Empowerment durch Musik

Musik bringt Freude, sie kann beruhigen, trösten und stärken. Vor allem in Zeiten, wenn wir Unterstützung brauchen, wie z.B. bei einer Frühgeburt.
Gastautorin Friederike Haslbeck schildert, wie Musik frühgeborenen Kindern hilft, sich zu entspannen und ihre Eltern zu empowern.

 «Wenn es einem die Stimme verschlägt…»

Der Hörsinn ist einer der ersten Sinne, der im Mutterleib entwickelt wird. Die Stimme der Mutter und ihr Herzschlag spenden Geborgenheit und Rhythmus. Das prägt und fördert die (Gehirn-)Entwicklung.

Bei einer Frühgeburt wird diese Klangwelt durch eine intensivmedizinische Umgebung ersetzt. Mutter und Kind werden zu früh voneinander getrennt.

Kabel und Schläuche behindern, eine tragfähige Beziehung aufzubauen. Das ist für die zu früh geborenen Kinder als auch ihre «zu früh gewordenen» Eltern ein Trauma. Nicht selten macht es die Eltern handlungsunfähig. Und es verschlägt ihnen die Stimme.

Musik als Therapie in der Neonatologie

Musiktherapie kann helfen, die genannten Probleme zu bewältigen. Musik unterstützt Frühgeborene

  • sich zu entspannen
  • sich zu stabilisieren
  • sich selbst zu regulieren
  • ruhiger und regelmässiger zu atmen
  • tiefer und länger zu schlafen
  • sich zu orientieren
  • besser wahrzunehmen
  • Kontakt zu erleben
Empowerment durch Musik für Frühgeborene verdeutlichen zahlreiche Untersuchungen ==> z. B. Haslbeck (2012), Malloch et al. (2012), Loewy et al.(2013, PDF, 3.7 MB) oder Standley (2012).

Randomisiert-kontrollierte Studie der Neonatologie des UniversitätsSpitals Zürich: die Wirkung von Musiktherapie auf die Gehirnentwicklung von Frühgeborenen untersuchen ==> mehr erfahren!

Dies gelingt nur, wenn sich Musik individuell an den Bedürfnissen der Kinder orientiert. Wichtig: Kinder nicht überreizen!

Wie? Ganz einfach: live und interaktiv für frühgeborene Kinder singen oder summen.

Dann kann der Gesang stets an die Befindlichkeiten und Rhythmen der Kinder angepasst werden.

Hörenswert – Klang-Beispiel aus der Schöpferischen Musiktherapie mit Frühgeborenen ==> «Musik als Frühstart ins Leben» (PDF, 90kB)

Mit Musik Eltern einbinden und stärken

Welche Stimme ist die Wichtigste? Die Stimme der Mutter und des Vaters natürlich. Diese Stimmen kennt das Kind aus der Schwangerschaft.

Daher richtet sich Musiktherapie nicht nur an die Kinder, sondern immer auch an die Eltern. Also ihre musikalischen Vorlieben und ihren kulturellen Hintergrund. In den USA gilt das als «song of kin» (Loewy, 2015).

Oft wird Musiktherapie für Eltern und Kind gemeinsam angeboten. Beide sollen entlastet und Stress abgebaut werden. Beispielsweise beim Känguruen. Dann liegen Frühgeborene bei ihren Eltern auf der Brust. Und diese beginnen oft selbst für ihr Kind zu summen (Shoemark/Arnup 2014).

Die Kinder können ihre Eltern dann nicht nur fühlen und riechen, sondern auch hören. Und die Eltern finden einen neuen Raum der Begegnung und Ruhe inmitten der High-Tech-Versorgung.

Musik vermag Eltern frühgeborener Kinder zu unterstützen, zu entspannen, Ängste abzubauen, Wohlbefinden zu steigern sowie eine Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen und zu gestalten.

«Ich merke halt, wenn ich mich selbst entspannen kann, dann kann ich mit Hilfe des Singens noch mehr zu ihr kommen, noch mehr zu ihr finden, noch näher zu ihr finden.» Mutter einer Frühgeborenen

Sehenswert – Musiktherapie am Inselspital Bern, z. B. beim Känguruen:

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Koproduktion und Empowerment mit Musik

Eltern werden durch ihr musikalisches Schaffen auf der Neonatologie zu Koproduzenten von Gesundheit ihres Kindes und ihres eigenen Wohls. Sie sind in der Musiktherapie sowohl «Konsument als auch Produzent» – ein wesentliches Merkmal von Koproduktion.

Im Sinne von Patient Empowerments soll zwar Wissen vermittelt, vor allem aber zum eigenen Handeln motiviert werden. Im therapeutischen Prozess empowert Musik Eltern und Kinder durch responsive und feinfühlige Interaktion.

Übrigens: Nicht nur Eltern und Kinder profitieren von diesem Angebot – auch das Team der neonatologischen Intensivstation wird durch Musiktherapie entlastet und unterstützt. Und das Gesundheitssystem kann von verkürzten Spitalaufenthalten profitieren, wie einige Studien zeigen ==> Mehr erfahren in Haslbeck (2012).


Ihre Meinung?

Ihre Erfahrungen mit Musik in Zusammenhang mit Gesundheit und Krankheit? Und für (frühgeborene) Kinder und ihre Eltern?

Welchen Mehrwert sehen Sie in Musiktherapie für Fachpersonen im Gesundheits- und Sozialsystem? Und wie kann das Gesundheitswesen von so einem Ansatz profitieren?

Mehr erfahren

____Schöpferische Musiktherapie in der Neonatologie gibt es in der Schweiz z. B. am UniversitätsSpital Zürich und Inselspital Bern. Das USZ bietet bspw. einen monatlichen Elternabend an.

____Weitere Informationen zu Musik als Therapie beim Schweizer Fachverband für Musiktherapie SFMT

____Übersicht über Musiktherapie in deutschsprachigen Neonatologien bei der Deutschen Musiktherapeutischen Gesellschaft DMTG

____Spannendes Liederprojekt mit vielen Anregungen für Lieder, die Eltern mit ihren frühgeborenen Kindern singen können

____Weitere Informationen für zu früh gewordene Eltern gibt es beim Bundesverband «Das frühgeborene Kind»

Friederike Haslbeck

Dr. rer. medic. Friederike Haslbeck, SFMT, DGMT, NICU-MT, ist klinische Musiktherapeutin und als wissenschaftliche Mitarbeiterin am UniversitätsSpital Zürich sowie Inselspital Bern in der Neonatologie tätig. Sie ist Dozentin an der Zürcher Hochschule der Künste sowie am Freien Musikzentrum in München.

10 thoughts on “Empowerment durch Musik

  • 2016-01-12 at 20:22
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    Wir selbst hatten bereits vor 9 Jahren das Glück in Deutschland, die Musiktherapie für unsere Tochter durch Frau Haslbeck zu erhalten. Unsere Tochter wurde in der 27.SSW mit einem Gewicht von 985g geboren. Ihre Zwillingsschwester verstarb kurz vor der Geburt. Sie hatte einen sehr schweren Start ins Leben mit Gehirnblutungen, Atemnotsyndrom, zahlreichen Infektionen…um so wichtiger war es für uns, die Musiktherapie als Medium für unsere Tochter zu nutzen, um ihren schweren Start ins Leben mit allen uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu entstressen und zu begleiten.

    Die Musiktherapie, und das eigene Singen für unsere Tochter, zuerst nur auf verschiedenen Grundtönen und eher ein Summen, doch dann später auch das Singen kleiner einfacher Lieder half uns wunderbar zu entspannen, und somit auch unsere Tochter zu entspannen. Sie wurde wesentlich ruhiger und durch diese Methode gelang es uns auch, eine intensive Beziehung zu ihr aufzubauen. Frau Haslbeck unterstützte uns dabei sehr, leitete uns an und gab uns zahlreiche Tipps, die wir sehr gut für uns umsetzen konnten. Selbst nach ihrer Entlassung forderte unsere Tochter zuhause immer wieder das Singen zum Einschlafen, Trösten, etc ein.

    Aber was ist der Stand heute nach 9 Jahren? Inwieweit hat die Musiktherapie etwas bewegt? Es ist heute ein kleines, großes Wunder, dass sich unsere Tochter so toll entwickelt hat. Sie ist ein sehr fröhliches, aufgewecktes Mädchen und besucht die dritte Klasse einer Regelschule. Sie ist sehr ehrgeizig, tanzt sehr gerne Ballett und spielt Flöte und Klavier. Sie singt sehr gerne und verfügt über eine große Merkfähigkeit, grade von Liedtexten, was mit Sicherheit auch eine Folgeerscheinung der Musiktherapie ist. So spielt die Musik und der künstlerisch-ästhetische Bereich nach wie vor eine große Rolle in ihrem und unserem Leben. Sie entspannt sehr gerne mit klassischer Musik und schläft am liebsten abends zu ihr ein. Mit Sicherheit ist ein großer Teil dieser tollen Entwicklung auch auf die Musiktherapie zurück zu führen.

    Unserer Meinung nach, sollte sie zum festen Bestandteil zur Behandlung von Frühgeborenen werden, gerade auch zum Bindungsaufbau ist sie unerlässlich. Der Mehrwert ist nicht nur für die Eltern zu verspüren, sondern auch für das gesamte Fachpersonal. Wenn die Kinder entspannter sind, schlafen sie besser, und sie erholen sich viel schneller von den Strapazen ihrer Frühgeburt. Dadurch erholen sich auch ihre Eltern und Geschwister schneller. Auch ihr Immunsystem stabilisiert sich, sie wären somit weniger Infekt anfällig und die Liegezeiten würden verkürzt werden.

    Und letztendlich darf die Funktion von Musik zum Trösten, Beruhigen und Stärken nicht vergessen werden. Musik macht einfach glücklicher und bringt viel Freude in ein Leben.

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    • 2016-01-14 at 20:25
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      Liebe Melanie Wübben,
      vielen herzlichen Dank für diesen umfangreichen, detaillierten und sehr persönlichen Kommentar! Vielen Dank für Ihre Offenheit und Transparenz.

      Es berührt und freut mich sehr, über die gute Entwicklung Ihrer Tochter und der Freude an der Musik zu lesen. Interessant finde ich vor allen Dingen, dass Ihre Tochter am Liebsten zu klassischer Musik einschläft. Ob das wohl daran liegt, dass sie sich von Anfang an so gut zu Musik entspannen konnte? Hat Sie diese musikalische Erfahrung geprägt?

      In der Literatur wird ja immer wieder darauf hingewiesen, dass unsere persönlichen Hörerfahrungen unser “musikalisches Gedächtnis” prägen und wir dementsprechend reagieren bzw. Präferenzen entwickeln.

      Bemerkenswert ist, wie sie Ihre Tochter kontinuierlich in Ihrer Entwicklung musikalisch gefördert haben und sie weiterhin fördern. Das würde ich mir für viele Kinder wünschen. Und ganz genau, vor allen Dingen die grosse Freude, die Musik mit sich bringt, ist so wertvoll.

      Viele Grüsse, Friederike Haslbeck

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  • 2016-01-13 at 14:47
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    Liebe Friederike,

    das hört sich ja richtig spannend an. Und das Tolle ist meiner Meinung nach auch, dass Musik als Therapie eine sehr einfache, kostengünstige und praktikable Methode zur Gesundheitsförderung darstellt.

    Was mich noch interessieren würde: Du berichtest einerseits von Effekten durch “künstlich” erzeugte Musik durch Instrumente und andererseits von Gesang und Summen, also “natürlich” erzeugten Tönen (ich nehme an, es gibt einen ordentlichen Fachbegriff dafür).

    Soweit mein Laienwissen reicht, liegen Frauenstimmen in einer wesentlich höheren Frequenz und sind viel komplexer als die tiefen Männerstimmen. An der Universität in Sheffield wurde nachgewiesen, dass zumindest männliche Gehirne abhängig davon, ob es eine männliche oder weibliche Stimme ist, unterschiedlich stimuliert werden. Der Autor führt aus, dass Menschen dann anhand der Klanginformationen versuchen, sich ein Bild von dem Menschen zu machen (also z.B. Größe, Geschlecht, etc.).

    Mal abgesehen davon, dass es jetzt interessant wäre zu wissen, ob das nur bei Menschen geht, die bereits Daten sammeln konnten (das ist ja bei einem Frühgeborenen vermutlich eher nicht der Fall), würde mich interessieren, ob das “Geschlecht der Stimme” (abhängig vom Geschlecht des Kindes (?) unterschiedliche Effekte erzielt.

    Um meine Gedanken noch einmal an einem Beispiel darzulegen:

    Wenn ich Sport treibe, also stärker stimuliert werden will, dann höre ich eher schnelle “Hochfrequenzmusik”.

    Wenn ich mich hingegen eher entspannen möchte, dann ruhigere, tiefere Klänge.

    Analog könnte ich mir dann also vorstellen, dass tiefe Männerstimmen eher beruhigend wirken als hohe Frauenstimmen (die dann eher stimulieren?) Oder kann das durch die Art des Summens oder Gesangs so gut reguliert werden, dass der Effekt dann vernachlässigbar ist?

    Außerdem könnte es ja auch sein, dass Frühgeborene je nach Geschlecht auf die Stimme eines spezifischen Geschlechts stärker reagieren und sich dadurch die Bindung entsprechend festigt?

    Ich bin gespannt auf deine Antwort und freue mich, wenn du den ein oder anderen von mir kreierten Neologismus durch einen etablierten Fachbegriff ersetzt.

    Viele Grüße,

    Urs

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    • 2016-01-14 at 20:34
      Permalink

      Lieber Urs,
      vielen Dank für den ausführlichen und reflektierten Kommentar. Das sind sehr spannende Fragen!

      Dich interessiert: Wirken männliche Stimmen anders auf Frühgeborene als weibliche Stimmen?

      Bezogen auf Frühgeborene ist mir dazu nur eine Studie von Coleman et al. (1997) bekannt, dort wurde kein Unterschied nachgewiesen. Und schliesslich sollte ja die Mutter, auch wenn sie z. B. eine hohe Stimme hat, ihr Kind gut beruhigen können…

      Sedativ – also beruhigend – wirken vor allem ruhige, lange Töne, die wiederholt werden und in sich immer langsamer und leiser werden. So auch absteigende Melodien, die zum Grundton führen. Quasi, wie ein Ausfaden der Musik. Untersuchungen zeigen, dass dies therapeutisch genutzt werden kann, um Kindern aber auch Erwachsenen zu helfen sich zu entspannen.

      Ob das Geschlecht des Kindes einen Einfluss auf die Präferenz der Stimme hat, wage ich in dem Alter zu bezweifeln. Schliesslich hören wir unabhängig vom Geschlecht im Mutterleib die gleichen Klänge, vor allen Dingen die Mutterstimme. Ein Unterschied bezüglich des Geschlechtes bei Frühgeborenen ist allerdings bekannt: Frühgeborene Mädchen haben allgemein bessere Überlebenschancen als frühgeborene Jungen.

      Viele Grüsse, Friederike

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  • 2016-01-13 at 19:46
    Permalink

    Liebe Friederike,

    wie immer sehr ergreifend, deine Worte und vor allem die Videobeiträge in deinem Artikel.

    Für mich ist das Singen mit Kindern in jeder Phase des Lebens etwas sehr Inniges, ist doch die Stimme eines Jeden nur die ganz “eigene”. Und dieses Eigene, mit all den Gefühlen und Stimmungen die man hat, wird beim Singen an den anderen “rangetragen”. Auf eine sehr zarte und umhüllende Weise.

    Umso logischer ist es für mich, dass diese Kleinsten aller Kleinen einen umhüllenden Raum brauchen, der von Gefühlen aber vor allem von Beziehung geprägt ist. Und die Eltern brauchen dies sicher auch.

    Du machst so schöne Arbeit! Wunderbar.
    Liebe Grüße, Isa

    Reply
    • 2016-01-14 at 20:38
      Permalink

      Liebe Isa,

      vielen herzlichen Dank für deinen persönlichen Kommentar!

      Sehr schön und treffend finde ich, dass Du schreibst, dass das Singen mit Kindern stets etwas sehr Inniges, Eigenes und Einzigartiges hat. Schliesslich ist die Stimme ja auch das persönlichste und intimste Instrument, das wir haben. Nicht umsonst kommen einem insbesondere in der Oper schnell die Tränen. Die Stimme ist der Spiegel unserer Seele.

      Und das Schönste ist, dass es kleinen Kindern noch völlig egal ist, ob die Stimme schief, sauber, hell oder dunkel erklingt. Hauptsache das Singen ist zugewandt, „echt“ und von Mama und Papa oder anderen geliebten Personen.

      Viele Grüsse, Friederike

      Reply
  • 2016-01-14 at 20:03
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    Liebe Friederike,
    Wenn ich nur an eine Therapie heute in der Klinik denke, wo ich für Zwillinge und ihre Eltern Musiktherapie anbieten durfte, kann ich deine Aussagen hier im Blog voll und ganz unterstreichen. Die Mutter summte schon bei der ersten Intervention sofort für ihre Söhne mit und überzeugte daraufhin sogar den Vater und die Söhne reagieren sofort darauf. Immer wieder instabile Sauerstoffsättigungswerte stabilisieren sich sofort sobald ein Summen und die Stimme der Mutter hörbar wird für sie. Das überwältigt mich immer wieder.

    Natürlich ist dies nicht immer so, aber großteils und für mich als Musiktherapeutin immer wieder wie ein großes Wunder. Da bestätigt sich für mich, wie wichtig die Stimmen der vertrauten Personen in dieser Situation von fremden, lauten, piepsenden Intensivgeräuschen sind.

    Eine andere Mutter beschrieb es auch immer wieder sehr schön, dass die Musiktherapie ihr immer wieder das Gefühl geschenkt habe, mit ihrem Sohn eins zu sein – so wie in der Schwangerschaft, die jedoch viel zu kurz war, um dies auch wirklich spüren und genießen zu können, denn als sie ihren Sohn erst richtig zu spüren begonnen hat, war es auch plötzlich schon wieder vorbei. Doch die Musiktherapie konnte für sie den Raum schaffen, dies zu spüren und genoss sie immer wieder sehr, wie auch ihr Sohn.

    Auch merke ich, dass einfache Melodien, ob vertraute Melodien, Lieblingslieder der Eltern, Wiegenlieder, die wir in der Musiktherapie immer wieder wiederholen, nach einigen Einheiten von den Frühgeborenen erkannt werden und sie sich immer schneller entspannen und fallen lassen können. Nach der Entlassung erzählen dies manche Eltern auch noch, dass sie diese Lieder zum Beruhigen, Einschlafen für die Kinder singen, weil es so toll wirkt.

    All das ist es, was mich als Musiktherapie in diesem sensiblen Bereich bestärkt zu kämpfen, dass es anerkannt wird und noch viel mehr angeboten werden sollte. Auf meiner Station bestärkt mich das Pflegepersonal auch sehr, denn die Klänge bringen auf die gesamte Station Entspannung und Ruhe, die im stressigen Alltag einer Pflegekraft nur gut sein kann.

    Mit lieben Grüßen aus Österreich und ich finde es toll, dass hier eine Möglichkeit zum Austausch geschaffen worden ist – danke liebe Friederike für Alles!!!!

    Barbara

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    • 2016-01-17 at 13:49
      Permalink

      Liebe Barbara,
      vielen Dank für Deinen ausführlichen und persönlichen Kommentar. Danke, dass Du Deine wertvollen Erfahrungen aus Deiner klinischen Praxis hier teilst und nochmal viele Aspekte bestätigst. Sehr wichtig finde ich den Aspekt der Nähe und des Bindungsaufbaus, oder wie die Mutter es prägnant ausdrückt:

      “mit ihrem Sohn eins zu sein”

      Dies knüpft auch schön an die Ergebnisse Deiner Masterarbeit an, in der Du ja diese Intensivierung der Beziehung während und nach der aktiven Musiktherapie an Hand Deiner Videoanalysen bestätigen konntest.

      Ich wünsche Dir und allen KollegInnen in Österreich von ganzem Herzen, dass die Stellen für Musiktherapie in der Neonatologie weiter auf- und ausgebaut werden können.

      Liebe Grüsse,
      friederike

      Reply
  • 2016-01-19 at 09:22
    Permalink

    Liebe Friederike
    Ohne, dass ich Deine Homepage- Texte vollständig gelesen habe… Schon die Einleitung und der Ansatz Ihrer Arbeit überzeugt mich absolut. Die Methode hat durch den Einsatz von selbst erzeugten Klänge schon an sich eine „Treffsicherheit“ und „Effizienz“. Da feinste „menschliche Resonanz“ sowohl Basis als auch Aktion der Behandlung darstellt.

    Ich habe fünf Jahre intensive Erfahrungen mit einer Cranio-Sakral Therapeutin zusammen gesammelt. Wir haben eine Behandlungsform entwickelt, die wir „Klang-Cranio“ nannten: In den Behandlungen nutzten wir dynamische Cranio-Sakral Therapie, Polaritiy- Therapie, Systemik und Feldarbeit. Ich habe mit den archaischen Instrumenten begleitet/interagiert. Besonders für stark traumatisierte Patienten konnten wir große Türen öffnen, die schon seit Jahren verschlossen waren!

    Ein Versuch unsere Beobachtungen in Worte zu fassen:
    Durch den ehrlichen und bewussten Einsatz von selbsterzeugten Klängen, Rhythmen und Melodien treten wir in so tiefe Resonanz, dass wir aufgrund dieser tiefen Verbindung nicht nur sicher sind, das „Richtige Tun und Maß“ zu finden, sondern auch neue Räume erkunden können. Diese Entdeckungen basieren meiner Erfahrung nach auf dem „tiefen Einlassen“, dem vollständigen Mitschwingen des Therapeuten in dem er zur momentanen Situation/ Befindlichkeit Klänge selbst erzeugt. Ich glaube Sie nennen es Koproduzent.
    Wir haben in unserer Arbeit – wie viele andere Cranio-Sakral Therapeuten auch – mehrfach die Erfahrung gemacht, dass durch diese
    „absolute Empathie“ ultra-feine Realitäten wie Emotionen, körperlichen Bewegungen, Organzustände, Bewegung von Körperflüssigkeiten, Gedankenwege, innere Bilder… etc. überhaupt erst wahrgenommen werden können.
    Diese bleiben den grobstofflichen Messungen unserer schulmedizinischen Technik, ja selbst dem Therapeuten der vom Grundsatz der Objektivität her denkt leider verschlossen.

    Solche Behauptungen werden ja oft vorschnell verstaut, indem wir sie in Schubladen legen und beschriften mit: „abgehoben“ „nicht nachweisbar“ „Scharlatanerie“ „im Alltag nicht praktikabel“ … Wir haben jedoch mit der Klang-Cranio die Erfahrung gemacht, dass wenn wir diese tiefe Wahrnehmung aufgrund der Resonanz mit Musik alle aktiv miterleben, die Patienten die Behandlungen mit allen „unglaublichen“ Erfahrungen sehr wohl als eindeutig real, wahr und wirklich erlebten.
    Momente in denen Patienten, Therapeutin und ich simultan wahrgenommene innere Bilder sahen, gleiche Gedankengänge hatten oder alle Beteiligten im Nachgespräch definitiv sagen konnten wann genau sich ein Problem-Knoten in der Behandlung gelöst hatte. Solche Beobachtung machten wir sogar in Behandlungssituationen, in denen es bis zu vier „Beisitzer“ gab. Selbst diese nahmen die eben beschriebenen simultanen Prozesse wahr.
    Eine ebensolche Effizienz kann ich mir bei Deiner Arbeit vorstellen.

    Wünsche Dir viel weiterhin herzliche Resonanz und Erfolge damit.
    Tilo Wachter, Müllheim Baden.

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