Pädagogik kommt vor Technik

In Kürze: Neben Referaten bot die interne Fachtagung «Digitales Lernen und Lehren 2017» fachliche Diskussion und Begegnung zwischen Fachpersonen.
Zu konkreten Lernszenarien und Aufgabenstellungen konnten die Beteiligten ihre eigenen Erfahrungen und Ideen einbringen.
In kleinen Gruppen wanderten sie durch den Tagungsparcours.
Sie konnten sich ein Bild zum Potenzial von Lernen mit digitalen Medien heute machen.
Welche Entwicklungen sind in Zukunft denkbar?

Digitalisierung gibt es schon lange – Wir müssen das Web verstehen

Prof. Bruno Wenk, HTW Chur, eröffnete sein Impulsreferat an der internen Fachtagung «Digitales Lernen und Lehren 2017» mit Berichten zu persönlichen Erfahrungen als Ingenieur. Er erläuterte, weshalb Innovationen manchmal länger brauchen, bis sie auf Offenheit und Verständnis stossen. Es geschehe meist aus einer Haltung von falschen Vorstellungen heraus, die sich mit der Zeit wandeln oder die sich durch neue Erfahrungen und Einsichten verändern. So auch beim Lernen.

Mit seinen Ausführungen zu Web und Internet zeigte er auf, wie Zusammenarbeit mit digitalen Medien unseren Alltag und damit das Lernen verändern. Oder wie diese Entwicklungen Auswirkungen auf die Nutzung unserer eigenen Geräte haben. Mit der Digitalisierung verändert sich unser Verhältnis zum Eigentum.

Prof. Bruno Wenk plädierte dafür, die digitalen Kompetenzen zu stärken. Besonders die Konzepte der Webtechnologien sollten wir uns aneignen, um diese dann in der eigenen Disziplin sinnvoll anzuwenden. Er ermunterte dazu, immer weitere Entwicklungsschritte zu unternehmen und mit den Webtechnologien zu experimentieren: Indem wir Fehler machen, können wir diese erkennen und unsere «falschen Vorstellungen» nach und nach zu neuen Einsichten verändern, neue Kompetenzen erwerben, neue Konzepte entwickeln und so auch die digitale Transformation aktiv mitgestalten.


Video: Lehren und Lernen pimped up mit digitalen Medien

Slides: Bruno Wenk, Lehren und Lernen pimped up mit digitalen Medien

 

Kompetenzen des 21. Jahrhunderts

Die 4 K – Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken – spielen eine wichtige Rolle beim digitalen Lernen und Lehren.

Vier Anwendungen für den Unterricht

ePBL - Problembasiertes Lernen mit digitalen Medien

1. ePBL

Workshop Daniel Ammann, BGS Chur

Problembasiertes Lernen mit digitalen Medien in allen Lernschritten. Die Einbettung der Inhalte geschieht im Kontext eines Learning Management Systems (OLAT, Moodle). Daneben können frei verfügbare Tools für die Zusammenarbeit genutzt und eingebunden werden. Mit ePBL kann eine Verbindung von Präsenz- und Online-Lernen über das Internet, mit eigenen Geräten orts- und zeitunabhängig realisiert werden. Lernende und Lehrende profitieren davon.

Präsentation ePBL-Sequenz

Angezeigte Folien hier herunterladen (PDF, 980 KB)

 

2. Nahtstellen Tutorat – Skillstraining

Workshop Karin Schneider, CBE Zürich | Stefanie Stigler, CBZ Zürich

Bei der Übergabe von Skillstraining zu Tutorat wird der erreichte Lernzielstand mit den noch zu erarbeitenden Lernzielen und Kompetenzen abgeglichen. Ein digital gestütztes Rapportsystem unterstüzt Lerngruppen, Tutorinnen und Skillstrainerinnen während den Übergaben bei folgenden Fragen: Was wurde bereits besprochen, was ist noch offen, wie erweitert sich das Kompetenzprofil?
Das Rapportsystem baut auf vordefinierten Zielen und Kompetenzen aus Rahmenlehrplan, Grobzielkatalog und Curriculum auf.

Angezeigte Folien hier herunterladen (PDF, 264 KB)

3. Lernort Bibliothek

Workshop mit vier Bibliothekarinnen
Marija Baric, BGS Chur | Ursi Egert, BZSL Sargans | Elisabeth Geisser, BZGS St. Gallen | Yvonne Perathoner HBZ Uni Zürich

Erwerb von Informations- und Medienkompetenz mit professioneller Unterstützung durch die Bibliotheken. Sie machen die Studierenden und Lehrpersonen mit den elektronischen Datenbanken und dem Umgang mit Informationssuche vertraut. Die Verarbeitung von Informationen aus dem Internet und mit elektronischen Medien ergänzen das Angebot. Bibliothekarinnen und Bibliothekare kennen die neuesten Trends. Sie unterstützen die Schulen auch im direkten Kontakt bei der Umsetzung im Unterricht. Damit können die Anforderungen an die verschiedenen Berufsgruppen effizient umgesetzt werden.

Das Angebot richtet sich an Lernende, Studierende wie auch an Unterrichtende. Mit einem «Bibliotheksführerschein» können Lernende und Lehrpersonen auf allen Stufen gezielt Informations- und Medienkompetenzen erwerben.

Mit den Anwendungen «Physical Web» und «Actionbound» bewegen sich die Studierenden in der Bibliothek und erhalten nützliche Informationen über ihr Smartphone.

4. Videoconferencing und Webinare

Workshop Yvonne Vignoli, CBE Zürich

Nutzung von Videoconference-Infrastruktur über verschiedene Institutionen hinweg: Im Unterricht externe Experten über Videoconference zuschalten. Beratungsgespräche und Meetings online durchführen können.

Spannende Referate aufzeichnen, Zusammenarbeit im virtuellen Klassenraum und diese später verfügbar haben. Mit Begleit- und Weiterbildungsmassnahmen verfestigt sich das Vertrauen in die digitalen Technologien.

Lernwerkstatt – Zusammenarbeit in Gruppen

An der Fachtagung durchliefen die Teilnehmenden einen Parcours mit verschiedenen Arbeitsstationen. Neben dem Testen von Virtual-Reality-Brillen und dem Einsatz von E-Books im Unterricht war die kollaborative Zusammenarbeit Thema. Stellvertretend dazu das Beispiel der QFT-Methode.

QFT Fragentechnik

QFT – Question Formulating Technique

Lernwerkstatt Miriam Fischer, CBE Zürich

Bei der QFT-Methode werden Fragen neu formuliert. Bestehende Fragen werden wieder umformuliert. Dabei rücken die wesentlichen Fragen zu einem Thema in den Fokus. Die Methode wurde in Gruppen erprobt und reflektiert. Sie eignet sich auch für den Unterricht und unterstützt die Zusammenarbeit.

Mit Padlet erstellt

 

Das Fazit am Schluss zeigte: Lehrende und Lernende sollten digitales Lernen und Lehren sorgfältig planen, begleiten und umsetzen. So bietet es Lernenden gute Unterstützung bei Lernbegleitung, Lernzielüberprüfung und Kompetenzerwerb.

— «Der Faktor, der das zukünftige Lernen begrenzt, ist der Mensch, nicht die Technik.»

Erpenbeck, John / Sauter, Werner (2013). So werden wir lernen! Kompetenzentwicklung in einer Welt fühlender Computer, kluger Wolken und sinnsuchender Netze. Berlin: Springer. S. 5

Ihre Meinung ist gefragt

  • Welche Erfahrungen zu digitalem Lernen und Lehren haben Sie bisher gemacht?
  • Welche Fragen beschäftigen Sie besonders?
  • Wie schaffen wir den Sprung vom Vollzeit Kontaktstudium zum digitalen Lernen, unabhängig von Klassenraum und Lerngruppen?

 

 

Yvonne Vignoli

Wissensmanagement, Webentwicklung, Web- und Lerntechnologien bei Careum Bildungsentwicklung – seit September 2014 Meine Arbeitsfelder der letzten Jahre Konzeptarbeit für Lernen mit neuen Medien und Internet in Bildungsinstitutionen Dozententätigkeit und Projektmanagement – Ausbildung der Ausbildenden, Webauftritte, Projekte mit Social Media Plattformen

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *