Care- und Case Management: Betroffene reden mit

Individuelle Gesundheits- und Lebens-Situationen werden heute immer komplexer, die chronischen Krankheiten nehmen zu. Parallel dazu vergrössert sich auch der Kreis an beteiligten Hilfspersonen. Immer mehr verschiedene Anlaufstellen, Pflege- und Behandlungspersonen müssen einbezogen werden.

Hier setzt das Thema «care coordination» an. Je klarer die Koordination läuft, umso reibungsloser lässt sich die Situation abwickeln. (Bodenheimer, Berry-Millet, 2009).

In komplexen Situationen sind auch Angehörige oder weitere zugewandte Personen involviert. Sie unterstützen die betroffene Person und übernehmen verschiedene Aufgaben, häufig Aufträge zur Koordination. Sie schlüpfen in eine Rolle im Case Management (Bischofberger, 2011, PDF 128 KB, und Jähnke, Bischofberger 2015, PDF 235 KB).

Werden Angehörige rechtzeitig berücksichtigt und erhalten auch sie Rückendeckung durch die Berufspersonen, können sie ihre Doppelrollen wirksamer wahrnehmen. Sie fühlen sich weniger allein gelassen.

«Ich hätte gerne eine Stelle, an die ich mich wenden kann, wo ich dann wüsste, die können mir helfen.»

Solche und ähnliche Aussagen gehören heute zum Alltag der meisten Angehörigen (Brügger, Brülhart, & Sottas 2013 , PDF 1.9 MB). Um ihre Aufgaben meistern zu können, sollten sie die Möglichkeit erhalten, ihre Anliegen und ihren Hilfebedarf mit Fachpersonen besprechen zu können.

Dies trifft nicht nur in palliativen Versorgungssituationen zu, sondern unabhängig davon, ob eine Krankheit oder ein Unfall die Lebenssituation verändert. Sehr schnell gesellen sich zu den Aspekten der Gesundheit auch finanzielle Versorgungsfragen hinzu, mit denen man nicht gerechnet hat. Rasche und unkomplizierte Orientierung zu bekommen, ist in diesen Momenten entscheidend.

Auf Seite der Berufspersonen ist in der Regel ein Helfernetz aus verschiedensten Berufen involviert. In der heutigen Realität jedoch wissen sie oft nicht immer voneinander und können deshalb ihr Handeln zugunsten der Betroffenen nicht ausreichend aufeinander abstimmen.

Für die Betroffenen und Angehörigen entsteht deshalb der Wunsch, ihre Prozesse und Behandlungen möglichst aus einer Hand zu haben – oder eben nutzerfreundlich. Eine optimale Koordination stellt das Wohl der Patientinnen und Patienten ins Zentrum und gruppiert darum herum die erforderlichen Leistungen. Über die einzelne Dienstleistung hinaus kommt auch dem Blick für die Gesamtsituation hohe Bedeutung zu. Das ist gelebte Interprofessionalität.

Case Management im Sinne der Betroffenen wird so gesehen zur interprofessionellen Aufgabe und verlangt sorgfältig koordinierte Zusammenarbeit mit Übernahme von Verantwortung und Delegation zwischen den beteiligten Berufspersonen.

Hier ist Handlungsbedarf gefragt.

Was steckt hinter den Begriffen? 

Möchten Sie von einer Case- oder Care Managerin unterstützt werden?

oder Begleitung mit Pflegeberatung einer Care Managerin z.B. bei Private Care.

Die Begriffe Case- und Care Management werden im interprofessionellen Kontext oft synonym verwendet. Manche Institutionen sprechen auch von Coach, Koordinatoren, Beratungspersonen etc. Im angloamerikanischen Raum ist die Rede von Care Coordination, vgl. hierzu das Standardwerk (Care Coordination Measures Atlas, PDF 2.8 MB).

An der Kalaidos Fachhochschule Gesundheit verstehen wir Case Management als Methode, die von unterschiedlichen Berufsgruppen genutzt wird, wie Pflege, Medizin, Sozialarbeit, Jurisprudenz etc.

Der Fokus im Modul Case Management liegt auf der Anwendung dieser Methodik im klinischen Umfeld, d.h. unter Berücksichtigung von Krankheiten, Krankheitsverläufen sowie sozialer Themen.

Das Ziel ist, eine grösstmögliche Kontinuität und Qualität im arbeitsteiligen Gesundheits- und Sozialsystem lösungsorientiert und interprofessionell zu erarbeiten und umzusetzen.

In diesem Sinn ist als Fall «case» nicht der einzelne Mensch gemeint, sondern der individuelle Versorgungsprozess. Der «Fall» bezieht sich auf die «interventionsbedürftige Lebenssituation» bzw. «Arbeit am Fall» (Wendt, Löcherbach, 2010). Mir (Christine Rex) gefällt sehr gut, dass der Begriff der Lebenssituation ganz klar auch die Angehörigen und Zugewandten mit einbezieht.

Care Management als Koordination und Kooperation zwischen Systemen und Institutionen

Im Kontext des Gesundheitswesens nutzen wir den Begriff Care Management. Wir verstehen ihn als Etablierung von Koordination und Kooperation auf Systemebene, d.h. das Management von Prozessen zwischen oder innerhalb von Versorgungs-Institutionen – interprofessionell versteht sich.

«Case Management – die Zukunft der Sektor übergreifenden Versorgung?»
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Diskutieren Sie mit! Berichten Sie über Erfahrungen 

Case Management kann eine Balance herstellen werden zwischen den Bedürfnissen von Betroffenen und den Möglichkeiten von beteiligten Spezialistinnen und Spezialisten.

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Wie können Betroffene gut mitreden?


Die Autorin bedankt sich für die Unterstützung des Beitrags bei Prof. Dr. Iren Bischofberger, Prorektorin Kalaidos FH Gesundheit und Studiengangsleiterin Master of Science in Nursing sowie bei Yvonne Vignoli, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Careum Bildungsentwicklung. 


 

Christine Rex

Christine Rex, MScN ist Leiterin Studiengang MAS in Care Management und MAS in Chronic Care an der Kalaidos Fachhochschule. Prof. Dr. Iren Bischofberger ist Prorektorin der Kalaidos Fachhochschule Gesundheit und dort Professorin für Pflege- und Versorgungsforschung. Sie leitet bei Careum Forschung das Programm work & care (www.workandcare.ch). Yvonne Vignoli ist pädagogisch wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Careum

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