Digitalkompetenz und Bildung: Trends für 2018

In Kürze: Die Bildungswelt ist gerade dabei, den letzten Schritt in eine rundum vernetzte Welt zu unternehmen.
Welche Herausforderungen dabei für Lehrpersonen, aber auch für die gesamte Bildungslandschaft zu meistern sind, zeigte die Fachtagung «Digitalisierung in der Bildung» am 3. Februar 2018 in Chur.
Was funktioniert? Wohin geht die Bildung?
Physische Präsenz und digitale Anwendung fliessen zusammen.

Weiterbildung für Lehrpersonen an erster Stelle

Lehrpersonen sollen Anschluss gewinnen und Digitalisierung mit veränderter Haltung meistern können. Es braucht Mut zum Wandel, zur Fehlerkultur und zur Zusammenarbeit. Mit gemeinsamen Gesprächen, Experimenten und Praxisprojekten geht Weiterbildung in die nächste digitale Runde. Schaffen wir dazu Freiräume an den Schulen!

Experimentieren Sie mit!

Idee 1: Wie wäre es, wenn Sie als Lehrperson sich mit zwei, drei Kolleginnen und Kollegen zusammentun und eine Unterrichtssequenz entwickeln?
Auftrag: Nutzen Sie ein digitales Werkzeug mit den Lernenden, das Sie kennen.
Formulieren Sie eine passende Aufgabenstellung. Welche Erfahrungen machen Sie dabei?

Idee 2: Im Fall dass Sie nicht Lehrperson, sondern Lernende in einer Schule, in einer Weiterbildung oder in einer Beratung sind: Schlagen Sie vor, die nächste Diskussion in einem Forum, in einer Social Media Gruppe oder sonst wie digital gestützt zu führen.
Tauschen Sie danach Ihre Erfahrungen aus. Welche Erkenntnisse gewinnen Sie dabei?

Innovation statt Modernisierung

An der Fachtagung spannten die Beiträge den gesamten Bogen von der gesellschaftlich-politischen Ebene über Bildungsentwicklung bis hin zu Beispielen aus dem Unterricht. Trends der Digitalisierung erfassen sämtliche Lebensbereiche. Dazu gehört auch die Schule. Viele praktische Beispiele gaben Einblick in Entwicklungen und Visionen zu digitalisiertem Lernen und Unterricht.

Toni Ritz und Nicolas Martignoni betonten, wie wichtig eine übergeordnete Koordination zwischen Bund, Kantonen und letztlich den Schulgemeinden und Schulen selber seien. Sie berichteten engagiert von eigenen Erfahrungen. Auch wenn die Entwicklung heute sehr schnell vorangeht, sollten Entscheide zur Digitalisierung in der Schule nicht überstürzt werden. Strategie geht vor Technologie, Pädagogik kommt vor Technik, Analog und Digital ergänzen sich. Koordinierte Zusammenarbeit und Auswahl der Werkzeuge sollen sich anhand der jeweiligen Strategie entwickeln. Dabei können Stufen- und berufsübergreifende Aus- und Weiterbildungen für Lehrpersonen neue Brücken bilden.

«Wir sollten uns mehr Zeit für philosophische Fragestellungen nehmen und den Menschen im Zentrum sehen.» so Toni Ritz.

Ein weiteres Experiment!

Idee 3: Haben Sie sich auch schon beobachtet, dass Sie Ihr Smartphone aus der Tasche ziehen bei Gesprächen am Tisch? Oder ist das Tabu bei Ihnen?

Nutzen Sie die nächste Tischrunde dazu und befragen Sie die Anwesenden, wie sie mit der Rund-um-die-Uhr Vernetzung umgehen. Wie beeinflusst Digitalisierung Ihren Alltag?

Idee 4: Führen Sie die gleiche Diskussion mit Whats-App oder Video-Telefonie.
Wo liegt für Sie der Unterschied?

Digitale Kompetenzen umfassend erwerben

Die digitalen Trends mit den rasanten Entwicklungen verändern grundlegend Zusammenarbeit und Gesellschaft. Neue Berufe entstehen, bestehende verschwinden. Die Berufsbilder ändern sich laufend und müssen sich schnell anpassen. Damit einher geht auch die Entwicklung von Digitalkompetenzen.

Markus Wyss erläuterte Vorgehen und Resultate aus dem Projekt «Digitalisierung in der Berufsbildung». Es wurden Handlungsempfehlungen aus 290 bestehenden Berufsbildern hergeleitet. Daraus sind 10 Cluster entstanden anhand derer sich zeigen, welche Digitalkompetenzen auf die einzelnen Berufsgruppen passen. Die Ergebnisse dieses Projektes können direkt in die Curriculumsentwicklung für die Berufe einfliessen.
Das Cluster 0 enthält die Beschreibung der digitalen Grundkompetenzen für Lehrpersonen auf allen Stufen und sind grundsätzlich für alle von Bedeutung. Sie sollten in die Weiterbildungen für Lehrpersonen einfliessen. Mehr Informationen auf berufsbildungsdigital.ch

Handlungsempfehlungen digitale Kompetenzentwicklung

Maker spaces einrichten: Dort lernen z.B. Schreiner den Umgang mit Sensortechnik

Kulturelle Fragen aufnehmen: Denn der Verhaltenskodex ändert sich. Digitale Grundkompetenz in ABU Unterricht oder in Fachunterricht integrieren

Tag der Digitalisierung an jeder Schule einführen: Einmal im Jahr das Thema ganz breit behandeln, um den neuen Kulturwandel zu pflegen

Freiräume schaffen: Damit Lehrpersonen aufholen können

Nutzungsrechte weitergeben

Für die Zusammenarbeit im Unterricht und generell fürs Lernen wurde das Thema Offene Bildungsressourcen Open Educational Resources – OER und die damit zusammenhängenden
Creative Commons Lizenzen vorgestellt. Wer ein mediales Produkt verfasst und publiziert, egal auf welchem Datenträger, kann mit Angabe von CC-by-Name dieses für andere zur Nutzung freigeben. Das schafft Transparenz und bringt allen einen Mehrwert.

Martin Ebner ist auch beteiligt an den drei MOOCs, die spezifisch für den Lehrbereich konzipiert wurden.

Machen Sie bei MOOC's mit!

Idee 5: Schreiben Sie sich in einen der nächsten MOOCs ein und machen Sie Erfahrungen mit diesem Kursformat. In der Regel lohnt es sich, wenn Sie sich mit einer Gruppe vor Ort organisieren und parallel zum MOOC die Inhalte an einer Tischrunde diskutieren. Erstens macht es mehr Spass, zweitens steigt die Chance, dass Sie den Kurs zu Ende führen. Oder gehören Sie zu denjenigen, die lieber für sich allein lernen?

YouTube Preview Image

Schauen Sie hier in die MOOC’s hinein und melden Sie sich an:

#MeKoMOOC18: Medienkompetenz in der Lehre (Start 5.3.2018)

Online-Kurs zu Open Educational Resources (COER18) (Start 9.4.2018)

EBmooc- Digitale Werkzeuge für ErwachsenenbildnerInnen (Start 4.4.2018)

Digitale Notizen in Lernlandschaften

An der Fachtagung wurden viele Schulbeispiele gezeigt, die alle Stufen der Digitalisierung abbilden. Die schnelle technologische Entwicklung, die permanente Vernetzung und flächendeckende Verbreitung von Smartphones, Tablets und Computer schaffen gute Voraussetzungen für die Digitalisierung von Lernen.

Kurt Söser zeigte, wie er seinen Unterricht gestaltet. Er führte in seiner Präsentation die Wortschöpfung phygital ein, das heisst physisches Lernen und digitales Lernen verbinden sich zu phy-gital Lernen.

Je nach Schule sind jedoch die Rahmenbedingungen anders, ebenso sind Kooperationen nicht überall koordiniert. An Schulen, die nicht mit Learning Mangement Systemen arbeiten wie Moodle, OLAT, Ilias, o.ä. nutzen Lehrpersonen mit ihren Klassen digitale Medien individuell. Sie richten z.B. Klassenräume ein, die auf virtuellen Notizbüchern aufbauen und Laufwerke in der Cloud teilen wie Daniel Mächler, Biologie Mittelschule mit OneNote Notebook.

Verschiedene Varianten von Blended Learning (Verbindung von Präsenzstudium und Online-Lernen) zeigte Daniel Ammann, BGS Chur, in seiner Präsentation. Er stellte fest, dass reale und virtuelle Lernräume nicht mehr trennbar sind. Blended Learning ist vielversprechend, auch wenn manche Lernenden zurückhaltend sind. Durch schriftliche Zusammenarbeit und Lernsteuerung entsteht mehr (Selbst)kontrolle.

Angezeigte Folien hier herunterladen (PDF, 980 KB)

Noch sind jedoch längst nicht alle Lehrpersonen auf der digitalen Schiene. Eine Studie der PHZH und des SVEB berichtet davon. Auch wenn die Studie aus dem Weiterbildungssektor stammt, so zeigt sie doch Tendenzen auf, die auch in der Schule gelten. Für die Umsetzung der Digitalisierung in der Bildung braucht es gemeinsame Anstrengungen, Kooperationen und Koordinationen auf allen Seiten.

Diskutieren Sie mit. Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.

Wo sehen Sie Potenziale für Digitalisierung in der Bildung von Pflegepersonal, Ärzten, usw.?
Was wünschen Sie sich in Schen Technologie, Gesundheit und Ausbildung?
Welche Erfahrungen haben Sie mit neuen Technologien im Bereich Therapie, Pflege und Ausbildung gemacht?

Yvonne Vignoli

Wissensmanagement, Webentwicklung, Web- und Lerntechnologien bei Careum Bildungsentwicklung – seit September 2014 Meine Arbeitsfelder der letzten Jahre Konzeptarbeit für Lernen mit neuen Medien und Internet in Bildungsinstitutionen Dozententätigkeit und Projektmanagement – Ausbildung der Ausbildenden, Webauftritte, Projekte mit Social Media Plattformen

6 thoughts on “Digitalkompetenz und Bildung: Trends für 2018

  • 2018-02-16 at 08:03
    Permalink

    Besten Dank für diesen äusserst inspirierenden Beitrag!
    Insbesondere das eProblem based Learning als nachhaltiges Beispiel für innovatives blended Learning ist attraktiv und ermöglicht neue Schritte im Erlangen von digitalen Kompetenzen.

    Die Digitalisierungswelle erfasst den Bereich Bildung und geht über das bisherige, eher statische Verständnis von eLearning deutlich hinaus.
    Wir sollten noch einen Schritt weitergehen und digital Health in den Blick nehmen.
    Die Patient/innen orientieren sich heute oft im Internet bevor sie Gesundheitsleitungen beanspruchen oder sie benutzen digitale Hilfsmittel im Alltag zu Hause.
    Sind wir Pflegefachpersonen auf eine Integration von digitaler Assistenz z.B. in der Spitex vorbereitet?
    Welche Kompetenzen und Hilfsmittel werden benötigt um z.B. das elektronisch unterstütze Medidosset korrekt und zur Erhöhung der Patientensicherheit sinnvoll zu nutzen?

    Ursina Baumgartner, Rektorin Kalaidos Fachhochschule Gesundheit

    Reply
    • 2018-02-16 at 09:04
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      Liebe Ursina
      Vielen Dank für den Kommentar und den ganz wichtigen Hinweis zu eHealth.

      Ja, richtig, wir sollten «EPD» (Elektronisches Patientendossier) und «eHealth» kennen, um die Lehrpläne zu aktualisieren.

      Gerne ergänze ich meinen Beitrag noch mit dem Link zur Kompetenz- und Koordinationsstelle eHealth von Bund und Kantonen. Hier sind wichtige Informationen zusammengestellt, die laufend aktualisiert werden.

      Ein eigener Abschnitt widmet sich dort der Bildung: eHealth – Herausforderung für die Aus- und Weiterbildung

      Mit dem Leitfaden für Bildungsverantwortliche erhalten wir eine grosse Fülle von Informationen. Kompetenzraster und weiterführende Quellen bieten wichtige Grundlagen für die nächsten strategischen und konzeptionellen Planungs- sowie Umsetzungsschritte.

      Interessant ist, dass Bildung und Befähigung im Kontext von mHealth, eMedikation und eImpfen eingebettet ist.

      Also auch hier: es geht nur über Koordination und Kollaboration.
      Freue mich auf die nächsten Diskussionen.

      Herzliche Grüsse
      Yvonne

      Reply
  • 2018-02-19 at 14:54
    Permalink

    Liebe Yvonne

    Herzlichen Dank für diese gute und sehr interessante Zusammenfassung. Da habe ich natürlich sogleich dank Deinem Link auf Digitalkompetenz.ch nachgeguckt.
    Die Profile finde ich sehr interessant. Digitale Kompetenzanforderungen für Fachfrau Gesundheit EFZ habe ich mir dann genauer angeschaut (siehe auch den Screenshot).
    Anhand der Informationen auf der Webseite ist es nicht genau klar, wie systematisch und empirisch korrekt hier vorgegangen wurde um diese, wie ich finde sehr wichtigen Profile, zu erstellen.

    Was die digitale Kompetenz für Fachmann Gesundheit EFZ betrifft war ich überrascht wie wenig es braucht. Dinge wie Datensicherheit, Datenschutz, Verständnis, usw. sind da wohl nicht eingeflossen (die neue Datenschutzgrundverordnung der EU lässt grüssen – White Paper mit Checklisten anklicken DOWNLOAD hier).

    Fast überall braucht es 0 Kenntnisse oder digitale Kompetenz für einen Fachmann Gesundheit EFZ wie z.B.:

    – Beurteilung von Informationen
    – Zusammenarbeit über digitale Kanäle

    Mehrere Faktoren kann ich nicht genau eruieren, da 2 unabhängige Dinge wie Speicherung UND Abruf in einer Frage/Dimension abgefragt werden. Diese sollte man in empirischen Arbeiten nicht tun, beispielsweise:

    – Speicherung und Abruf von Information
    – Teilen von Information und Inhalten

    Wenn wir dieser Arbeit Vertrauen schenken heisst dies, auf den obigen Gebieten und weiteren (see Screenshot unten) braucht eine Fachfrau Gesundheit EFZ 0 digitale Kompetenz.

    Wirklich?

    Bei der rasch wachsender Nutzung von digitaler Technologie z.B. im Diagnosebereich und der digitalen Patientenkarte erscheint mir dies aber etwas realitätsfremd?

    Wenn dies Berufsbildner aus dem Bereich Gesundheit wirklich so sehen was die digitale Kompetenzanforderungen für Fachmann Gesundheit EFZ betrifft, dann denke ich stimmt was nicht?

    Herzlichst
    Urs

    Digitale Kompetenz in Beruf Fachmann Gesundheit - EFZ:  Bringen auf Meinung basierte Anforderungsprofile nach Berufen überhaupt was?

    Reply
    • 2018-02-19 at 16:42
      Permalink

      Lieber Urs
      Vielen Dank für das genaue Hinsehen. Gerne nehme ich zwei Punkte auf: Die Herkunft des Katalogs und die vereinfachte Version für die Schweiz.

      Ursprung der Kategorien bei berufsbildungdigital.ch ist The Digital Competence Framework. Die Beschreibungen sind dort deutlich differenzierter und ausführlicher.
      Mir leuchtet ein, dass eine Vereinfachung der Skala eine besondere Herausforderung ist. Vielleicht müssen wir den Mut haben, differenzierte Dinge auch differenziert anzugehen. Warum wurde die Skala vereinfacht und nicht einfach so übernommen?

      Betrachten wir den Katalog aller aufgelisteten Kompetenzen bei berufsbildungdigital.ch, komme ich persönlich zum Schluss, dass alle aufgezählten wichtig sind, auch für Fachmänner und Fachfrauen Gesundheit. Es leuchtet z.B. nicht ein, warum es keine Kompetenzen braucht für «Engagement in der Online-Gesellschaft».
      Möglicherweise war die Absicht, die Liste mal so zu priorisieren, dass ein erster Einstieg einfach geschafft werden kann. Dann stellt sich aber, wie du auch bemerkst, die Frage der angemessenen Priorisierung.

      Eines ist sicher klar: Es darf nicht beim Level 1 bleiben!

      Als Bildungsentwicklerin fühle ich mich hier angesprochen: Der Kompetenzenkatalog mit der Umsetzung braucht nochmals eine Feedbackrunde, denn hier liegt erstmals eine erste Version vor. Ich hoffe, die betroffenen Bildungsinstitutionen und Verbände, bringen sich aktiv ein. Bin gespannt auf das weitere Echo aus Fachkreisen.

      Herzliche Grüsse
      Yvonne

      Reply
  • 2018-02-20 at 16:24
    Permalink

    Liebe Yvonne
    Danke für die Antwort

    Das ist interessant… speziell deshalb weil das Digital Competence Framework dies ja nur allgemein aufgleist, d.h. nicht nach Berufsgattung.

    Mal sehen wie berufsdigital die Sache weiter entwickelt. Ich habe dort zwar auf der Webseite das Kontaktformular genutzt und gefragt ob es ein vollständiges Papier gibt welches diese Dinge in Sachen Methodik usw. ein wenig ausleuchtet.

    Aber hier – bei den leitenden Forschern der Berufsidigtal.ch – fehlen vielleicht die Skills in Sachen “Zusammenarbeit über digitale Kanäle” (siehe Grafik oben).
    Beispiel, ich habe bist jetzt nach fast einer Woche keine Antwort erhalten auf meine Anfrage über das Kontaktformular. Vom Kommunikationsmanagement aus betrachtet natürlich nicht ideal wenn man das Monitoring von eMails nicht dazu nutzt die Anfragen innerhalb von 3 Werktagen zu beantworten.

    Herzlichst
    Urs

    Reply
    • 2018-02-20 at 17:20
      Permalink

      Lieber Urs
      Vielen Dank für deine Replik. Ja, es zeigt sich, dass Kommunikation sorgfältig aufbereitet und behandelt werden muss. Da können wir nur immer wieder als Vorbilder auftreten. Manchmal funktioniert es nicht.
      Auch zuhören im Web ist eine wichtige Kompetenz, die erworben werden muss.

      Herzliche Grüsse
      Yvonne

      Reply

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