Meine Gesundheitsdaten online: Was tun?

In Kürze: Das elektronische Patientendossier kommt! 
Was sagt die Bevölkerung dazu? 
Wie kann man sie zur Nutzung befähigen? Der Kanton Aargau zeigt, wie es geht!

Das elektronische Patientendossier voranbringen

In der Schweiz wird in den nächsten Jahren das elektronische Patientendossier  (kurz: ePD) eingeführt. Damit kann sich jeder und jede einen Überblick über seine Gesundheitsdaten verschaffen.
Um die Nutzer im Umgang mit dem ePD zu befähigen, hat der Kanton Aargau erste Schritte eingeleitet:

  1. Es wurde ein Kurzbericht  zum Thema Gesundheitskompetenz im Umgang mit digitalen Medien erstellt.
  2. Es wurden Erfahrungen mit dem ePD (z.B. aus den Kantonen Genf  und Zürich) und Erwartungen von Patienten und Angehörigen aus dem Kanton Aargau erhoben.
  3. Eine Tagung zur Sensibilisierung von Fachpersonen im Kanton durchgeführt.

Das Projekt wurde vom Departement für Gesundheit und Soziales des Kantons Aargau  initiiert und durchgeführt. Unterstützt wurde er dabei vom Kompetenzzentrum Patientenbildung von Careum Forschung, Forschungsinstitut der Kalaidos FH Gesundheit. In diesem Blogbeitrag werden die wichtigsten Erkenntnisse dieses Projektes präsentiert.

Informationen für alle

Gesundheitskompetenz ist die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf unsere Gesundheit auswirken. Sie betrifft jeden von uns. Die Gesundheitskompetenz im Umgang mit digitalen Medien geht noch einen Schritt weiter und schliesst die Nutzung elektronischer Medien mit ein. Sie ist die Grundlage, um das ePD aktiv nutzen zu können.

Mehr erfahren?
  • Gesundheitskompetenz verständlich erklärt in einem Video des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger.
  • Der Blogbeitrag von Mette Iversen erklärt, was mit «Gesundheitskompetenz im Umgang mit digitalen Medien» gemeint ist.
  • Der Kurzbericht informiert ebenfalls in leicht verständlicher Sprache über dieses Thema. Neben nationalen und internationalen Fakten bietet der Bericht Impulse und konkrete Hinweise zur Förderung der Gesundheitskompetenz im Umgang mit digitalen Medien. Er richtet sich an interessierte Patienten, Fachpersonen sowie an Personen, die für die Einführung des ePD verantwortlich sind.

Was sagen künftige Nutzer zum elektronischen Patientendossier?

Was wir schon wissen: In Deutschland fordern neun von zehn Personen direkten Zugang zu Gesundheitsdaten, die von ihnen gesammelt werden (Mentzinis 2016 , Gesundheitsmonitor 2016). In der Schweiz steht etwa jede zweite Person der Einführung des ePD positiv gegenüber (gfs 2016).
Aber wie sieht es im Kanton Aargau aus? Um das herauszufinden, haben wir ein Gruppeninterview mit zwölf Patienten und Angehörigen durchgeführt. Zur Sprache kamen positive Erwartungen, Befürchtungen, Anforderungen an die Technik und das Thema Datenschutz/Datensicherheit.
Hier einige Stimmen aus dem Gespräch:

Erwartungen und Bedenken der zukünftigen Nutzer des elektronischen Patientendossiers. Quelle: Powerpoint-Präsentation Sylvie Zanoni, Anna Hegedüs,
Erwartungen und Bedenken der zukünftigen Nutzer des elektronischen Patientendossiers. Quelle: Powerpoint-Präsentation Sylvie Zanoni, Anna Hegedüs, 28.9.2016, Aarau

Fachtagung «Achtung: Gesundheitsdaten online!»

Um alle Akteure ins Boot zu holen, fand am 28. September 2016 eine Fachtagung  in Aarau statt. Sie wurde organisiert vom Departement Gesundheit und Soziales, in Zusammenarbeit mit dem Verein Stammgemeinschaft eHealth Aargau  und der Pro Senectute Aargau. Das Kompetenzzentrum Patientenbildung  unterstützte die Veranstaltenden bei der Planung und Durchführung.

Gut 100 Fachpersonen aus dem Gesundheitswesen nutzten die Gelegenheit, sich über das ePD und die dazu notwendige Gesundheitskompetenz zu informieren.

Die erste Hälfte der Veranstaltung konzentrierte sich auf die allgemeine Einführung ins Thema. Die Präsentation zum elektronischen Patientendossier finden Sie hier zum Download, jene zur Gesundheitskompetenz im Umgang mit digitalen Medien können Sie hier direkt anschauen:

Im Rahmen der Podiumsdiskussion mit Vertretern aus den Bereichen Medizin, Spitex, Pro Senectute, Apotheken und der Stammgemeinschaft eHealth Aargau ergaben sich interessante Fragen und Inputs:

  • Wie soll das ePD genannt werden? Patienten- oder eher Gesundheitsdossier?
  • Das ePD nützt erst dann, wenn möglichst viele Leistungserbringer mitmachen. Wie gelingt das?
  • Darf das ePD den Leistungserbringern und Patienten etwas kosten? Wenn ja, wieviel?

Diese Fragen sind noch zu klären. Die Anwesenden tendierten zur Bezeichnung «Gesundheitsdossier» sowie dazu, die Kosten für Leistungserbringer möglichst niedrig zu halten. Ideen, wie man Leistungserbringer und Patienten ins Boot holen kann, lieferte der zweite, interaktive Teil der Tagung.

Wie weiter im Kanton Aargau?

In Kleingruppen gaben die Teilnehmenden erste Anregungen zum weiteren Vorgehen. Zum Beispiel zur Frage: Welche Kompetenzen braucht die Bevölkerung, um im Alltag Entscheidungen treffen zu können, die sich günstig auf ihre Gesundheit auswirken?

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Brainstorming: Eine Gruppe von Teilnehmenden bringt sich aktiv ein. Foto: Careum/Elena Guggiari

Dazu wurden viele Ideen und Massnahmen zusammengetragen und Wichtiges hervorgehoben. Besonders relevant im Hinblick auf die Einführung des elektronischen Patientendossiers sind:

  • Kommunikation: Transparente Informationen frühzeitig vermitteln, den Nutzen des ePD aufzeigen sowie sich mit den Patienten und Fachpersonen austauschen.
  • (technische) Gestaltung des ePD: Einfache Bedienung, eine zugängliche Software und Datensicherheit.
  • (Gesundheits-) Kompetenz: Das Bewusstsein für die eigene Gesundheit sowie das Wissen, die Fähigkeiten und die Motivation etwas zu verändern.
  • Massnahmen zur Förderung der Gesundheitskompetenz in allen Lebensbereichen: Im Gesundheits- und Bildungswesen, am Arbeitsplatz, in der Familie, in Vereinen und der Politik.

Nun gilt es diese Ideen für die Einführungsphase des ePD im Aargau zu nutzen. Bei allen Massnahmen sollten die Förderung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung und die Nutzerfreundlichkeit im Fokus stehen.

Weiterführende Literatur

Was denken Sie? Diskutieren wir doch darüber!

  • Welche Unterstützung bräuchten Sie, um das elektronische Patientendossier nutzen zu können?
  • Wie können Fachpersonen zur Anwendung motiviert werden?
  • Wieviel darf das elektronische Patientendossier kosten?

Anna Hegedüs

Anna Hegedüs, Mag. ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Careum Forschung und promoviert in Gesundheits- und Pflegewissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle – Wittenberg (D). Forschungsinteressen: Patientenbeteiligung, psychische Gesundheit, Älter werden im Quartier und Privathaushalt.

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