Ein #MutAnfall und du bist digital vernetzt

In Kürze: Sie wollen neue Kompetenzen mit digitalen Medien erwerben?
Verbinden Sie sich mit Menschen im Netz und bauen Sie neue Kontakte auf. 
Mischen Sie sich aktiv ein, wagen Sie einen #MutAnfall. Wie das geht, lesen Sie hier.

Dem Hashtag #MutAnfall bin ich zum ersten Mal bei Harald Schirmer von der Firma Continental begegnet. Die Wortschöpfung hat mich angesprungen und neugierig gemacht: Ja, sich etwas getrauen, etwas einmal in anderer Art umsetzen, als bisher gewohnt. Und dabei neue Erfahrungen machen, Kompetenzen erwerben. Wie kann das einfach und nachthaltig gehen, besonders für digitale Zusammenarbeit im Netz?

Von der Teilnahme zur Teilgabe

Wie das im grossen Stil funktioniert, zeigt der Corporate Learning 2025 MOOCathon (#cl2025). Mit den üblichen Werkzeugen des Internet vernetzen sich die Teilnehmenden individuell und in selbstorganisierten Lerngruppen vor Ort. Sie übernehmen die Impulse der cMooc Anbieter, setzen sich die Ziele selber und lernen total digital. Der #cl2025 ist ein echter #MutAnfall.

Lernen mit Mooc's – wie geht das?

Moocs – Hintergründe und Didaktik sind bei e-teaching.org übersichtlich beschrieben.

Ein cMooc (c=connectivity)  lebt von der Zusammenarbeit der Beteiligten. Lernen geschieht im direkten Austausch untereinander. Daneben gibt es Impulse und Aufträge, wobei die Lernenden selber entscheiden, welche Ziele sie sich setzen und wo sie sich beteiligen, beispielhaft ist hier der #cl025, vgl. Steckbrief zum #cl2025.

Interessant ist, dass der #cl2025 mit Werkzeugen aus dem Internet arbeitet, ohne spezifische Moocplattform: Website, Youtube, Podcast, Twitter, Forum, Skype for Business, Kalender, Teilnehmerliste, Lerngruppenliste zum selber Eintragen, Spezielle Aufgaben zum selber Eintragen, Soziale Netzwerke: die Corporate Learning Community bietet Gruppen auf Facebook, auf Google+, auf LinkedIn und auf Xing an.

Diese Wahl ermöglicht selbstgesteuertes Lernen in vernetzten Gemeinschaften in seiner radikalsten Form: Der Rahmen ist offen, die Angebote sind vielfältig und breit angelegt.

Zentral angelegtes Steuerungselement, um sich zu orientieren, ist das Rahmenprogramm mit den fixen Kursterminen Start und Ende, Wochenfixpunkte und Themen pro Woche. Einstiegspunkt ist die Website. Besonders hilfreich, um immer wieder einen neuen Einstieg und Ansatzpunkt zu finden, sind die Impuls Sessions zu Beginn und am Ende der Woche. Sie bieten Zusammenfassungen, Rückblick und Vorschau. Für mich besonders hilfreich sind die Video- und Podcastaufzeichnungen. Ich konsumiere sie über mein Smartphone auch von unterwegs.

Die unüberschaubare Komplexität des #cl2025 bildet die digitale Realität im Netz ab. Gleichzeitig wird deutlich, dass Lernende selber ihre Auswahl treffen müssen. Niemand überschaut das Ganze, aber im gemeinsamen Austausch, im sich gegenseitig Befragen und Erzählen entsteht Orientierung, Wissen und Kompetenzerwerb.

Lernen wird zum gemeinsamen Erlebnis. Die Beteiligten lernen voneinander, miteinander und übereinander. In Kontakt zu treten, jemanden ansprechen, einen Post zu setzen, sich bei einer Lerngruppe einschreiben genügt als #MutAnfall.

Mit neuen Bildern im Kopf alle mitnehmen

Und nun kommts: mein totales Aha-Erlebnis war eine Präsentation von Harald Schirmer vom Oktober 2016. Ich habe sie beim Herumsurfen in den gesammelten Beiträgen von #cl2025 gefunden. Es geht um den längst bekannten Zusammenhang zwischen Abbildung von Strukturen in Organisationen und daran geknüpfte Denkweisen. Die Bilder von Organisation, die wir im Kopf haben, zeigen sich auch in den Abläufen und den dazu verwendeten Werkzeugen. Wenn die digitale Transformation aber selbstgesteuertes und eigenverantwortliches Lernen einfordert, brauchen wir auch Bilder, Strukturen und Organisationen, die selbstorganisiertes Lernen zulassen.

Harald Schirmer entwickelt anschaulich, wie sich die Werkzeuge in Unternehmen von analogen zu digitalen Anwendungen gewandelt haben und weshalb der nächste Schritt der digitalen Transformation mit Social Media notwendigerweise erfolgen muss. Mit konkreten Beispielen zeigt er, welche Denkschritte wir in Organisationen zuerst gehen müssen, damit alle mitgenommen werden können.

YouTube Preview Image

Globale Unternehmen arbeiten bereits auf Hochtouren an der digitalen Transformation im Sinne von Harald Schirmer. Aus meiner Sicht tun auch kleine Organisationen gut daran, dieses Gedankengut aufzunehmen.

Zudem sollten Aus- und Weiterbildungsinstitutionen hier investieren: Neben dem regulären Curriculum, um einen Berufs- oder Studienabschluss zu meistern, gehört 70:20:10 mitgedacht (70% durch Erfahrung, 20% durch Coaching, 10% durch Unterricht bleibt beim Lernen nachhaltig haften).

Fragen wir nach Evidenz von 70:20:10 wird deutlich, dass angemessenes Lernen zur richtigen Zeit, am richtigen Ort für den individuellen Lernprozess genauso mitbestimmend sind.

Lernen 2030 - Yvonne Vignoli

Lernen 2030 – Digitale Transformation und Bildung, Yvonne Vignoli, 4.5.2017

Mich interessiert auszuloten, wie weit sich selbstorganisierte Lernformen mit den hochformalisierten Curricula für Aus-  oder Weiterbildung auch in Gesundheitsberufen vereinbaren lassen. Was immer schon beim Lernen in den einzelnen Köpfen passierte, findet jetzt ein Echo von draussen: ich kann, was ich lerne mit den neuen digitalen Werkzeugen mit Mitlernenden teilen und umgekehrt.

In der Vision der digitalen Transformation entwickeln sich Lernende Organisationen über Kompetenzerwerb im konkreten Handeln weiter. Den Weg dahin zu finden geht über die kleinen Schritte von #MutAnfall bei jedem Einzelnen. Sie werden im Ganzen sichtbar und das Wunderbare und Einfache dabei ist: es genügt, den Hashtag #Mutanfall als Ettikette zu einer Mitteilung über Twitter mitzugeben und alle Beiträge dazu lassen sich mit einem Klick auflisten und teilen. Deshalb ist Twitter unter anderem ein so mächtiges Lernwerkzeug.

Jetzt sind Sie dran! Diskutieren Sie mit!

  • Berichten Sie von Ihren letzten #Mutanfall.  Was hat er ausgelöst? Haben Sie Twitter dabei genutzt?
  • 70:20:10 – Ihre Beobachtungen?
  • Digitale Transformation – Es geht nicht nur um Technologie, sondern um den Umgang damit. Wie denken Sie darüber?

Yvonne Vignoli

Pädagogisch wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Careum - seit September 2014 Meine Arbeitsfelder der letzten Jahre Konzeptarbeit für Lernen mit neuen Medien und Internet in Bildungsinstitutionen Dozententätigkeit und Projektmanagement - im Bereich Ausbildung der Ausbildenden, Webauftritte, Projekte mit Social Media Plattformen

4 thoughts on “Ein #MutAnfall und du bist digital vernetzt

  • 2017-06-27 at 09:33
    Permalink

    Danke für die begeisternde Beschreibung des Corporate Learning 2025 MOOCathons!

    Ja, das fasziniert auch uns Organisatoren, dass dieser große offene Rahmen so viel Engagement vieler Learning Professionals auslöst, das wiederum erst zum gemeinsamen Lernen führt.
    Das läßt sich nicht planen. Und ist trotzdem sehr wirkungsvoll.

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    • 2017-06-27 at 09:49
      Permalink

      Vielen Dank Herr Pape für Ihren Kommentar. Vielleicht ist grad diese Offenheit das Geheimnis für erfolgreiches selbstgesteuertes Lernen.
      Bin gespannt, was noch alles daraus entstehen kann.

      Der Ansatz mit den verschiedenen Kanälen und Themen überzeugt. Ausserdem zeigt sich für mich, wie auch ohne spezifische Mooc-Plattform kollaboratives Lernen funktionieren kann.
      Ich denke, die echte Teilgabe, wie sie dieses Moderatorenteam vorlebt, trägt viel dazu bei und steckt an.

      Herzlichst
      Yvonne Vignoli

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  • 2017-06-28 at 14:10
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    “Die unüberschaubare Komplexität des #cl2025 bildet die digitale Realität im Netz ab. Gleichzeitig wird deutlich, dass Lernende selber ihre Auswahl treffen müssen. Niemand überschaut das Ganze, aber im gemeinsamen Austausch, im sich gegenseitig Befragen und Erzählen entsteht Orientierung, Wissen und Kompetenzerwerb.”

    Das ist wirklich sehr treffend beschrieben. Ich bin auch überzeugt, dass die Zukunft des Lernens darin liegt, sich in der Menge der Informationen zurechtzufinden, dies am Besten über Lernnetzwerke. Spannend dabei die Frage, wie solche Ansätze in stark regulierte und reglementierte Bildungsgänge einfliessen können.

    Meiner Meinung nach geht dies nur über mehrere Schritte: von der totalen Vorlage zum selbstgerichteten Lernen (selbstverantwortliches Aussuchen der Quellen aus einer vorgegebenen Auswahl) zum peer-to-peer Lernen (z.B. gegenseitiges Beurteilen von Arbeiten) zum kollaborativen Lernen (gemeinsam an einer Aufgabe arbeiten) zum sozialen und selbst-organisierten Lernen in Lernnetzwerken. Dies mit einem gleichzeitigen shift von den klassischen Lehrbüchern zu Online Quellen zu persönlichen Inhalten- auch dies in mehreren Schritten.

    Hat man dann noch das Glück, ein paar Ambassadoren zu haben, kann das Ganze richtig gut werden 🙂

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    • 2017-06-28 at 19:27
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      Liebe Frau Schlatter
      Vielen Dank für Ihre differenzierten Überlegungen zur konkreten Umsetzung in Bildungsgängen. Bin sehr Ihrer Meinung und möchte noch ein paar Gedanken nachliefern.

      Für die Bildungsentwicklung auf der obersten strategischen Ebene (Makroebene), d.h. dort wo Bildungsverordnungen und Kompetenzrahmen entstehen, werden schon die Weichen gestellt. Je nachdem welche Ideen dort verankert werden, können die Umsetzungen dann einfacher in die Praxis getragen werden. Ist z.B. dort schon ein interprofessioneller Ansatz mitgedacht, wo verschiedene Berufsgattungen miteinander lernen, entstehen günstige Rahmenbedingungen von Anfang an. Leitlinien schaffen Orientierung und reduzieren Komplexität.

      Auf der Ebene der Institutionen (Mesoebene), wo Curricula in Bildungsveranstaltungen umgegossen werden, zeigt sich wiederum, welche Spielräume sich anbieten, damit günstige Lernvoraussetzungen für und mit der Praxis entstehen. Die Idee der verschiedenen Lernorte in der Berufsbildung z.B. bilden eine gewinnbringende Ausgangslage zum Netzwerken zwischen Lehrbetrieb – überbetrieblichem Lernort/Training Transfer – Schule. Wie das konkret gelebt wird, ist Sache der Lern-, Betriebs- und Schulkultur. Wenn hier alle am gleichen Strick ziehen, verstärken sie ihr Potenzial gegenseitig. Hören sie aufeinander und legen sie gemeinsame Ziele fest, die sie ebenfalls gemeinsam weiter entwickeln, bilden sie günstige Umgebungen für ertragreiches Lernen. In solchen Lernumgebungen mischen sich formalisierte Vorgaben und informelle Handlungsweisen. Vernetzte Räume schaffen neue Orientierung und reduzieren ebenfalls Komplexität.

      Auf der Ebene des Unterrichts und Lernens (Mikroebene) schliesslich, soll eine Lernkultur heranwachsen, die formalisierte Lernprozesse genauso in den Blick nimmt, wie informelles Lernen. Beides soll nebeneinander Platz haben und gleich wichtig sein, je nach Situation. Wesentlich dabei scheint mir, dass die Beteiligten miteinander Verbindlichkeiten aushandeln und sich bewusst auf ihre Vereinbarungen einlassen. Wenn sie immer wieder ihr Handeln klären, Fehler zulassen und gemeinsam Zwischenziele besprechen, schaffen sie günstige Lernvoraussetzungen für alle. Klare Kommunikation schafft Klarheit und reduziert wiederum Komplexität.

      So wie Sie es oben beschreiben, sollen Lernende handeln können. Und dabei lassen sich mit den digitalen Medien auch völlig neue Lernszenarien ausdenken: Wer sagt denn, dass die Theorie nur am Lernort Schule erworben werden muss? Und warum sollten Echtsituationen aus der Praxis keinen Platz im Unterricht haben? Es ist denkbar, dass Lerngruppen individuell ihr Thema erarbeiten und dazu nur entlang einer vordefinierten Leitlinie gehen. An bestimmten Zwischenstationen treffen sie sich mit ihrer Lernbegleitung und klären die nächsten Schritte. Dazwischen legen Sie immer wieder Prüfungen ab, bzw. erhalten Beurteilungen zu ihren Lernleistungen, die auch für den Abschluss zählen. Oder sie besprechen mit Mitstudierenden auf dem nach Hauseweg Fragen zu fachlichen Themen. Die digitalen Lernbegleiter unterstützen sie dabei. Bewusste innere Aufmerksamkeit auf das eigene Lernen trägt dazu bei, Orientierung zu schaffen beim Wissens- und Kompetenzerwerb. Und das orts- und zeitunabhängig.

      Eine weitere grosse Herausforderung für die Zukunft ist die Moderatorenrolle zu leben als Lehrperson, Dozentin, Coach. Und hier spielen Ambassadore eine wichtige Rolle für das Umlernen, genauso wie Sie es oben ansprechen.

      Wie mit Ambassadoren Weiterbildung von Lehrpersonen, Berufsbildnern und Ausbildenden angereichert werden kann, ist eine weitere Aufgabe. Wie sehen Sie das?

      Beste Grüsse
      Yvonne Vignoli

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