Wo gibt es überall Care- und Case Management?

Case Management Funktionen haben sich in unterschiedlichsten Branchen und Betrieben etabliert. Auch Arbeitgeber bieten Case Management an, um die Reintegration von Mitarbeitenden zu fördern. vgl. assistiftung.ch – Berufliche Integration – Informationsportal für Arbeitgeber.

Ebenso sind in der Bildung Angebote von Case Management zu finden. vgl. Amt für Jugend- und Berufsberatung Netz2 – Case Management Berufsbildung.

In der Gesundheitsversorgung und im Sozialwesen werden zunehmend Case- oder Care Management Funktionen entwickelt und etabliert. Die Bemühungen zur verbesserten koordinierten, Patienten-, und Angehörigenfreundlichen (=Nutzer) und Ressourcen schonenden Versorgung betreffen alle Settings in der häuslichen, ambulanten und stationären Versorgung.

«Case Management in der Entwicklung»
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Über die Grenzen hinaus

Auch der Bund gibt mit seiner Strategie «Gesundheit 2020» die Stossrichtung der koordinierten Versorgung vor, vgl. Gemeinsam die koordinierte Versorgung verbessern. Eine Leistungslücke im ambulanten Bereich der Pflege wurde 2012 bereits mit den «Koordinationsleistungen» (KLV Art. 7) geschlossen (vgl. Rex, Giaquinta & Bischofberger, 2013. Koordination abrechnen).

Dabei ist das Case Management als ein Handlungskonzept oder Verfahren zu verstehen, welches in der Spitex-Praxis zunehmend angewendet wird, um die interprofessionelle Versorgung optimaler zu koordinieren, vgl. Spitex-Dienste Zuchwil oder z.B.  Zusammensetzung der Teams der Spitex Biel.

«Koordinierte Versorgung ist ein stetes Ringen um ‹gute Praxis› in der Spitex und am ‹Gesundheitsstandort Privathaushalt›.» (vgl. Rex, Guldener, Bischofberger 2015. Koordinierte Versorgung zahlt sich aus)

Spitäler bieten ebenfalls Care oder Case Management an. Beispielsweise am Kantonsspital Baden ist das Care Management Team stark gewachsen.

Eine Care Managerin koordiniert den interprofessionellen Versorgungsprozess eines «Falls» bis in den häuslichen Bereich und sichert den reibungslosen Übergang (vgl. Bäbler, Bischofberger, 2014. Case Management im Akutkrankenhaus vom Forschungsprojekt zum Dienstleistungsangebot).

Der Verein «Netzwerk Case Management Schweiz» steht für Interprofessionalität

Das Netzwerk bietet eine Plattform für Personen und Institutionen im Gesundheits-, Sozial- und Versicherungsbereich, die mit der Methode des Case Management arbeiten. Mit der interprofessionellen Zusammensetzung des Vorstands vom Netzwerk Case Management garantiert der Verein einen breiten fachlichen Diskurs in der Weiterentwicklung des Themas.

Interprofessionalität am Jahreskongress 2015 des «Netzwerk Case Management Schweiz»

Die jährlich durchgeführte Tagung fördert die Perspektivenvielfalt und das gegenseitige Lernen – auch von den direkt Betroffenen, den «Nutzerinnen und Nutzern» des Case Managements. Dieses Jahr erwartet die Teilnehmenden ein Beitrag zur Trialog-Methode. Mit diesem interprofessionellen Ansatz werden Betroffene noch mehr zu Beteiligten und auch Angehörige sind mit im Boot.

Auch die Drehscheibe Höfe tritt mit einer Vertretung des Fachbereichs Gesundheit & Soziales gemeinsam auf. Sie zeigen überzeugend auf, wie ein hoch komplexer Fall interprofessionell gemanagt und durch eine Care Managerin koordiniert und gesteuert wird.

Der Blick «über den Teich» erfolgt dieses Jahr auch mit der internationalen Case Management Brille durch die CMSA – Case Management Society of America. Der VNSNY (Visiting Nurse Service of New York) arbeitet mit Care Managerinnen und -Managern in interprofessionellen Teams, vgl. das Interview im Artikel: Innovativer häuslicher Pflegedienst mit integriertem Versicherungsmodell (PDF, 950 KB).

Es gibt viele Beispiele, wo Care-/Case-Management mit dem Fokus auf die interprofessionelle Zusammenarbeit gelebt wird. Je mehr wir darüber Reden und Schreiben, umso mehr werden sie sichtbar.

Case Management auf den Punkt gebracht

Ein hoch komplexer Fall wird durch zwei Hände koordiniert. Verschiedene Bausteine fügen sich ineinander und lassen ein in sich abgestimmtes Gebilde entstehen.


Folgende Beiträge stehen mit diesem Artikel in Verbindung

– Food4Thought #3: Care- und Case-Management
– Care- und Case Management: Betroffene reden mit


Diskutieren Sie mit! Berichten Sie über Erfahrungen

Wo gibt es weitere Best Practice Beispiele von koordinierter Interprofessionalität aus Nutzer- und Anbietersicht?

Über welche Erfahrungen im Bereich Care oder Case Management können Sie berichten?

Christine Rex

Christine Rex, MScN ist Leiterin Studiengang MAS in Care Management und MAS in Chronic Care an der Kalaidos Fachhochschule. Prof. Dr. Iren Bischofberger ist Prorektorin der Kalaidos Fachhochschule Gesundheit und dort Professorin für Pflege- und Versorgungsforschung. Sie leitet bei Careum Forschung das Programm work & care (www.workandcare.ch). Yvonne Vignoli ist pädagogisch wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Careum

4 thoughts on “Wo gibt es überall Care- und Case Management?

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  • 2015-11-08 at 20:00
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    Erfahrungsbericht von Studierenden zum 13. Jahreskongress des Netzwerks Case Management Schweiz am 23. September 2015 im KKL Luzern

    Nach erfolgreichem Abschluss des Moduls “Case Management” waren wir – vier Studierende der Kalaidos FH Gesundheit – erpicht, die Themen des Jahreskongresses Case Management kennen zu lernen. Dazu tauschten wir uns bereits vor dem Kongress über das vielversprechende Programm aus. Zudem stand für uns persönlich auch das “Netzwerken” unter uns Studierenden und den anderen Kongressteilnehmenden auf dem Programm.

    Das Thema des Kongresses Freiwilligkeit und/oder Unfreiwilligkeit im Zusammenhang mit Case Management (CM) begleitete uns von der Einführung des Tages bis zum Schlusspunkt.
    In den Referaten wurden einige sehr aktuelle Themen aufgenommen mit denen sich die im CM Tätigen oder Interessierte zunehmend konfrontiert sehen – so zum Beispiel: Wie weit her ist es mit der Freiwilligkeit in der Öffentlichkeit, wenn ein Thema in den Medien erscheint?
    Ein anderer Referent ging der spannenden Frage nach, ob es nicht auch eine grosse Chance beim unfreiwilligen CM – insbesondere im Strafvollzug – sei, wenn es gelingt, die Betroffenen zur Veränderung zu motivieren? Dabei wurde die Möglichkeit oder die Bereitschaft für Betroffene, den “Rubikon” zu überwinden, als zentrale Frage beleuchtet.
    Auch beim freiwilligen CM sind oft unfreiwillige Grenzen von den Rahmenbedingungen her gegeben sowohl auf der Seite des Klienten als auch auf der Seite des Beratenden. Der professionelle Umgang mit den gegebenen Situationen, vorhandenen Ressourcen und der jeweiligen Rollenklärung der beteiligten Akteure, ist die wichtigste Grundvoraussetzung für ein gelingendes CM in der Praxis.
    Dies bedingt aber auch, dass auf Seiten des Case Management eine kompetente, empathische und beratungsstarke Persönlichkeit steht, die mit hoher Beratungskompetenz das Gegenüber begleiten und führen kann. So können die erforderlichen Prozesse erfolgversprechend aufgegleist und prozessorientiert begleitet werden.

    Diese Themen wurden in den Foren besprochen, beleuchtet und vertieft.
    Es zeigte sich in allen Beiträgen die Wichtigkeit, Verbindlichkeit in der Beratung zu schaffen und daran fest zu halten. Damit überhaupt ein CM Prozess aufgegleist werden kann, ist die Herstellung einer Vertrauensbasis zwischen dem Klienten, der Klientin und dem Case Manager, der Case Managerin eine Grundvoraussetzung.

    Das Trialog-Gespräch eröffnete uns eindrücklich eine neue Dimension in der Kommunikation. Nach einer kurzen geschichtlichen Einführung über die Entstehung des Trialog–Gespräches kamen die drei Seiten: Patient – Fachperson – Angehörige zu Wort. Der Trialog zeigt die Chance, ein Problem vielseitig zu beleuchten und bietet den Beteiligten die Möglichkeit zum persönlichen Ausdruck, damit eine Basis des gegenseitigen Verständnisses und einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe erlangt werden kann.

    Die oben erwähnten Schwerpunkte sind nur ein kleiner Ausschnitt aus diesem vielseitigen und spannenden Kongress. Für unsere aktuellen Anstellungen in der Spitex haben sich aber gerade diese Inputs als Anregung für die weitere Auseinandersetzung angeboten. Wir nutzen sie in unserer Tätigkeit als Begleiterinnen von unseren Berufskolleginnen in der Fallführung oder Fallverantwortung. Ebenso profitieren die Patientinnen und Patienten oder Angehörigen von den Erkenntnissen.

    Als Gewinnerinnen einer Auslosung im Rahmen des Moduls Case Management – gefördert von der Careum Stiftung – konnten zwei Studierende kostenlos am CM Kongress in Luzern teilnehmen. Mit uns nahmen noch andere Studierende der Kalaidos Fachhochschule Gesundheit teil. Unsere “geballte” Präsenz wurde von anderen Teilnehmenden interessiert wahrgenommen.
    Wir bedanken uns für die ermöglichte Teilnahme bei der Careum Stiftung und für die Organisation und Durchführung dieses gelungenen Kongresses bei den beiden Moderatorinnen Iren Bischofberger und Christine Rex.

    Der nächste Case Management Kongress findet am 14. September 2016 im Technorama in Zürich statt.

    Eveline Zanni & Anita Guldener Meier, Studierende im Rahmen des Moduls Case Management und des MAS in Care Management.

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    • 2015-11-16 at 16:49
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      Liebe Anita
      Ich danke Dir für Eure kollektive Berichterstattung. Es freut mich sehr, dass Ihr nach dem Case Management Modulabschluss an der Tagung die für Euch relevanten Themen nochmals gemeinsam diskutiert und reflektiert habt und nun gestärkt in Eure Spitex-Praxis transferieren könnt. So soll es sein!
      Freundliche Grüsse
      Christine

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