Karriere in der Pflegewissenschaft mit Stipendium

Was sind die Vor- und Nachteile beim berufsbegleitendem Studium in den Gesundheitsberufen?

Das Meistern der möglichen finanziellen und organisatorischen Herausforderungen diskutiert die Gastautorin Natascha Baumann in diesem Beitrag.

Gleich hier den Blog-Newsletter abonnieren!

Download «Checkliste - 10 Dinge, die es vor dem Teilzeitstudium abzuklären gilt» als PDF Datei – Careum (166 KB)

Nach Abschluss des Studiums zum Bachelor of Science in Nursing (BScN) wollte ich mein Wissen zu Forschung, Fachentwicklung und Projektmanagement erweitern und vertiefen. Mein Ziel war, damit einen Beitrag zu einer besseren und nachhaltigen Pflegequalität in meinem Betrieb zu leisten.

Meine Studienfinanzierung zum Master of Science in Nursing (MScN) an der Kalaidos Fachhochschule Gesundheit sah folgendermassen aus:

  • In den rund 2.5 Studienjahren war ich kontinuierlich zwischen 50% und 60% berufstätig. Dies war möglich, weil die Präsenztage übers ganze Studium verteilt immer am Donnerstag stattfanden. Diese Regelmässigkeit erleichterte die Arbeitsplanung im Spital enorm.
  • Mein Betrieb beteiligte sich zu 60% an den Studiengebühren sowie den damit verbundenen Auslagen.
  • Zusätzlich erhielt ich den Zuschlag für ein Careum-Stipendium im Umfang von CHF 7‘500.

Berufsintegrierend studieren

Dieses gemeinsam getragene Arrangement spiegelt das Prinzip des Studiengangs «berufsintegrierend studieren» wieder. Was das heisst? Studierende Mitarbeitende engagieren sich gleichermassen projektbezogen im Betrieb und im Studium – auch finanziell. Und die Betriebe ihrerseits führen Projekte mit studierenden Mitarbeitenden durch und finanzieren sie anstatt Mandate an externe Personen zu vergeben.

Diese Integration von betrieblichem Projekt und MScN-Studium erhöhte meine Sichtbarkeit im Betrieb. Ich habe bei meinen Studienkolleginnen und -kollegen ebenfalls festgestellt, dass vor allem jene ein berufsbegleitendes Studium wählen, die bereits eine passende Stelle haben und etwas bewirken können. So sind sie generell besser auf die Praxis vorbereitet und können zudem finanziell unabhängig bleiben.

Kantonale Stipendien und Darlehen

Auch die Kantone zahlen Stipendien oder rückzahlungspflichtige Darlehen aus. Diese sind meistens Einkommensabhängig und werden nur gezielt ausbezahlt. 2013 haben über 50 Prozent der Studierenden auf Tertiärstufe ein kantonales Stipendium beantragt. Im Gegensatz zu kantonalen Stipendien ist das Careum-Stipendium Vermögens- und Einkommensunabhängig. Es orientiert sich vielmehr an den individuellen Leistungen im Studium und in der Praxis.

Statistik kantonale Stipendien (Bundesamt für Statistik, 2014)
Kantonale Stipendien (Bundesamt für Statistik, 2014)

 

Hat sich das Studium für mich gelohnt?

In der Mitte des Studiums wechselte ich das klinische Tätigkeitsfeld im Betrieb. Mit dem Funktionswechsel habe ich bereits während des Studiums den nächsten Karriereschritt von der Pflegefachfrau zur Pflegeexpertin vollzogen. Damit war auch eine Lohnanpassung verbunden.

Weiter war die Vertiefung meines Spezialthemas – die intermittierende Selbstkatheterisierung (ISK) – zentral für meine berufliche Weiterentwicklung. Wichtig waren aber auch die im Studium aufgebauten Kontakte zu Mitstudierenden, Alumni und Dozierenden der Fachhochschule sowie das disziplinübergreifende betriebsinterne und -externe Netzwerk.

Know-how Gewinn im Studium

Mein MScN-Studium umfasste vier Studienbereiche:

  • Angewandte Forschung
  • Strategisches Projektmanagement
  • Pflege- und Gesundheitswissenschaft sowie
  • Professionalisierung und Leadership in der Pflege.

In meiner Position als Pflegeexpertin und auch als ISK-Expertin stärkte ich mit diesen vier Studienbereichen meine fachliche und betriebliche Position mit breit angelegten Kompetenzen. Dazu einige Beispiele.

Angewandte Forschung

Dank meinem Forschungsprojekt zu ISK kennen wir nun die Situation von ISK-Patient/innen an der Schnittstelle zwischen Spital und Privathaushalt bzw. dem Arbeitsplatz der Patient/innen besser. Die Schulung wurde angepasst. Auch wird an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde des Inselspitals Bern etwa eine Woche nach der Schulung ein Telefon-Follow-up geführt, wenn die Patientinnen wieder zuhause sind. Dies ermöglicht den Frauen, ihre Unsicherheiten, Ängste und Sorgen, aber auch ihre erlebten praktischen Herausforderungen zu thematisieren. Sie können gemeinsam mit einer Fachperson nach konkreten Lösungen suchen. Die Gespräche werden dokumentiert und später evaluiert.

inselspital
«Selbstkatheterisierung» – am Inselspital Bern mit Konzept

Strategisches Projektmanagement

Für die Universitätsklinik für Urologie erarbeitete ich ein evidenz-basiertes Edukationskonzept zur ISK. Die Projektprodukte waren eine Richtlinie für das Pflegepersonal sowie eine Broschüre für Patientinnen und Patienten. Die Kompetenzen für nachhaltiges und strategisches Projektmanagement entwickle ich nun auf der Gynäkologie weiter. Das ISK-Thema ist hier genauso wichtig, und das Schulungskonzept – mit Fokus auf die ambulante Schulung von Frauen – ebenfalls überarbeitungsbedürftig.

Während der klinischen Tätigkeit baute ich mir im Studium auch ein nationales und internationales Netzwerk auf. Beispielsweise besuchte ich im Modul «Studienbesuch» die lokale Spitex mit der Frage, ob und wie die ISK im häuslichen Bereich geschult werden könnte. Prinzipiell ist das möglich, jedoch ist der Bedarf momentan zu gering.

Pflege- und Gesundheitswissenschaft

Dieser Studienbereich wirkte weit über den beruflichen Kontext hinaus. Als eindrückliches Beispiel bleibt mir der Kontakt mit einer amtierenden Grossratspolitikerin in Erinnerung, durch welchen ich mich nun aktiv (berufs-)politisch engagiere. Mein Wissen und Verständnis zu work & care oder Chronic Care Management wurden geschärft und fliessen nun auch in die tägliche Arbeit als Pflegeexpertin ein. Dies zeigt sich z. B. bei den Transfercoachings mit den BScN-Studentinnen auf unserer Abteilung. Mein Blickwinkel wurde durch diesen Studienbereich geschärft und befähigt mich nun, mit den Studentinnen Themen mehrperspektivisch zu betrachten.

«Durch das MScN-Studium lernte ich schwierige Situationen mehrperspektivisch zu betrachten, vielschichtige Probleme zu analysieren und praxistaugliche Lösungen zu finden.»

Professionalisierung und Leadership

Hier lernten wir unter anderem das Modell REPVAD für die Analyse von alltäglichen, herausfordernden Situationen kenne. Es fördert die Zusammenarbeit – auch virtuell – und bringt oft auch überraschende Ursachen und kreative Problemlösungen zum Vorschein. Auch das für mich weitgehend neue Thema des «Global Citizenship» brachte mir die Folgen meines lokalen Handelns mit globaler Auswirkung näher. Als Beispiel:  Wie wirkt sich die Abwanderung von Fachkräften aus dem Ausland in die Schweiz aus («brain drain»)? Hier übernehme ich eine relevante Rolle als Pflegeexpertin mit Vorbildfunktion im Praxisalltag, indem ich die Zusammenhänge aufzeige und mich politisch für Lösungen einsetze.

Fazit

Dank einem gebündelten Arrangement  konnte ich das MScN-Studium finanzieren und meine Karriere in wenigen Jahren erfolgreich weiter bringen. Im Betrieb habe ich einen nachhaltigen Wandel für die ISK-Schulung erzielt. Die regelmässigen Präsenztage ermöglichten eine optimale Vereinbarkeit zwischen Studium und Arbeit. Das hat auch zu einem niederschwelligen Transfer der Theorie in die Praxis beigetragen. Die Vereinbarungen zwischen Studium und Praxis können die Studierenden individuell regeln und je nach finanziellem Bedarf Stipendien beantragen.

Checkliste: Ein berufsbegleitendes Studium planen – was ist zu berücksichtigen?
Download «Checkliste – 10 Dinge, die es vor dem Teilzeitstudium abzuklären gilt» als PDF Datei – Careum (166 KB)

1. Wieviel Unterstützung kann ich von meinem Arbeitgeber erwarten?

  • Hilfe mit den Studiengebühren (z. B. 80%),
  • Studienmaterialien (z.B. 100% Übernahme der Kosten für Lehrbücher)
  • möglicher Beitrag am Lohnausfall (z. B. Reduktion der Arbeitszeit wird zur Hälfte vom Arbeitgeber getragen)
  • monatliche Spesenpauschale (z. B. für Kosten wie Reisen, Übernachtungen, usw.), und
  • Berücksichtigung des Studiums bei der Schichteinteilung und Arbeitsplanung (wo arbeite ich wann?) durch Vorgesetzte (d. h. Flexibilität)

2. Habe ich die Möglichkeit Stipendien zu erhalten?

3. Wie vereinbare ich das Studium mit Alltag und Familie?

  • Hat mein Partner oder Partnerin den Willen und die Flexibilität, mich zu unterstützen?
  • Wie bringt meine Familie das alles unter einen Hut (z. B. Kinderbetreuung: Wer ist zu Hause wenn die Kinder Abendessen brauchen?)
  • Kann ich mir an Wochenenden oder Freitagen die Zeit nehmen um konzentriert am Studium zu arbeiten (z. B. Recherchen machen und Seminararbeiten schreiben, Partner bringt Kinder zu Freizeitaktivitäten wie Fussball)
  • Haben wir in der Familie noch genügend Zeit füreinander und wann nehmen wir uns die?

Was meinen Sie? Mitdiskutieren!

Welche Vor- und Nachteile bringen berufsbegleitende Studiengänge mit sich?

Welche Herausforderungen sind mit diesem Studienweg am Arbeitsplatz, im Alltag und in der Familie verbunden?

Weitere Tipps und Wege zur Studienfinanzierung – was funktioniert?


Hinweis: Der Master of Science in Nursing an der Kalaidos Fachhochschule Gesundheit kombiniert Studium und gleichzeitige Berufstätigkeit. Finanziert wird der Karriereschritt ebenfalls durch eine Beteiligung von Betrieb und Studierenden.

Front-Bild: © Death to the Stock Photo 2015


Natascha Baumann

Natascha Baumann, MSc, ist als Pflegeexpertin auf der stationären Gynäkologie, Universitätsspital Inselspital Bern tätig und interessiert sich für Gesundheitspolitik und Patientenedukation.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *