Gesundheitskompetenz im Gesundheitssektor – Bericht zum Careum Dialog

In Kürze: Gesundheitskompetenz ist ein wichtiges Thema, das durch die aktive Beteiligung aller Akteure des Gesundheitswesen zu fördern ist: Bürger und Patientinnen, Gesundheitsfachleute und die Gestaltung der Gesundheitssysteme. Dies war das Fazit von 80 Entscheidungsträgern aus Politik, Praxis und Wissenschaft, die im Rahmen des Careum Dialogs 2017 politische und professionelle Initiativen zur Förderung von Gesundheitskompetenz diskutierten, verglichen und überprüften.

„Gesundheitskompetenz im Gesundheitssektor“ – unter diesem Leitthema griff der Careum Dialog 2017 die strategische Ausrichtung für Gesundheitskompetenz in den drei deutschsprachigen Nachbarländern auf.

In einem zielorientierten Dialog einer breiten Gruppe von zentralen Entscheidungsträgern wurden Handlungsfelder und Handlungsakteure identifiziert, die für die Stärkung von Gesundheitskompetenz und die Umsetzung entsprechender Strategien wichtig sind.

Einen Einstieg in das Thema bietet dieser siebenminütige Film zum Health Literacy Survey:

80 hochkarätige Gäste aus leitenden Positionen in Gesundheits- und Bildungsministerien, Krankenkassen, Gesundheitseinrichtungen, Verbänden, Patientenorganisationen, Wissenschaft und Forschung, Gesundheitswirtschaft, Stiftungen, Think Tanks sowie Parlamentarier und Parlamentarierinnen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich diskutierten engagiert, kritisch und kontrovers folgende Fragen:

·         Was ist im Bereich Gesundheitskompetenz schon erreicht worden?

·         In welchen Bereichen des Gesundheitssektors besteht besonderer und prioritärer Handlungsbedarf?

·         Welche Akteure sind besonders gefordert?

Die Ergebnisse der Umfragen zu Gesundheitskompetenz in der Schweiz, Deutschland und Österreich lieferten dazu wichtige Informationen (siehe auch die Blogbeiträge zum Health Literacy Survey von Prof. Dr. Doris Schaeffer und Dr. Jörg Haslbeck).

Gesundheitspolitische Runde mit Lutz Stroppe (D), Pamela Rendi-Wagner (Ö), Pascal Strupler (CH) und Moderatorin Ilona Kickbusch
Gesundheitspolitische Runde mit Lutz Stroppe (D), Pamela Rendi-Wagner (Ö), Pascal Strupler (CH) und Moderatorin Ilona Kickbusch – Foto: Pit Brunner

Hervorgehoben wurde die Dringlichkeit des Themas durch ein Podium aus Staatssekretären der Gesundheitsministerien der Schweiz, Deutschlands und Österreichs und einer Vertreterin der Weltgesundheitsorganisation.

Der von Prof. Dr. Ilona Kickbusch (Stiftungsrätin der Careum Stiftung) geleitete Dialog fand im neuen Auditorium der Careum Stiftung im Zürcher Bildungsquartier statt.

Die Kernergebnisse des Dialogs waren:

·         Gesundheitskompetenz wird als relationales Konzept verstanden. Das heißt: Die Fähigkeit, mit gesundheitsbezogenen Informationen umzugehen, ist beeinflusst durch die persönliche Kompetenz des Individuums und die Anforderungen, mit denen jeder Einzelne konfrontiert ist.

·         Eine erfolgreiche Strategie zur Stärkung von Gesundheitskompetenz muss einen bevölkerungsbezogenen Ansatz verfolgen, der die Bedeutung des sozialen Kontexts und die Wichtigkeit von Systemen, Organisationen und Gesundheitseinrichtungen für die Ausprägung von Gesundheitskompetenz berücksichtigt.

·         Es besteht dringender Handlungsbedarf, denn trotz erster Initiativen in Politik, Wissenschaft und Praxis hat ungefähr die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland, Österreich und der Schweiz Schwierigkeiten im Umgang mit gesundheitsbezogener Information.

·         Sieben prioritäre Handlungsfelder können dazu beitragen, Gesundheitskompetenz zu stärken: (1) ein gesamtgesellschaftlicher Ansatz, (2) die Veränderung von Systemen, Settings und Organisationen, (3) die Stärkung der Beziehung zwischen Patienten und Gesundheitsprofessionellen, (4) die Bereitstellung von verständlicher und nutzerfreundlicher Information, (5) die Förderung von Gesundheitskompetenz vulnerabler Gruppen, (6) politische Initiativen als Motor für die Umsetzung von Maßnahmen und (7) begleitende Forschung.

·         Die Förderung von Gesundheitskompetenz ist kosteneffizient und trägt nicht nur zu besserer Gesundheit bei, sondern hat positive Auswirkungen auf alle gesellschaftspolitischen Akteure und Institutionen. Eine Strategie zur Förderung von Gesundheitskompetenz muss von allen Akteurinnen und Akteuren aktiv mitgetragen werden.

Dieser Blogbeitrag wurde gemeinsam von Prof. Dr. Ilona Kickbusch, Dr. Heide Weishaar und Theresia Langosz erstellt.

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Ein ausführlicher Event Report zum Careum Dialog 2017 wird in Kürze auf der Careum Website verfügbar sein.

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