt auf, in der Bevölkerung ist Gesundheitskompetenz nicht gut verankert (Verständnis, usw.).

        3 Dinge machen die Nutzung oder Anwendung im täglichen Leben von Gesundheitskompetenz für Patienten nicht unbedingt einfach:

        1. Was ist Health Literacy?
        2. Wie weiss ich ob ich Gesundheitskompetenz habe oder nicht
        3. Wie setze ich Gesundheitskompetenz ein wenn es um meine Gesundheit geht (z.B. wenn die Ärztin mir Medikamente verschreibt, wie nutze ich meine Gesundheitskompetenz jetzt – Ueberprüfung der Beschreibung der Medikamente?).

        Danke auch für die obigen Hinweise.
        Schönen Abend
        urs

        Reply
  • 2016-06-22 at 14:56
    Permalink

    Einige Kommentare:

    1) Health Literacy (HL) bzw. auch Gesundheitskompetenz (GK) sind zunächst wissenschaftliche Konstrukte in einer sich formierenden scientific community, die daher explizit definiert werden müssen, damit klar ist, was gemeint ist. Ob und in wie weit diese Konzepte von Laien, auch Praktikern und Politikern benutzt und verstanden werden ist eine empirische Frage. Aber zunächst dienen diese abstrakten Konzepte der Verständigung innerhalb der Wissenschaft. Möglicherweise kann man gegenüber Laien auch auf diese Konzepte verzichten und ihnen gegenüber eine viel konkretere Sprache verwenden!

    2) Ob Studien vergleichbar sind, hängt nicht nur von ihren Konzepten und Definitionen ab, sondern letzlich von der Vergleichbarkeit der verwendeten Messinstrumente, die daher genau expliziert werden müssen.

    3) Das Kompetenzkonzept ist sicher viel breiter als das Literacykonzept, denn Literacy bezieht sich relativ eng auf Verwendung von schriftlicher Sprache (lesen und schreiben) und auf Numeracy (rechnen).
    Das inzwischen evolutionär entstandene umfassendere Health Literacy Konzept (z.B. von HLS-EU), beinhaltet nicht nur verstehen, sondern auch finden, beurteilen und anwenden von gesundheitsrelevanten Informationen. Das würde deshalb auch im Englischen besser Health Competence heissen, aber es ist nicht opportun, den eingeführten Begriff Health Literacy zu verlassen.

    Da das im Deutschen nicht so ist, haben wir den Vorteil, dass der Begriff Gesundheitskompetenz besser den erweiterten aktuellen Inhalt repräsentiert.

    4) Wie immer, wenn sich Systeme ausgrenzen, entsteht in diesen die Möglichkeit für interne Ausdifferenzierung.

    Das erleben wir derzeit auch in Bezug auf HL / GK, mit einer Fülle von spezifischen HL / GK, z.B. Medikamente HL / GK. Das macht im praktischen Leben auch Sinn, wo es nicht darum geht die Verteilungen oder Assoziationen von abstrakten theoretischen Konzepten zu untersuchen.

    Reply

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